Billy Joel (Foto: Imago, Imago -)

Billy Joel: "52nd Street" (1978) Liebeserklärung an New York – mit Grammy geehrt

AUTOR/IN

Ein Meilenstein der Musikgeschichte

Billy Joel schwimmt auf einer Welle des Erfolgs. Er legt nach seinem Kultklassiker "The Stranger" aus dem Jahr 1977 ein Jahr später einfach mal eben so einen weiteren Klassiker hin – garniert mit einem Hauch Jazz.

"Never change a winning team"? Von wegen!

Vielleicht erinnern Sie sich noch: Vor genau einem Jahr – wir bleiben da jetzt einfach ganz chronologisch wie Billy Joel selbst – da gab es hier in unserer Meilenstein-Reihe den Artikel zu seinem Album "The Stranger". Jetzt – ein Jahr später – ist Billy Joel der Superstar. Der Mann, der Dank des Durchsetzungswillens seiner damaligen Ehefrau keinen miesen Plattenvertrag mehr unterzeichnen muss. Er ist im Zenit seines Schaffens. Und er sagt sich: "Never Change A Winning Team", denn er holt wieder Phil Ramone als Produzenten mit an Bord. Aber so ganz wörtlich darf man diesen Spruch nicht nehmen. Denn Billy Joel ist hier sehr wohl bereit, etwas Außergewöhnliches zu machen: Er ändert seinen Stil – jedenfalls ein bisschen. Das Album "52nd Street" ist deutlich mit einem Hauch Jazz versehen. Und das ist für Popmusik des Jahres 1978 ziemlich gewagt – und weist eher in die Zukunft, in der Leute wie Sade oder Simply Red große Erfolge mit ihrer Jazz-Pop-Fusion feiern werden.

Was hat es eigentlich mit dieser Straße auf sich?

Wie so oft bei Billy Joel, drückt er auch hier wieder musikalisch die Liebe zu seiner Heimatstadt New York aus. Und das macht er schon im Titel. Denn diese zweiundfünfzigste Straße gibt es natürlich – wir sind hier mitten in Manhattan, oder wie die New Yorker sagen: in "Midtown". 52nd Street geht einmal von links nach rechts quer durch. Die Einbahnstraße von West nach Ost ist immerhin 3 Kilometer lang. Und sie war eine Zeitlang ein Zentrum der Jazz Clubs in Manhattan. Weil Billy Joel ein paar Jazz-Elemente auf dem neuen Album durchklingen lässt, ist es also kein Wunder, dass der New Yorker hier ein Jazz-Viertel der Stadt zu Ehren bringt – ein Viertel, das das "Goldene Zeitalter" dieser Musik-Gattung aber schon lange hinter sich gelassen hat. Die Blütezeit der Clubs lag in den 30er bis 50er Jahren.

Billy Joel im Jahr 1979 (Foto: SWR)

Wie immer: Geschichten aus dem wahren Leben

Das ist alles lange her – und Billy Joel weiß natürlich, dass die Fans ein typisches Billy-Joel-Album nach "The Stranger" erwarten. Also eine LP, die melodiös klingen soll, die hier und da vom Klavier geprägt ist und in den Texten Geschichten aus dem wahren Leben erzählen soll. Und genau das macht er auch! "Big Shot" – der Opener der LP – erzählt von den Eskapaden einer Frau, die bei Partys über die Stränge schlägt und im Vollrausch für hässliche Ausfälle der verbalen Sorte sorgt (angeblich ein Porträt von Mick Jaggers damaliger Ehefrau Bianca Jagger. Billy Joel hat dazu mal gesagt, dass er mit dieser peinlichen Person eigentlich sich selber und seine zeitweiligen Star-Allüren porträtiert habe. Ein paar Jahrzehnte später gesteht er aber, dass ihm ein paar Textzeilen eingefallen waren, nachdem er mit dem Jagger-Ehepaar essen gewesen war). "Honesty" erzählt als klassische Piano-Ballade die Sehnsucht eines jeden von uns nach Ehrlichkeit und Treue. "My Life" spricht schon als Titel für sich – und so geht das in einem fort…

Ein überwältigender kommerzieller Erfolg

Billy Joel ist ein Könner. Und dieses Können wird mit zwei Grammys geehrt – darunter mit dem des wichtigsten Titels; dem "Album des Jahres" (die andere Kategorie "beste männliche Vokal-Performance" gibt es heute nicht mehr). Und dieses Können wird mit ein paar Millionen Dollar belohnt, denn allein in den USA verkauft sich die zweiundfünfzigste Straße blendend: mehr als 7 Millionen Exemplare gehen über den Ladentisch. Billy Joel wird sich nicht zurückziehen nach diesem Erfolg. Er hat mittlerweile New Yorker Legendenstatus erlangt – und er wird seine Fans noch viele, viele Jahre lang mit weiteren Klassikern beglücken. Aber zum Bedauern vieler Fans hört er 1993 mit dem Komponieren auf. Seit damals gibt es kein neues Song-Material mehr von ihm.

AUTOR/IN
STAND