Earth, Wind & Fire (Foto: Imago, ZUMA Press)

Earth, Wind & Fire: "I Am" (1979) Endlich auch in Deutschland angekommen – mit Album Nummer 9

Earth, Wind & Fire vereinen unterschiedliche Musik-Gattungen unter einem Dach – und kreieren einen unverwechselbaren Sound.

Das Cover ist ein bisschen irreführend – aber nur ein bisschen!

Die Leute, die 1979 im Plattenladen stehen, könnten ein wenig irritiert sein. Denn das Cover, das man in der R&B-Abteilung in Händen hält, sieht alles andere als nach R&B aus. Eher hat man das Gefühl, hier irgendwas Merkwürdiges präsentiert zu bekommen – irgendwas, das streng genommen in Richtung New Age geht. Zu sehen sind eine stilisierte Sonne, steinerne Säulen und eine grüne Wiese. Das erinnert mehr an Stonehenge als an US-amerikanische Funk-Musik. Wer die Nadel des Plattenspielers damals auf die Vinyl-Scheibe legt, wird aber sofort mit Musik überflutet, die alles andere als New Age ist: Satte Streicher, funky Blechbläser, Synthesizer und ein knackiges Schlagzeug. Das alles garniert mit unwiderstehlichen Tanzrhythmen. Es gibt nur eine Band, die so klingt – und das ist Earth, Wind & Fire. Guckt man jetzt nochmal auf das Cover, merkt man, dass der Band-Name ein bisschen Inspiration für das Bild gewesen sein durfte. Gegründet 1969 von Maurice White, der Schütze vom Sternzeichen war – also dem Element Feuer zugerechnet – findet er relativ schnell einen Namen für sein Projekt.

Bis zu ein Dutzend Musiker sind gleichzeitig in der Band

Ein charismatisches Lächeln und eine hohe Stirn, die gekrönt war von einer beeindruckenden Afro-Frisur: White war schon allein rein äußerlich eine Erscheinung, die unverwechselbar war. Der Mann, der als Sänger im Vordergrund stand, war eigentlich Jazz-Schlagzeuger. Aber gleichzeitig konnte er tolle Lieder komponieren und singen wie kein Zweiter. Jahrzehntelang ist er zusammen mit Band-Kollege Philip Bailey das Aushängeschild von Earth, Wind & Fire.

White. Earth, Wind & Fire (Foto: Imago, ZUMA Press)
White im Jahr 1978 Imago ZUMA Press

Mehr Aushängeschild war gar nicht nötig, denn es gab Zeiten, in denen sich bis zu ein Dutzend verschiedene Mitglieder dort tummelten. - Optik war wichtig für die Band. Die 70er Jahre hatten ja buchstäblich mit glitzernden Outfits geglänzt – und das war bei dieser Band nicht anders. Golden glitzernde Bühnen-Outfits waren ein Muss. Die spezielle Akustik war aber auch wichtig. Und ein Muss waren die Blechbläser. Waren es anfangs noch Künstler, die regelmäßig wechselten, gab es ab Mitte der 70er Jahre eine feste vierköpfige Bläser-Sektion. Diese vier nannten sich – quasi als "Band innerhalb der Band"! – die "Phenix Horns". (Der Schreibfehler ohne das eigentlich obligatorische "o", wie sonst im Wort "Phoenix", war Absicht). Diese vier Leute sorgen für den typischen Klang von Earth, Wind & Fire. Phil Collins ist so begeistert vom Sound dieser Blechbläser, dass er diese vier Männer später für sein erstes Solo-Album engagieren wird.

"Never Change A Winning Team"

Das Erfolgsrezept ist im Jahr 1979 also schon ziemlich gut erprobt. Die Truppe veröffentlicht jetzt mit "I Am" schon Studio-Album Nummer 9. Aber erstmals gelingt der Band auch in Deutschland ein großer Chart-Erfolg. - Die Mischung macht´s. Earth, Wind & Fire liefern Musik, die auf keiner Party fehlen darf. Es ist Gute-Laune-Musik im besten Sinn. Tanzmusik für jeden Anlass. Dem Bühnen-Charme von Maurice White kann sich keiner entziehen. Dieser Mann schafft es irgendwie auch dann noch zu lächeln, wenn er eigentlich singen muss. Und seine Band liefert einen ungewöhnlichen Stil-Mix. Mal hört man Funk, dann wieder Soul. Das alles kann auch nach Disco klingen, oder nach R&B. Motown ist auch deutlich zu hören. Aber das Kunststück ist, dass das alles unverwechselbar nach nur einer Band klingt. Und das ist das Erfolgsrezept von Earth, Wind and Fire.

Earth, Wind & Fire (Foto: Imago, ZUMA Press)
Imago ZUMA Press

"Never Change A Winning Team", könnte man sagen. Und die Band bleibt sich über die Jahrzehnte hinweg treu. Und das Wort "Jahrzehnte" darf man hier ruhig betonen. Denn seit 1969 gibt es diese Band – also seit einem halben Jahrhundert! – und Maurice White ist ihr bis zu seinem Tod treu geblieben. Er stirbt im Jahr 2016 an den Folgen einer Parkinson-Erkrankung. Er ist 74 und schläft friedlich ein, wie seine Familie der Presse mitteilt.  - Britische Kritiker sind im Jahr 1979 ganz besonders angetan von der LP "I Am". In den Musikzeitschriften "Melody Maker" und "New Musical Express" bekommt die LP den Titel des "Album des Jahres" zuerkannt. Und das ist schon ziemlich viel für Zeitschriften, die normalerweise nicht viel von kommerziell erfolgreichen Künstlern gehalten haben. Und für zwei Songs dieser LP gibt es sogar Grammy-Ehren: "Boogie Wonderland" und "After The Love Has Gone". Ersterer wird für die beste R&B-Instrumental-Performance, letzterer sogar für die "Aufnahme des Jahres" geehrt.