Enya (Foto: picture alliance / Eventpress -)

Enya: "And Winter Came…" (2008) Außergewöhnlicher Erfolg eines New-Age-Albums

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Ein Meilenstein der Musikgeschichte

Eigentlich wollte sie ein Weihnachts-Album machen. Am Ende sind aber nur zwei traditionelle Titel drauf – und stattdessen viele "Winter"-Lieder. Der Erfolg gibt Enya Recht!

Wie spricht man eigentlich diesen Namen aus?

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Enya war 2008 anlässlich der Veröffentlichung ihrer CD "And Winter Came ..." in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg. picture alliance / Eventpress -

Eithne Pádraigín Ní Bhraonáin. Schwierig, oder? Das ist auch für englische Muttersprachler schwierig, denn wir sind mit dem Namen im keltischen Bereich unterwegs – also in Irland. Und für die Leute, die innerhalb des Vereinigten Königreichs trotz engster Beziehungen nach Irland, Schwierigkeiten beim Rätselraten haben, gibt es eine englische Transkription. Die lautet Enya Patricia Brennan. Das ist deutlich einfacher. Aber die Sängerin, um die es hier geht, die nennt sich weltweit einfach nur Enya. Und nach U2 ist sie schon seit Jahrzehnten der musikalisch zweiterfolgreichste Export-Artikel ihrer Heimat (wobei man sich wohl kaum einen größeren Unterschied vorstellen kann als den zwischen Enya und U2).

Wer braucht schon Winter für ein Winter-Album?

Anfang der 80er Jahre startet sie als Mitglied bei der irischen Band "Clannad" – die Band wird bis heute verehrt. Und der Erfolg ist auch einigermaßen groß. Aber schon 1982 steigt Enya aus, um dann fast vom Fleck weg eine unglaublich erfolgreiche Solo-Karriere hinzulegen. Als sie im Jahr 2008 ihr Studio-Album Nummer Sieben rausbringt, ist es ihr erstes Weihnachts-Album. Wobei aber schon im Entstehungs-Prozess klar wird, dass dieser Begriff ein bisschen zu eng gefasst ist: "Erst wollte ich ein klassisches Weihnachts-Album machen", sagt Enya in einem Begleit-Video zu ihrer LP "And Winter Came…". Coverversionen und Eigenkompositionen hätten drauf gesollt. Aber irgendwie hat ihr die Winter-Atmosphäre dann doch mehr zugesagt – sodass das Album eine klassische Mischung aus Weihnachts- und Winterthemen geworden ist.

Sich in die typische Atmosphäre dieser Jahreszeit hineinzuversetzen, sei dabei kein Problem für sie gewesen (das Problem kennen ja viele Künstler, die oft gezwungen waren, entsprechende Alben in den vorausgehenden Sommermonaten zu produzieren!). Tatsächlich habe sie über zwei Jahre hinweg an "And Winter Came…" gearbeitet. Und da sei sie ganz Profi gewesen. Wenn man ins Studio komme, könne man dort ganz wunderbar die gewünschte Atmosphäre erzeugen – unabhängig vom Wetter, das draußen vorherrsche, so Enya weiter in dem Video.

Welterfolg – obwohl sie nie auf Tournee geht! Nie!

Enya verlässt sich dabei schon seit Beginn der 80er Jahre auf die professionelle Hilfe eines befreundeten Ehepaars: Nick Ryan (genannt Nicky) als Produzent und Manager sowie seine Ehefrau Roma, die sämtliche Texte für Enya verfasst. Die drei sehen sich als kreatives Trio. Wenn Enya eine Idee hat, gucken die anderen beiden drauf. Erst wenn alle drei sagen, dass es so oder so gehen könne, kommt das Endresultat dann auch auf das Album. Die Zusammenarbeit spricht für sich, denn sie ist enorm erfolgreich! Seit Beginn ihrer Solo-Karriere hat Enya mit dem Ryan-Ehepaar im Hintergrund unglaubliche 53 Millionen Alben verkauft (andere Quellen gehen sogar von mehr als 70 Millionen verkauften Tonträgern aus). Dieser Erfolg ist mehr als nur bemerkenswert, denn Enyas Musik ist der New Age Musik zuzuordnen. Wir sind hier in esoterischen Sphären unterwegs, die ganz offensichtlich viele Menschen ansprechen.

Der Erfolg ist noch erstaunlicher, wenn man bedenkt dass die Künstlerin NIE auf Tournee geht! Nie! Sie bewegt sich innerhalb eines sehr engen musikalischen Rahmens – und bringt es innerhalb dieses Rahmens fertig, absolut unverwechselbar zu sein. Musik von Enya erkennt man sofort als Musik von Enya. Das ist auch bei "And Winter Came…" so. Die Melodien sind breit und getragen. Alles ist mit einem deutlichen Hall unterlegt. Alles kommt vom Synthesizer – und es klingt alles so, als wäre es in einer riesigen Kathedrale aufgenommen. Dabei entstehen ihre Alben grundsätzlich nur in einem kleinen Studio in Irland.

Und bitte immer hübsch die linke Wange zeigen!

"And Winter Came…" ist damit ein sehr ungewöhnliches Weihnachts-Album – und es ist mit über 2 Millionen verkauften Exemplaren ungewöhnlich erfolgreich (Weihnachts-LPs waren noch nie ein Garant für klingende Kassen! Ladenhüter finden sich in dem Bereich deutlich häufiger als Kassenschlager). Am Ende finden sich nur zwei traditionelle Songs auf dem Album (nämlich "O Come, O Come, Emmanuel!" und "Oíche Chiúin" – besser bekannt als "Heilige Nacht"!).

Die weltweite Fan-Basis weiß, was sie erwartet. Wo "Enya" drauf steht, ist auch Enya drin. Und das ist hier nicht anders. Und das erkennt man übrigens auch am typischen Profilbild der Sängerin. Wie fast immer zeigt sie uns auf dem Cover ihre linke Gesichtshälfte – blickt also vom Betrachter aus gesehen nach links. Das macht sie auf insgesamt sieben von elf Plattencovern!

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