Die norwegische Band a-ha (1988) (Foto: Imago, imago images / Future Image)

a-ha: "Hunting High and Low" (1985) Aller guten Dinge sind Drei – auch dank eines tollen Videos!

a-ha sind ein Paradebeispiel für Musiker, die nicht aufgeben. „Take on Me“ wird erst bei der dritten Veröffentlichung zum Hit! Der Erfolg ermöglicht den Norwegern, eine Debut-LP nachzuliefern, die zum Multi-Millionen-Erfolg wird.

Wie spricht man eigentlich diese Namen aus?

Sommer 1985. Aus dem Nichts erscheint eine norwegische Band auf den Bildschirmen der westlichen Welt. Radiosender und MTV lassen ein Lied rauf und runter laufen, das sowohl kreischende Teenies als auch gestandene Musik-Journalisten vor ungewohnte Probleme stellt. Es sind gleich drei Probleme, denn den Band-Namen a-ha kann international zwar jedes Kind aussprechen, aber die drei jungen Männer, die sich da hinter drei kleinen Buchstaben verbergen, haben natürlich auch bürgerliche Namen. Und sowohl Fans als auch Journalisten wollen wissen: Wie heißen die Jungs?

Es sind drei Namen, die nur schwer über Zunge und Lippe rollen wollen. Beim Sänger Morton Harket geht das zwar noch einigermaßen gut (und glücklicherweise ist es SEIN Name, den man am häufigsten aussprechen muss, weil er als Sänger der Frontmann ist). Aber bei den beiden anderen ist das schon schwieriger. Pål Waaktar – Texter und Komponist – macht einem wieder bewusst, dass das skandinavische Ringelzeichen über einem „A“ dafür sorgt, dass das „A“ eher wie ein „o“ ausgesprochen wird. Und der Name des Keyboarders Magne Furuholmen sorgt gelegentlich auch für den einen oder anderen Versprecher.

Die norwegische Band a-ha: Pal Waaktaar, Morten Harket und Magne "Mags" Furuholmen (1986) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa - Report)
Die Mitglieder des norwegischen Pop-Trios "a-ha" von links nach rechts: Pal Waaktaar, Morten Harket und Magne "Mags" Furuholmen (1986) dpa - Report

Drei junge Männer in London – und ein Studio mit „Space Invaders“

Stand da weiter oben etwas von „aus dem Nichts“? Natürlich trifft das nicht zu bei a-ha. Es gibt eine Vorgänger-Band, bei der Waaktar und Furuholmen zugange waren. „Bridges“ heißt die Band. Jung, talentiert, erfolglos. Die Gruppe löst sich schnell auf. Aber die beiden sind ehrgeizig. Sie wollen als Trio weitermachen und holen Morten Harket als Sänger mit an Bord.

Die drei sind mutig, denn sie wagen einen krassen Schritt: Als völlig Unbekannte, versuchen sie fern von der Heimat in London Fuß zu fassen. Sie finden ein Studio für Demo-Aufnahmen. Angeblich gefällt ihnen das Studio auch aus einem nicht-musikalischen Grund ziemlich gut: Der Besitzer hat das Video-Spiel „Space Invaders“ dort stehen, was für das Kind im Manne natürlich die reinste Freude ist! Was weniger eine Freude ist: Sie haben nur einen Song im Gepäck, den sie auch veröffentlichen: „Take on Me“. Der verkauft sich aber nicht. Trotz eines skurrilen Videos, in dem die drei vor einer blauen Leinwand agieren. Sie haben nur den einen Song, also wird der umgeändert. Aber auch Version Nummer Zwei will keiner haben. Dann der große Schritt – niemals aufgeben! – zu einer dritten Version. Diesmal wieder mit Video. Und dann geht das ganze Ding durch die Decke! Nr. 1 in den USA, Nr. 1 in Deutschland, Nr. 2 in den UK-Charts. Und es ist wohl der Video-Clip, der enorm viel zum Erfolg beiträgt.

Von wegen „innovatives“ Musik-Video!

Dieses Video zeigt Morten Harket, der als gezeichnete Figur in einem Comic umher irrt, um dann später den Weg in die reale Welt zu finden.

(Quelle: Youtube)

Das Video wurde damals als Weltsensation und Neuheit gefeiert, was natürlich stark übertrieben war. Filmfans kannten das Verfahren, das echte Figuren als gezeichnet erscheinen lässt, schon lange. Spätestens seit Ende der 70er Jahre, als eine erste Trick-Version von „Der Herr der Ringe“ für einiges Staunen in den Kinos gesorgt hatte. Das Trickverfahren nennt sich „Rotoskopie“ und ist tatsächlich schon seit den 30er Jahren bekannt gewesen. So viel zum Thema „Innovation“.- Für a-ha öffnen sich plötzlich alle Tore. Sie können im Studio jetzt ein ganzes Album produzieren. Songwriter Pål Waaktar zaubert mehrere Songs aus dem Hut, die er längst alle schon in petto hatte. Der Band-Name geht auf einen seiner Songs zurück, der so hieß. Morton hatte in einem Song-Notizbuch von Waaktar geblättert und gesagt: „Der Song taugt nichts, aber der Titel ist gut!“. Der Titel war gut genug für den Band-Namen!

Die norwegische Band a-ha (Foto: SWR)

Pål Waaktar zaubert Hits aus seinem persönlichem Skizzenbuch

Und was für Songs zaubert Pål Waaktar da aus dem Hut! „The Sun Always Shines on TV“ wird zum nächsten Hit. Das Lied entsteht, als er mit seinen Kollegen bei strömenden Regen in London vor dem Fernseher sitzt und ein Wetter-Ansager rumwitzelt: „Es regnet, aber hier im Fernsehen scheint immer die Sonne!“. Ein perfekter Titel! Logisch, dass der Song ausgerechnet in England zur Nummer Eins wird!

Es ist Synthie-Pop, was die Band abliefert. Melodisch, tanzbar, eingängig. 10 Titel insgesamt. Keine 40 Minuten Gesamtspielzeit – die typische Länge von LPs damals. Up-tempo mischt sich mit Balladen. Manches klingt aus heutiger Sicht ein bisschen sehr nach 80er-Jahre-Kaugummi (wie z.B. „Love is Reason“). Manches wird zum Klassiker, wie etwa das zauberhafte Titelstück („Hunting High and Low“ übersetzt man übrigens mit „sich die Füße wundlaufen auf der Suche nach jemandem“ oder kürzer „fieberhaft nach etwas suchen“).

Die Kritiken sind sehr wohlwollend damals. Die LP ist ein Meilenstein der 80er-Jahre-Popmusik. Es will an keiner Stelle ein Meisterwerk sein. Es will einfach nur gute Laune machen – und das funktioniert auch Jahrzehnte später noch ganz wunderbar. A-ha genießen von diesem Moment an Superstar-Status (außer in den USA, wo sie als One-Hit-Wonder gelten). Ihre anschließende Tour führt sie durch mehr als 100 Städte.

Bis heute sind a-ha aktiv. Und die ein oder andere Band-Auflösung und –Reunion hat es selbstverständlich auch gegeben…

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