Eurythmics (Foto: Imago, imago images / ZUMA Press)

Eurythmics: "Sweet Dreams (are made of this)" 1983 Ein Synthie-Pop-Duo fasziniert die Musikwelt

Erst in einem Liebes-Projekt, das sich auflöst, dann in einem Band-Projekt, das sich ebenfalls auflöst. Dave Stewart und Annie Lennox machen einiges mit, ehe sie sich beruflich als Duo wiederfinden und mit melodiösem Synthie-Pop zu Weltstars werden.

Eurythmics (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / empics)
Die Eurythmics, Annie Lennox und Dave Stewart 1984. picture-alliance / empics

Zwei junge Leute mit viel Talent und wenig Geld 

Es ist das Jahr 1976. Wir sind in London. Eine junge Frau aus dem schottischen Aberdeen studiert in der britischen Hauptstadt Musik – an der renommierten Royal Academy of Music. London ist teuer.

Die junge Frau heißt Annie Lennox. Um Studium und Lebensunterhalt zu finanzieren, nimmt sie einen miesbezahlten Job in einem Restaurant an. Sie ist 22. In dem Restaurant trifft sie einen jungen Mann, gerade mal 24 Jahre alt, der sich ebenfalls mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Sein Name: Dave Stewart. Der Twen hat zwar einen Vertrag beim Plattenlabel von Elton John – „Rocket Records“ – aber was nutzt der prominente Name, wenn keiner die Platten kauft.

Dave Stewart lebt in ziemlich billigen Absteigen – und teilt damit das Schicksal vieler anderer Musiker, die sich dafür entscheiden, von der berühmten „brotlosen Kunst“ leben zu wollen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Es funkt zwischen Lennox und Stewart und die beiden werden ein Paar. 

Waldorf-Pädagogik: Den eigenen Namen tanzen mit Eurythmie 

Dass die beiden ein Paar werden, ist wichtig. Denn lange wird die Liebesbeziehung nicht halten. Nach vier Jahren ist Schluss. Und der Kummer, den die beiden durchleiden müssen, wird ihnen später noch in kreativer Hinsicht zugutekommen. Denn trotz aller Querelen: rein professionell betrachtet bleiben sie zusammen. Und dass das schwierig ist, kann sich jeder denken. Aber beide merken recht schnell: Als Musiker sind sie ein gutes Team. Denn kurz nach dieser Restaurant-Begegnung finden sie sich in einem Band-Projekt wieder. Diese Truppe nennt sich „The Tourists“. Aber die Gruppe landet keinen Hit.

Die internen Spannungen werden immer schlimmer, sodass schon 1980 – nach nur drei Jahren – die Band wieder aufgelöst wird. Und das ist der Punkt, an dem Lennox und Stewart buchstäblich am Scheideweg sind. Denn genau hier trennt sich auch das Liebepaar – mit dem Entschluss, beruflich weiter zusammenarbeiten zu wollen.

Als Duo nennen sie sich jetzt Eurythmics. Annie Lennox kommt auf den Namen, weil sie die Eurythmie aus ihrer Kindheit kennt. Den Begriff kennen viele von uns auch heute noch – wenn auch nur in Verbindung mit Waldorf-Schülern. Diese werden oft belächelt, weil sie „ihren Namen tanzen“ können. Die Eurythmie versteht sich einerseits als Bewegungskunst (auf Theaterbühnen zum Beispiel). Andererseits aber auch als Therapieform hin zu einem bewussteren Körpergefühl. 

Ein Flop nach dem anderen – aber keiner gibt auf 

Waldorf-Pädagogik hin oder her: Lennox und Stewart haben es zu Beginn auch als Duo nicht leicht. Einerseits müssen sie damit kämpfen, als getrenntes Paar ständig im Studio sein zu müssen. Andererseits will sich immer noch kein Erfolg einstellen. Das erste Album nehmen sie in Deutschland auf – im legendären Kölner Studio von Konrad „Conny“ Plank. Aber die zwei Single-Auskopplungen laufen genauso schlecht wie die LP an sich. Trotzdem geben die beiden nicht auf.

Das zweite Album nehmen sie im billig zusammengeschusterten Londoner Heim-Studio von Dave Stewart auf. Die Mittel, die zur Verfügung stehen, sind relativ bescheiden. Noch bevor das Album „Sweet Dreams“ im Januar 1983 veröffentlicht wird, gibt es zwei Vorab-Singles, die wiederum schlecht laufen.

Es ist zum Verzweifeln! Aber die Plattenfirma glaubt an das Duo und nimmt Geld in die Hand. Single Nummer 3 soll es richten – und wird mit einem Video-Clip versehen. Das damals noch relativ junge MTV freut sich über neues Material – und siehe da: Endlich, endlich! Der Erfolg ist da! „Love Is A Stranger“ wird zum Hit! 

Annie Lennox von den Eurythmics damaliges Markenzeichen: kurze rote Haare. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Jazz Archiv)
Annie Lennox damaliges Markenzeichen: kurze rote Haare. picture alliance / Jazz Archiv

1983 – DAS Jahr für Eurythmics! 

Es ist erstaunlich, wie viele Hindernisse Eurythmics auf dem Weg hin zu  Weltstars überwinden müssen. Aber die unermüdliche Geduld zahlt sich aus. Nach fünf mühseligen Jahren sind die beiden plötzlich weltberühmt. Denn nicht nur „Love Is A Stranger“ läuft gut – die nachfolgende Single läuft noch besser: „Sweet Dreams“ schlägt weltweit ein.

Kritiker und Publikum sind fasziniert. Sie sind fasziniert von der beachtlichen Stimme der Annie Lennox. Sie müssen zugeben auch vom Aussehen der Sängerin fasziniert zu sein: Mit ihren kurzgeschorenen und orangefarbenen Haaren wird sie zur Stil-Ikone. Und alle zusammen lieben den elektronischen Klang von Eurythmics, der trotz aller Künstlichkeit mit viel Seelenleben gefüllt ist.

1983 ist DAS Jahr für das Duo. Ständig sind Singles in den weltweiten Hitparaden zu finden. Wenn´s einmal läuft, dann läuft´s auch! Kein Wunder also, dass die beiden schnell neue Musik nachliefern. Noch im selben Jahr kommt Studio-Album Nummer 3 raus – „Touch“ – auf dem dann wiederum Klassiker zu finden sein werden wie „Here Comes The Rain Again“ und „Who´s That Girl?”. – Es ist aber „Sweet Dreams“, der das alles ermöglicht. Es ist der persönliche Meilenstein.

In ihrer langen Karriere (selbstverständlich weitere Trennungen inclusive) werden die beiden 75 Millionen Tonträger verkaufen. Und das sind wahrlich süße Träume, von denen die meisten von uns gar nicht zu träumen wagen…