Hot Chocolate (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Photoshot -)

Hot Chocolate: "Every 1’s a Winner" (1978) Großbritannien im Disco-Fieber

Ein Meilenstein der Musikgeschichte

Wie die Funk-Band "Hot Chocolate" Hit auf Hit landet.

Revolutionäre Sounds

Schlaghosen, riesige Sonnenbrillen, toupierte Haare und viel, viel Glitzer: Die Mode der 70er-Jahre-Disco-Zeit war schon sehr speziell.

Der Musik-Mix im Radio war genauso schrill: Von Hardrock bis Disco lief so ziemlich alles. Ein Evergreen von damals: "Every 1's A Winner" von Hot Chocolate. Ein eingängiger Beat und ein Gitarrenriff mit einem ganz eigenen Sound, bei dem einer der ersten Roland-Gitarrensynthesizer verwendet wurde. Hot Chocolate, die in der Disco-Ära aufblühten, hatten aber ursprünglich ganz andere musikalische Wurzeln.

Hot Chocolate (v.l.n.r.: Keyboarder Larry Ferguson, Bassist Tony Wilson, Sänger Errol Brown, Gitarrist Franklyn De Allie und Drummer Patrick Olive) (Foto: Imago, imago/Gueffroy -)
Hot Chocolate, von links nach rechts: Keyboarder Larry Ferguson, Bassist Tony Wilson, Sänger Errol Brown, Gitarrist Franklyn De Allie und Drummer Patrick Olive Imago imago/Gueffroy -

Von Reggae zu Disco

So bunt wie der Mix in den Radios ist damals natürlich auch die Weltmetropole London. Besonders der Stadtteil Brixton ist bei Musikern beliebt.

Ein Bassist namens Tony Wilson ist ein großer Reggae-Fan. So groß, dass er aus bekannten Songs Reggae-Songs macht. Gemeinsam mit Lead-Sänger Errol Brown gründet er 1969 "Hot Chocolate". Und das Covern zahlt sich aus: Wegen einer Reggae-Version von John Lennon's "Give Peace A Chance" wird ein ganz besonderes Plattenlabel auf die Band aufmerksam: Apple Records! Gegründet natürlich von den Beatles. Das Markenzeichen: der Aufdruck des saftig grünen, halb aufgeschnittenen Apfels auf den Vinyl-Platten.

Hot Chocolate haben allerdings Pech: Kaum ist der Vertrag bei Apple unterschrieben, lösen sich die Beatles auf. Der Vertrag platzt.

Charme trifft auf Talent

Mit dem Erfolgsproduzenten Mickie Most, der unter anderem Gitarrist Jeff Beck und Rock-Ikone Suzie Quatro unter Vertrag hatte, kommt wieder frischer Wind in die Segel. Und prompt liefern Hot Chocolate einen Hit nach dem anderen: "Love Is Life" steigt direkt in die UK-Charts ein, ebenso wie "Brother Louie" und "Emma".

Hot Chocolate (1974) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Photoshot - © Retna/Photoshot)
Hot Chocolate (1974) picture alliance / Photoshot - © Retna/Photoshot

Errol Brown und Tony Wilson gelten als unschlagbares Songwriting-Duo. Und Brown fällt nicht nur mit musikalischen Talent, sondern auch rein äußerlich auf. Enge Hosen, mehrere Reihen Goldketten um den Hals und Hemden, die bis zum Bauchnabel aufgeknöpft sind. Seine Kleidung stand für das damalige Lebensgefühl. Disco – das war gute Laune, Lebensfreude und Tanzen. Und das kommt bei den Leuten an.

Auf der Überholspur

Mitbegründer Tony Wilson entscheidet sich 1976 für eine Solokarriere, Hot Chocolate entscheiden sich für weitere Charterfolge. Mit "Every 1's a Winner" veröffentlichen sie im April '78 ihr viertes Studioalbum. Neun Songs mit insgesamt drei Singleauskopplungen waren zu hören, inklusive dem ersten Nummer-1-Hit "So You Win Again". Der größten Ohrwurm ist aber wohl trotzdem die gleichnamige Single "Every 1's a Winner" - sie erhält US-Gold.

Hot Chocolate waren die einzige Band, die von 1970 bis 1984 jedes Jahr einen Hit in den UK-Charts hatten. Vielleicht war es die (damals noch) ungewöhnliche Mischung der schwarzen und weißen Musiker, die ihre Musik so unverwechselbar machte.

Musik für die Ewigkeit

Hot Chocolate (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Photoshot -)
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Nach zahlreichen Chart- und Albumerfolgen folgte 1981 ein weiterer Meilenstein für die Band – wenn auch ein "royaler": die Hochzeit von Prinz Charles und Lady Diana, auf der Hot Chocolate auftreten dürfen. Trotz oder wegen des Erfolgs verlässt vier Jahre später auch Errol Brown die Gruppe. Hot Chocolate erreichen auch ohne ihren glatzköpfigen Frontsänger noch einmal Top-10-Platzierungen, als 1987 ein Greatest-Hits-Album veröffentlicht wird.

Errol Brown setzt seine Karriere als Solokünstler fort, erhält 2003 sogar den Ritterorden der Queen für sein musikalisches Lebenswerk. 2015 stirbt er im Alter von 71 Jahren an den Folgen von Leberkrebs. Seine Songs werden wohl für die Ewigkeit bleiben - noch heute ziehen sie die Menschen auf die Tanzfläche. Und noch touren Hot Chocolate mit den drei Originalmitgliedern Harvey Hinsley, Patrick Olive und Tony Conor mit ihren zeitlosen Hits um die Welt.

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