Dire Straits (Foto: Imago, ZUMA/Keystone)

Dire Straits: "Brother in Arms" (1985) SWR1 Hitparade ohne „Brothers in Arms”? – Undenkbar!

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Stadion-Gitarren-Rock, eine Anti-Kriegs-Ballade, und ein LP-Cover, das deutlich klar macht, wie der Inhalt der LP klingen wird. Die Dire Straits werden mit „Brothers in Arms“ zum kommerziell unfassbar erfolgreichen Phänomen der Popkultur.

Von der Kneipen-Band zum Karibik-Jetset

Dire Straits am 01.05.1986 (Foto: Imago, Mary Evans)
Imago Mary Evans

Die Dire Straits sind schon seit spätestens Anfang der 80er Jahre ganz oben angekommen. Ihrem Bandnamen machen sie da längst keine Ehre mehr. Denn übersetzt heißt „Dire Straits“ so viel wie „ernste Notlage“ oder auch „schwere Zeiten“. Der Name war natürlich auf die Anfänge der Band gemünzt, als man sich noch in Londoner Kneipen tummelte und zusehen musste, wie man die Miete bezahlt. In diesen Kneipen und Cafés war die Truppe ganz zu Beginn der Laufbahn noch unter einem anderen – ebenfalls recht ironischen – Namen bekannt: die „Café Racers“. Einen Plattenvertrag gibt es erst als ein Radio-DJ der BBC ganz begeistert von Demo Tapes ist, die er öffentlichkeitswirksam in seiner Sendung spielt.

Mittlerweile sind wir im Herbst 1984 angekommen. Seit der LP „Love over Gold” sind die Musiker rund um Gitarrist und Singer-Songwriter Mark Knopfler ziemliche Stars. Ein neues Studio-Album steht an – Album Nummer fünf. Und als Star-Musiker kann man es sich leisten, vor dem nasskalten Londoner Schmuddel-Wetter abzuhauen. Die Studio-Arbeiten finden in der sommerlich warmen Karibik statt – und zwar auf Montserrat, das zu Großbritannien gehört.

Sting schaut vorbei – und kassiert bis heute ab

Das britische Jetset jettet gerne nach Montserrat – auch ein gewisser Gordon Sumner – besser bekannt als „Sting“. Auch er hatte schon mit seiner Band „Police“ Plattenaufnahmen auf Montserrat gemacht. Er ist diesmal angeblich nur zum Segeln da, aber als Kollege schaut man natürlich gerne vorbei, um nachzusehen, was die befreundete Truppe  da gerade so anstellt. Da er schonmal im Studio ist, bittet Mark Knopfler um ein kleines Gastspiel. Das ist der Grund, warum man die Stimme von Sting beim Intro von „Money for nothing“ hört. Ein Fakt, der bis heute viele Hörer stutzig macht. Sting hört man auch im Outro. Da er dort Text und Melodie des Police-Klassikers „Don´t Stand So Close To Me“ silbengerecht mit „I Want My MTV“ ersetzt, wird er als Co-Autor benannt. Sting bekommt bis heute regelmäßig Geld aufs Konto überwiesen – wann immer auf der Welt „Money For Nothing“ zu hören ist.

Dire Straits 1985 in Finnland (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
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„Ich spiele wie ein Klempner“

Diese kleine Promi-Improvisation bleibt die Ausnahme. Die Dire Straits kommen gut vorbereitet zu den Aufnahmesessions in die Karibik. Das Song-Material ist fertig – die Titel hat man ausführlich in London vorab geprobt. Sämtliche Songs stammen ausnahmslos aus der Feder von Mark Knopfler. Er sieht sich selbst lieber als Songwriter denn als Rockmusiker oder gar Gitarren-Gott als der überall verehrt wird. Der Süddeutschen Zeitung gibt er im November 2018 ein vielbeachtetes Interview mit bemerkenswerten Zitaten. Da sagt er z.B.: „Ich bin kein Musiker. Ich bin Songwriter!“. Und über seine Gitarren-Künste sagt er dort ganz bescheiden: „Mein Spiel ist ordentlich. Ich würde gerne besser werden, bräuchte aber einen Lehrer, der damit klarkommt, dass ich wie ein Klempner spiele“. Soviel Bescheidenheit ist unfassbar – und muss wohl eher in Richtung Ironie einsortiert werden.

“Brothers in Arms” – als Single nie in den deutschen Charts!

Bei den Studio-Aufnahmen damals ist eins von Anfang an klar: Es wird zwei Versionen auf dem Markt geben – eine für Schallplatte und eine für CD. Mitte der 80er Jahre ist die CD als Tonträger noch relativ neu. Sie bringt eine längere Spielzeit mit sich als von Vinyl-LPs gewohnt. Einige der Songs werden für die CD tatsächlich länger ausgespielt – die Gesamt-Spieldauer ist immerhin 9 Minuten länger. Auch die Aufnahmetechnik ist wegen des digitalen Tonträgers relativ neu – die Dire Straits benutzen in allen Produktionsphasen digitales Equipment. Als die LP veröffentlich wird, ist der Verkaufserfolg unfassbar. Speziell die CD verkauft sich wie verrückt obwohl sie damals deutlich teurer ist. Dazu Knopfler: „Für mich war Brothers in Arms einfach nur ein weiteres Album. Aber Philips hatte das Format gerade eingeführt und wollte es groß vermarkten. Und wir waren groß“. „Brothers in Arms“ ist die erste LP, von der als CD mehr Stückzahlen verkauft werden als vom Vinyl-Exemplar.

Kurze Anmerkung noch zum Album-Cover. Das Bild mit der metallisch glänzenden Gitarre vor einem wolkenverhangenen Himmel ist ja mittlerweile zu einem der berühmtesten LP-Cover der Musikgeschichte geworden. Die Gitarre ist ein historisches Instrument aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts – eine „Style O Resonator“ der Firma National. Das war nicht bloß ein Museumsstück, sondern tatsächlich ein Instrument aus dem Privat-Besitz von Mark Knopfler. Man hört die Gitarre auch auf der LP – z.B. bei „The Man´s Too Strong“.

Und wo wir schon bei einzelnen Songs sind: Das Titelstück „Brothers in Arms“, das im Herbst 2019 auf Platz 6 der SWR1-Hitparade gelandet ist, ist als Single in Deutschland total gefloppt. Es gab nie eine Chartpositionierung. Das Anti-Kriegslied über „Waffenbrüder“ hatte Knopfler unter dem Eindruck des Falklandkriegs schon 1982 geschrieben.

Der unglaubliche Erfolg des Albums wird von einer unglaublich kräftezehrenden Tournee begleitet. Man kann nachträglich nur staunen über diesen Kraftakt: Sage und schreibe 248 Konzerte geben die Dire Straits innerhalb von 12 Monaten – davon alleine 13x hintereinander in der Londoner Wembley Arena.

Dire Straits konzert Waldbühne Berlin 1992 (Foto: Imago, Brigani-Art)
Imago Brigani-Art

1995 löst Mark Knopfler die Dire Straits auf. Zu viel Stress. Auf die immer wiederkehrende Frage nach einer Wiedervereinigung kommt die immer wiederkehrende Antwort: „Oh nein. Auf keinen Fall!“.

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