Maffay-Album "JETZT!" Immer weiter nach vorn – und zwar jetzt!

1 - 68 - 70 - 50. Und 18. Das sind Zahlen, die im Maffay-Universum aktuell umherschwirren. 1.68 ist Maffay groß. Feiert seinen 70sten Geburtstag. Und sein 50stes Bühnenjubiläum. Dazu kommen 18 Nummer-Eins-Alben. Bislang. Denn mit dem 30. August gibt es Album Nummer 19. Schuld daran ist die 14.

Man kann da doch eh nichts machen...

14 Songs sind es, die Maffay mit seinem neuen Album Jetzt! auf die Fans loslässt. Dabei tritt er gleich zu Anfang einen Orkan los, der seinem Tabaluga-Drachen ordentlich die Flügel falten würde. Maffay ist sauer. Und unzufrieden. Das Geschehen in der Welt stößt ihm auf. Im Song „Jetzt!“ besingt er die man kann da doch eh nichts machen - Mentalität. Im Interview sagt er: „Die Probleme nach vorne zu schieben, ohne sie zu erledigen, bringt uns nicht weiter.“ Deshalb versteht er „Jetzt!“ als Aufforderung zum Handeln. Dieser Gedanke ist letztlich so stark, dass Maffay auch das ganze Album danach benennt.

Gitarrenbreitwand fürs Handeln

Seine Aufforderung untermauert Maffay im nächsten Song. Und das laut. Sehr laut. „Morgen“ heißt das Stück, das sich in Gitarrenbreitwand durch den Gehörgang schiebt. „Wollen wir wieder warten, bis der Morgen kommt?“, singt Maffay. Im Video dazu werden u.a. Dokumentarfilmschnipsel gezeigt. Die dargestellten Kriegs- und Gewaltszenen sind teils derb, blutig und verstörend. Die Botschaft: So läuft es aktuell. Deshalb müssen wir handeln: Jetzt! Wieder der Album-Titel. Der Song „Morgen“ rüttelt auf. Es hält den Spiegel vor, und ist vielleicht der stärkste Song vom Album. Offenbar auch zu stark: Einige TV Sender weigern sich, das Video zu zeigen.

Routine zwischen Chrom und Leder

Nach dem Orkan steuert Maffay ruhigeres Fahrwasser an. Mit „Luft & Liebe“ liefert er ein kerniges Statement in Sachen Freiheit. Für ihn als begeisterten Biker ist das ein Heimspiel in Chrom und Leder. Fahrtwind inklusive. Letzterer kann sich aber auch als Sturm entpuppen. Im Stück „100.000 Stunden“ beschreibt Maffay zum Beispiel die Ruhe nach so einem Sturm. Hier hat es offenbar einen heftigen Krach gegeben. Er hockt noch betäubt und mit dem letzten Fünkchen Hoffnung vor dem Telefon. Allerdings: Klingeln wird der verflixte Apparat bis zum Schluss nicht. Dafür gibt es ein Dankeschön.

Rüschenjacke und Lederkutte

Denn: Wer Maffay über 50 Jahre zu Seite stand, musste einiges ertragen. Die Wandlung vom rüschenbewehrten Schlagerbarden der ZDF Hitparade bis hin zum Guns n' Roses-Outfit tragenden Lederrocker hat Narben hinterlassen. Im Song „Für immer jung“ bedankt sich Maffay deshalb für die Treue seiner Fans. Dazu hat er Zitate seiner großen Hits in das Stück eingestreut. So nimmt er den Hörer mit auf eine Zeitreise von „Samstagabend in unserer Straße“ über „Eiszeit“ bis hin zu „Halleluja“. Das ist stark und wird bei seinen Anhängern sicher für die ein oder andere Träne zwischen den Krähenfüßchen sorgen. Ebenfalls wohltuend: Es ist der einzige Rückblick, den Maffay sich auf diesem Album gestattet. Und das tut gut.

Vertrauen in das Kommende

Denn während sich seine Altersgenossen im Musikgeschäft mit dem Aufguss alter Hits über Wasser halten, strebt Maffay nach vorn. Auch mit 70 will er dabei sein. Etwas ändern. „Als Musiker habe ich eine Verantwortung“, sagt er. „Ich muss etwas sagen, denn ich habe nicht mehr viel Zeit.“ Was er zu sagen hat, das stammt mehrheitlich aus der Feder von Johannes Oerding. Der Musiker zeichnet sich für die meisten Texte des Albums verantwortlich. Auch das ist ein Beweis für Maffays Zuversicht in das Kommende. Trotz aller Krisenherde. Maffay legt seine Aussagen in die Hände eines mehr als 30 Jahre jüngeren Kollegen. Das ist mutig. Und hat eine schöne Symbolik. Zeigt es doch, das Maffay auf die nachfolgende Generation baut. Gerade mit 70.

Fazit

Nach vorn blicken und machen, statt Rückspiegel und Stillstand. Peter Maffay schaut mit Jetzt!gespannt nach vorn. Teils ist er wütend, teils nachdenklich – aber niemals verbittert, oder gar ohnmächtig.  Denn er weiß, gegen solche Zustände kann er, können wir etwas machen. Und das am besten Jetzt!

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