Kimberly Davis (links) und Nile Rodgers (rechts) von der Band Chic 2016 in Camden, New Jersey (USA) (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Owen Sweeney)

Chic: "C’est Chic" (1978) Wegbereiter für Disco, Hip Hop und New Wave

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Ein Meilenstein der Musikgeschichte

Ein bisschen Bahnhofs-Atmosphäre. Ein bisschen Pseudo-Live-Atmosphäre. Und das erste Wort, das gesungen wird, heißt "chic". Und schon sind wir mittendrin in einem Meilenstein der 70er Jahre. Denn ohne "Chic" hätte es den Disco-Sound der kommenden Jahre nie gegeben!

Wo kommt eigentlich der Name her?

Chic – das sind eigentlich zwei junge Männer aus der New Yorker Mittelklasse: Nile Rodgers (Gitarre) und Bernard Edwards (Bass). Beide sind ausgebildete Musiker. Und wie das so ist als Twen mit fundierter musikalischer Ausbildung: Man möchte gerne eine eigene Band haben. Die zwei tun sich Mitte der 70er schnell zusammen, heuern noch einen Schlagzeuger und einen Mann für das Keyboard an – und wissen sofort: sie brauchen nicht eine, sondern gleich ZWEI weibliche Stimmen. Das sorgt dafür, dass die Band bei ihrem Debut eine sechsköpfige Truppe ist.

Unklarheit herrscht darüber, wie die Jungs eigentlich zum Namen "Chic" gekommen waren. Unterschiedliche Quellen erzählen völlig unterschiedliche Geschichten.

Die Band "Chic" in den 70ern (Foto: SWR)
Die Band "Chic" in den 70ern. Nile Rodgers steht links und Bernard Edwards in der Mitte.
  • Klar ist nur: "Chic" wollen rein äußerlich – also modisch! – chic sein. Das Auftreten von Roxy Music ist ein Vorbild.
  • Andere Quellen erzählen die Geschichte wie Rodgers und Edwards ein eigenes – unveröffentlichtes! – Lied in einer Disco hören, das ein befreundeter DJ laufen lässt. Das Publikum ist ziemlich chic gekleidet und will immer und immer wieder auf dieses neue Lied tanzen.
  • Und die dritte Geschichte geht so, dass die noch namenlose Band von Grace Jones (sehr chic!) in den legendären Club "Studio 54" (ebenfalls sehr chic!) eingeladen wird – aber nicht reinkommt, weil sie auf keiner Gästeliste steht (und vor der Tür ihre eigene Musik wummern hören!).

Verkaufs-Stopp – wegen des zu großen Erfolgs!

Alle diese Geschichten sind verbürgt, aber welche letztlich zum Band-Namen geführt haben, ist unklar. Klar ist nur, dass die Truppe, nachdem sie 1977 ihr Debut hingelegt hat, schon 1978 das zweite Album veröffentlicht. Und diese Schmach, dass man von einem Türsteher nicht reingelassen wird – diese Schmach wird im berühmten "Le Freak" verarbeitet. Dieses "Aaaaaah, Freak Out!" gleich zu Beginn war eigentlich auf den Türsteher gemünzt. Ursprünglich wollte man da den heftigen Fluch "Aaaaah, Fuck Off!" haben – die Idee ist dann aber schnell unter den Tisch gefallen. Plattenfirma, Radiostationen, Zensurbehörden – egal wer – sie alle hätten das Lied nicht laufen lassen. Gut, dass sich die Band um-entscheidet.

CHIC featuring Nile Rodgers (Foto: Warner Music -)
Nile Rodgers (2013) Warner Music -

"Le Freak" wird als Single zum Millionenseller. Das Lied wird so dermaßen erfolgreich, dass die Truppe sogar beschließt, den Verkauf einzuschränken! Das Publikum soll gefälligst auch die LP dazu kaufen. – Chic sind mit diesem Album stilprägend. Ein Meilenstein hin auf dem Weg zum weltweit erfolgreichen Disco-Sound der 70er und frühen 80er Jahre. Bernard Edwards wird mit seinem Bass-Spiel zum Vorbild kommender Generationen. Die Funk-Musik liebt den Sound der Gitarre von Nile Rodgers.

Rodgers ist bis heute immer wieder an vielen Welt-Hits beteiligt (besonders erfolgreich zum Beispiel als Gast bei Daft Punk zusammen mit Pharell Williams im Welthit "Get Lucky", bei "Upside Down" von Diana Ross oder auch bei "Notorious" von Duran Duran).

Tragischer Tod mit 44

Co-Band-Gründer Bernard Edwards stirbt im Jahr 1999 auf dramatische Weise. Er ist gerade mal 44. Kurz vor einem Konzert in Tokio klagt er darüber, sich krank zu fühlen. Nile Rodgers bittet ihn darum, sich auszuruhen und das Konzert ausfallen zu lassen. Edwards verneint. Er sei okay, brauche nur ein bisschen Pause. Das Konzert ist wohl auch "too big to fail" – also zu groß, als dass man es ausfallen lassen könnte. Chic haben Gaststars eingeladen: Steve Windwood, Sister Sledge und Slash von Guns'n'Roses sind mit dabei.

Beim Konzert hat Edwards dann aber mehrere Aussetzer. Dass er immer wieder seinen Bass nicht spielt, hielt der irritierte Rodgers zunächst für eine Art Improvisation. Wenige Stunden nach dem Konzert ist Bernard Edwards tot. Rodgers findet ihn im Hotelzimmer. Die Autopsie zeigt: Edwards stirbt an den Folgen einer verschleppten Lungenentzündung! Das denkwürdige Konzert mit den unheimlichen Aussetzern kann man noch heute nachhören; auf dem Album "Live at Budokan" aus dem Jahr 1999.

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