SWR1 Meilenstein: Bryan Adams (Foto: Imago, imago images / Ulli Winkler)

Bryan Adams: "18 Til I Die" (1996) 13 Titel auf einer LP? Für Bryan Adams nur ein gutes Zeichen

Ganze fünf Jahre lässt sich Bryan Adams Zeit, um einen Nachfolger für seinen Multi-Millionen-Erfolg "Waking Up The Neighbours" herauszubringen. Die Erwartungen sind hoch.

Studio-Arbeit als verlängerter Urlaub

Diese Erwartungen sind auch deswegen besonders hoch, weil Bryan Adams Mitte der 90er Jahre weltweit einer der kommerziell erfolgreichsten Solo-Rockstars überhaupt ist. Ganz abgesehen davon, dass es keinen anderen kanadischen Exportschlager gibt, der auch nur annähernd ähnlich hohe Verkaufszahlen erreicht.

SWR1 Meilenstein: Bryan Adams (Foto: Imago, imago images / BRIGANI-ART)
Bryan Adams auf der Bühne bei einem Auftritt im Jahr 1991 in Hamburg. Imago imago images / BRIGANI-ART

In den Jahren seit 1991 hat Adams seine Fans nur mit einem „Best of“-Album bei Laune gehalten. Dieses Best Of mit dem hübschen Titel „So Far, So Good“ hatte sich wiederum ab 1993 weltweit 13 Millionen Mal verkauft! Rein vom Blick auf den Kontostand gab es also eigentlich keine dringende Notwendigkeit, ein neues Album herauszubringen. Er kann die Sache ganz entspannt angehen. Und das macht er auch im übertragenen Sinne. Denn die Studio-Arbeiten sind eigentlich nichts anderes als ein verlängerter Urlaub. Die finden zum einen auf Jamaika statt – zum anderen in der Provence in Frankreich.

Urlaubs-Stimmung auch bei der Vorab-Single

Diese sehr entspannte Atmosphäre darf man bereits ein Jahr vor der LP-Veröffentlichung bestaunen. Als Vorab-Single verzaubert die Ballade „Have You Ever Really Loved A Woman?“. Die spanische Gitarre kommt vom legendären Flamenco-Gitarristen Paco de Lucia und unterstreicht die spanische Ferien-Stimmung. Eigentlich war der Song „nur“ der Beitrag zum Soundtrack des Johnny-Depp-Streifens „Don Juan de Marco“ – aber Adams packt das Lied auch auf seine LP – quasi als Glücksbringer. Denn als Schlusstitel wird das Song Nummer 13 und da ist Bryan Adams kein bisschen abergläubisch. Filmsongs waren damals für ihn Garant für enormen Erfolg – so wie das 1991 bei „Everything I Do, I Do It For You“ in Kevin Costners „Robin Hood“-Film war. Und ganz ähnlich 1993  beim „Drei Musketiere“-Film mit „All For Love“.

Jeder zweite Song wird ausgekoppelt!

„Have You Ever Really Loved A Woman?“ wird sogar für den Oscar als bester Film-Song nominiert – verliert aber gegen „Colors of the Wind“ aus Disneys „Pocahontas“. Bryan Adams kann es egal sein: Die Vorab-Single weckt die Vorfreude auf das kommende Album nur noch mehr.

SWR1 Meilenstein: Bryan Adams (Foto: Imago, imago images / ZUMA Globe)
Imago imago images / ZUMA Globe

Die Spannung steigt und die Musikwelt staunt beim Erscheinen der LP nicht schlecht, als der Kanadier rein äußerlich ein neues Image zu pflegen scheint. Denn das, was ihn kleidungstechnisch bis dahin ausgezeichnet hatte – Jeans und weißes T-Shirt – das hat er offenbar in die Mottenkiste geworfen.

Stattdessen glänzt er jetzt mit einem stylischen Look – und das mit dem „Glänzen“ darf man ruhig wörtlich nehmen. Auf dem Album-Cover trägt er eine Art Glitzer-Anzug. In sämtlichen Videos, die er zu den Singles veröffentlicht, ist er auch nur noch in Anzug zu sehen. Und es sind jede Menge Singles, die er da veröffentlicht! Insgesamt 7 Titel wirft die LP ab – es wird also ziemlich genau jeder zweite Song ausgekoppelt. Auch wenn nicht jedes einzelne Lied zum Welthit wird: Adams zementiert seinen Ruf als Weltstar und liefert mal wieder Radio-Klassiker für die Ewigkeit ab.

Beim Publikum ein Hit – bei der Kritik eher nicht

Die Kritiker reagieren allerdings relativ verschnupft auf die LP. Die Rezensionen fallen ziemlich mau aus. Kaum jemand lässt ein gutes Haar daran. Das alles habe man genauso schon hunderte Male gehört. Den Möchtegern-Teenager des Titelstücks würde man dem damals 36-Jährigen kein bisschen abnehmen. – Naja, bei solchen Anmerkungen würde man am liebsten „Na und?“ sagen. Denn, wo Bryan Adams drauf steht, ist auch Bryan Adams drin.

SWR1 Meilenstein: Bryan Adams (Foto: SWR, imago images / ZUMA Press)
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Was er seit den 80er Jahren abliefert, ist grundehrlicher Rock. Handgemacht. Geradeaus. Das ist Musik fürs Auto, fürs Stadion, und fürs nette Beisammensein, denn auch dafür hat er ein Händchen: für zauberhafte kleine Balladen. Sieben Rocknummern und sechs Balladen gehen Hand in Hand auf diesem Album. Die Mischung macht´s. Und das Rezept geht auf. Trotz mauer Kritiken: „18 til I Die“ verkauft sich über drei Millionen Mal. Deutlich weniger als der Vorgänger. Aber wen kümmert´s…