Creedence Clearwater Revival (Foto: Imago, Imago/ZUMA Press -)

Creedence Clearwater Revival: "Cosmo´s Factory" (1970) Ein Meisterwerk – mal eben so hingerotzt!

Ein Meilenstein der Musikgeschichte

Millionen verkaufte Singles und LP´s, miese Verträge, und mittendrin ein Egomane. Anmerkungen zum ewig jungen Kurzzeit-Phänomen CCR.

Was ist das eigentlich für ein merkwürdiger Name?

Rückblickend könnte man meinen, CCR seien buchstäblich aus dem Nichts gekommen. Eine Band, die innerhalb nur weniger Jahre zwischen 1968 und 1972 kometenhaft aufsteigt und genauso schnell wieder verpufft – mit unfassbar vielen Evergreens als Erbe an die Musikwelt. Tatsächlich fällt kein Meister vom Himmel – auch nicht Mastermind John Fogerty. In Wahrheit geht die Band auf eine Truppe von drei Schuljungs zurück – und diese Schuljungs finden sich Jahre später allesamt bei CCR wieder – mit einem zusätzlichen vierten Mitglied. In der Schule nennen sich die Jungs "Blue Velvets"; beim ersten – wenig erfolgreichen – Platten-Vertrag nennt sich die Truppe "The Golliwogs". Als dieses erste Platten-Label von einem noch größeren Label ("Fantasy Records") gekauft wird, steht wieder einmal ein neuer Name an. Das Quartett entscheidet sich allerdings für einen merkwürdigen Namen. Weil die vier hoffen, mit einem neuen Vertrag ein Revival zu erleben, wird das Wort "Revival" schonmal Bestandteil der neuen Visitenkarte. Eine Biermarke, die damals damit wirbt, Quellwasser zu benutzen ("clear water") sorgt für den Mittelteil; und weil ein Freund der Band mit dem religiös angehauchten Vornamen "Credence" (mit einem "e"!) gesegnet ist, wird auch dieser leicht abgeändert mit aufgenommen. Fertig ist Creedence Clearwater Revival!

John Fogerty als Egozentriker sorgt für Unmut

John Fogerty (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste -)
John Fogerty picture-alliance / Reportdienste -

Aber wie kann eine Band innerhalb so kurzer Zeit dann so viele Meisterwerke produzieren? Die Frage ist kaum zu beantworten. Sie hat aber natürlich mit Mastermind John Fogerty zu tun, der innerhalb der Band plötzlich ungeahnte kreative Fähigkeiten entfaltet, die ein Millionenpublikum bis heute begeistern. Fast zwei Dutzend Singles von CCR sind ins kollektive Bewusstsein der Musikfreunde weltweit eingegangen – und zahlreiche Filme und Werbespots haben einen großen Anteil daran. So sehr Fogerty für kurze Zeit ein musikalisches Genie ist – in Vertragsdingen ist er das nicht. Und das sorgt schon früh für böses Blut in der Band. Tom Fogerty ist Anfang der 70er Jahre schwer genervt vom kleinen Bruder und verlässt die Truppe. Spannungen kommen auf, weil John die komplette künstlerische Kontrolle über die Alben haben will (und in einem Interview sagt er Jahrzehnte später, dass ihm der kommerzielle Erfolg schließlich Recht gegeben habe). Wünsche des Bruders oder der beiden anderen Mitglieder, auch mal komponieren, arrangieren oder singen zu dürfen, bügelt er komplett ab.

Fünf Alben in 24 Monaten – eine Meisterleistung

So ist das Album "Cosmo´s Factory" einzig und allein ein John-Fogerty-Ding. Ein Album, das er fast im Alleingang komponiert und produziert. Sieben der elf Titel stammen aus seiner Feder. Es ist wie im Rausch. CCR sind auf dem Höhepunkt ihres Ruhms – und dieses fünfte Studioalbum – man glaubt es kaum! – ist schon das fünfte Album innerhalb von nur 24 Monaten! Innerhalb so kurzer Zeit ändert keine Truppe groß ihren Stil. Und so hört man auch hier wieder genau das, was man bis dahin schon gewohnt war: Eine kalifornische Band liefert Südstaaten-Blues-Rock, der geprägt ist von Fogertys rauer Stimme, einer E-Gitarre, einem Bass und einem unglaublich knackigen Schlagzeug. Drummer, die was auf sich halten, sind bis heute begeistert von der bemerkenswerten Coverversion von "I Heard It Through The Grapevine". Der Song, der durch Marvin Gaye weltberühmt geworden war (und bei ihm nur 3 Minuten lang war), wird hier zu einer epischen 11-Minuten-Schlacht für Schlagzeug ausgedehnt, die aber keine Sekunde langweilig ist. Auch das zeichnet CCR´s Musik aus: Sie ist nie langweilig – egal wie kurz oder lang einer ihrer Titel auch sein mag.

Knebelverträge von diabolischer Bösartigkeit

Creedence Clearwater Revival Bandfoto (Foto: SWR)

Aber das Schicksal der Musiker ist schnell besiegelt, als klar wird, wie ungeschickt sich John Fogerty bei der Plattenfirma angestellt hatte. Die Truppe verdient zwar gutes Geld – ausverkaufte Tourneen weltweit sorgen für einen hübschen Konto-Stand – aber die Mitglieder müssten eigentlich nicht bloß wohlhabend sein; sie müssten reich sein. Sind sie aber nicht. Und das hat damit zu tun, dass die Plattenfirma sämtliche Rechte der Songs bei sich liegen hat (und nicht etwa beim Autoren oder der Band!) – und das hat weiter damit zu tun, dass die Band eigentlich laut Vertrag nur Geld bekommt, das über Konzerte zu ihnen fließt. Bei den Multi-Millionen-Verkäufen der Singles und LP´s ist das bitter. Sehr bitter sogar! Denn hier gehen sie komplett leer aus. Kein Wunder, dass sich CCR schon 1972 auflösen. Es kommt aber noch bitterer. Die Band-Mitglieder dürfen über Jahre hinaus ihre eigenen Songs nicht öffentlich spielen – weil die Vertragssituation so vertrackt ist.

"Friedensverträge" erst Mitte der 90er Jahre!

Dass das ungerecht ist, spürt jeder klardenkende Mensch sofort. Erst Mitte der 80er Jahre muss die Plattenfirma per Gerichtsbeschluss 8 Millionen Dollar an die Band überweisen. Da sich die Firma in der Zwischenzeit aber mit einer neuen Firmenzentrale und Spekulationen auf den Bahamas (!) die Finger verbrannt hatte, kommt nur sehr wenig Geld an. – Der ganze Streit wird erst viele Jahre später beigelegt, als sich die Firma öffentlich entschuldigt und die Rechte an die Autoren zurückgibt. Eine "Creedence Clearwater Revisited"-Band (die aus früheren Mitgliedern OHNE John Fogerty besteht) darf endlich ab 1995 öffentlich CCR-Titel spielen und Geld damit verdienen. Dasselbe gilt natürlich auch für John Fogerty selber.

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