Supertramp 1986 bei einem Konzert im Quasimodo Berlin (Foto: Imago, imago/BRIGANI-ART -)

Supertramp: "Breakfast in America" (1979) Five Englishmen in L.A. 

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Ein Meilenstein der Musikgeschichte

Supertramp sind im Jahr 1979 auf der Höhe ihres Ruhms. Das relativ heiter gehaltene Album "Breakfast in America" wird oft als Kritik am "American Way Of Life" verstanden – sowohl Musik als auch Band-Mitglieder sagen allerdings etwas völlig anderes. 

Das Art-Design gehört zum Besten und Berühmtesten überhaupt 

Wie kann ein Album als "Kritik" verstanden werden, wenn es ein so dermaßen fröhliches Cover hat? Es ist eines der berühmtesten Cover der Musikgeschichte überhaupt (was kein Wunder ist, denn das Album gehört zu den berühmtesten der Musikgeschichte). Darauf zu sehen: Eine dralle Kellnerin im gelben Dress mit zugegeben etwas hysterisch aufgesetzter Fröhlichkeit. Sie hat die Pose der Freiheitsstatue eingenommen. Nur mit dem Unterschied, dass sie weder Fackel noch Inschriften-Tafel von Lady Liberty trägt.

Die Kennzeichen dieser Dame hier sind eine Speisekarte statt Insignien-Tafel – und ein randvoll gefülltes Glas mit Orangen-Saft anstelle der Fackel. Das Gelb ist eine Signalfarbe (zusätzlich zum Saft und zum Dress ist auch noch die Speisekarte in diesem Color gehalten) – und die Farbe steht im Kontrast zum satten Blau des Hintergrunds. Den wiederum erkennt man unschwer als Hafen von New York City samt Skyline. Wir als Betrachter gucken offensichtlich aus einem Flugzeugfenster auf diese Szenerie. Das World Trade Center steht im Jahr 1979 natürlich noch (mehr dazu weiter unten!). Und ein zweiter Blick auf dieses wunderbare Cover zeigt schnell: Das sind keine Hochhäuser. Das sind alles Küchenutensilien. Es ist alles da, was man für ein zünftiges Frühstück in den USA so braucht. Und wir dürfen gespannt sein auf den Inhalt, den "Libby" uns servieren wird. "Libby" (an "Lady Liberty" angelehnt) ist tatsächlich auf dem Namensschild der Kellnerin zu lesen!

Zwei Alpha-Tiere, die sich nicht ausstehen können 

Supertramp sind im Jahr 1979 eine Band mit Weltruf. Die Briten leben damals schon seit einigen Jahren in den USA. Genauer genommen im damaligen Weltzentrum der Musik: in Los Angeles. Seit dem Kultalbum "Crime Of The Century" aus dem Jahr 1974 tourt die Band in einer stabilen fünfköpfigen Formation. Bis 1974 war das alles noch ein ständiges Kommen und Gehen. Ihre Ursprünge gehen zurück auf eine Anzeige von Rick Davies, der eine Band zusammenstellen wollte.

Anzeigen in Musikzeitschriften waren damals etwas völlig Normales, wenn man eine Band gründen wollte. Rick Davies (der mit der tiefen Stimme) findet auf diese Weise Roger Hodgson (das ist der mit der hohen Stimme). Und die beiden können sich von Anfang an nicht ausstehen! Aber beide sind in kreativer Hinsicht wie Lennon und McCartney ein unschlagbares Duo. Die gegenseitige Ablehnung hat damit zu tun, das Rick Davies tief verwurzelt ist in der britischen Arbeiterschicht. Und Roger Hodgson hingegen aus einem einigermaßen wohlhabenden Haushalt kam, Internatsschüler, aufgewachsen in Oxford.

Von Streit ist nichts zu hören! 

Die Reibereien zwischen den beiden sind 1979 nicht mehr zu übersehen. Der Streit geht so weit, dass die zwei kaum zur selben Zeit im Studio in Los Angeles zu sehen sind (1983 verlässt Hodgson Supertramp). Jeder einzelne Song gilt als "Davies/Hodgson"-Komposition – aber es ist wohl eher so, dass jedes Lied entweder vom einen oder vom anderen stammt. Pi mal Daumen gilt aber auch hier wie bei den Beatles: Gibt es einen einzelnen Lead-Sänger, ist das dann auch derjenige, der den Titel komponiert hat.  

Von Reibereien ist auf dem Album aber rein gar nichts zu hören! "Breakfast In  America" gilt bis heute als heiteres Meisterwerk der Popmusik, als Meilenstein, der sich auf Anhieb alleine in den USA  vier Millionen Mal verkauft hatte (bis heute weltweit 20 Millionen verkaufte Exemplare!). Hier hört man plötzlich Instrumente, die bis dahin alles andere als selbstverständlich waren: Tuba, Saxophon, Klarinette. Die Melodien sind beschwingt und von unglaublicher Ohrwurm-Qualität. Die Singles werden zu Klassikern – und im Grunde genommen hätte so gut wie jedes Lied auf dem Album das Zeug zur Single haben können. Dass hier "Kritik" an Amerika zu hören gewesen sei, haben Hodgson und Davies immer wieder dementiert. Es sei reiner Zufall gewesen, dass der Amerika-Bezug immer wieder deutlich herauszuhören war.

Supertramp (Foto: Imago, Imago/ZUMA Press -)
Imago Imago/ZUMA Press -

Kein Wunder: Die Bandmitglieder fühlten sich seit Jahren sehr wohl in ihrer Wahlheimat (und Drummer Bob Siebenberg war eigentlich gebürtiger Amerikaner, der aber jahrelang in England gelebt hatte). Supertramp haben sogar so viel Humor, dass sie das Titelstück des Albums eigentlich zu einer sehr britischen Angelegenheit machen. Die Liedzeile  "Could we have kippers for breakfast?" machte so manch einem deutschen Ohr Schwierigkeiten. Denn, was das sein sollte, war nicht so ganz klar. Die Auflösung lautete: geräucherter Hering! Wahrhaft ein sehr deftig-englisches Frühstück, das einem da serviert wurde! 

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