Céline Dion 2008 (Foto: Imago, Plusphoto)

Céline Dion: "Let's talk about love" (1997) 31 Millionen Fans können sich nicht irren! Oder etwa doch?

Céline Dion ist eine unfassbar erfolgreiche Künstlerin. Allerdings auch eine, deren Musik polarisiert. Wer sie mag, darf hier ruhig weiterlesen. Alle anderen aber auch.

Viel Feind, viel Ehre

Das Rolling Stone Magazine ist ein erklärter Feind von Céline Dion. Aber auch ein Feind, der ohne diese Hassliebe gar nicht existieren kann. „Let's Talk About Love“ ist ein Album, das bei den Geschmacks-Päpsten dieses Musik-Magazins eigentlich nichts verloren hat. Die haben sich aber trotzdem die „Mühe“ gegeben, das Album kurz und bündig mit gerade mal eineinhalb Sternen von fünf möglichen zu bewerten. Fleißig sammeln die auf ihrer Internetseite jeden noch so kleinen Fitzel über die Sängerin – und kommen auf stolze 500 Einträge! Man merkt also: An Céline Dion kann man sich ganz wunderbar abarbeiten. – Aber was haben wir hier jetzt eigentlich für eine LP? Nüchtern ausgesprochen ist das hier der Nachfolger zu einem Album, das Dion schon ein Jahr davor veröffentlicht hatte und das extrem erfolgreich war: Von „Falling Into You“ aus dem Jahr 1996 sind bis heute 32 Millionen Exemplare verkauft worden. Die Kanadierin gehört mit solchen Zahlen zu den kommerziell erfolgreichsten Künstlerinnen  der Welt. Das Nachfolge-Album ist fast genauso erfolgreich, was irgendwie ein Wunder ist, denn solche Zahlen (siehe Überschrift) erreichen nur die wenigsten Musiker. Vor allem erreichen sie diese Zahlen kaum ein zweites Mal.

Céline Dion 1998 (Foto: Imago, Sven Simon)
Imago Sven Simon

Weltstars geben sich bei ihr die Klinke in die Hand

Für Dion ist das damals aber offenbar kein Problem und so hat sie auch kein Problem, mit ihrer enormen Popularität Gast-Sänger anzuheuern, die ebenfalls Weltstars sind. „Let´s Talk About Love“ ist das Paradebeispiel für eine LP, die von vorne bis hinten gespickt ist mit prominenten Zulieferern – sei es jetzt vonseiten der Songwriter (Céline Dion komponiert so gut wie niemals selber), der Produzenten (Beatles-Mann George Martin ist dabei), oder der anderen Stimmen. Es ist einfach ein „Who is Who“ der Musik-Welt: So kann man hier z.B. die Bee Gees, Barbra Streisand und sogar Luciano Pavarotti hören. Die Songwriter kennt man auch. Leute wie Carole King, Bryan Adams, Albert Hammond oder die Gibb-Brüder sind nicht gerade unbekannt im Show-Geschäft. Eigentlich also eine LP, die von vornherein als Erfolg ausgelegt ist. Und der ist bei Veröffentlichung auch prompt da. Das Problem ist nur, dass Céline Dion Musik macht, die nicht jedermanns Geschmack ist – andererseits aber eben sehr wohl der Geschmack von sehr, sehr vielen Menschen ist. Und die werden hier satt bedient. 74 Minuten Laufzeit (ohne diverse Bonus-Tracks, die je nach Kontinent unterschiedlich ausgefallen waren) – über eine kurze Laufzeit darf man sich hier nicht beschweren. Die Kritiken fallen entweder positiv oder negativ aus – ein Zwischending gibt es nicht. 

Celine Dion mit den Bee Gees 1998 (Foto: Imago, teutopress)
Céline Dion mit den Bee Gees Imago teutopress

Einen ganz bestimmten Titel lehnt sie erstmal ab

Der kommerzielle Erfolg ist wohl auch deswegen so enorm, weil speziell ein Lied mit drauf ist, das eigentlich nur eine kleine Zugabe ist. Da Dion aber den Titelsong zum Kinofilm „Titanic“ gesungen hatte und dieser Film sich damals zum erfolgreichsten der Kinogeschichte mausert, ist diese „Zugabe“ nur logisch. „My Heart Will Go On“ wird im Grunde genommen zu DEM Lied, mit dem der Name Celine Dion für alle Zeiten verbunden sein wird. Im englischsprachigen Raum benutzt man hierfür auch den Ausdruck „Signature-Song“. Das Witzige dabei: Die Kanadierin war nicht überzeugt von dem Lied und hätte es lieber abgelehnt. Ihr mittlerweile verstorbene Ehemann und damaliger Manager René Angélli sagt aber, dass der Song Potenzial habe. (In einem Interview mit dem Billboard-Magazine witzelt sie später über die Entscheidung ihres Mannes: „Ich hätte ihn am liebsten erwürgt!“).

Céline Dion mit Ehemann René Angélil (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Céline Dion 2008 mit ihrem verstorbenen Ehemann René Angélil Picture Alliance

Aber ihr Mann sollte Recht behalten. „My Heart Will Go On“ gehört mit 18 Millionen verkauften Exemplaren zu den erfolgreichsten Singles der Musikgeschichte. – Es gibt also tatsächlich Celine-Dion-Songs, die Celine Dion eigentlich gar nicht mag. Wenn das früher rausgekommen wäre: Das „Rolling-Stone-Magazine“ hätte seine helle Freude daran gehabt. Aber zu Ehrenrettung dieser doch ziemlich wichtigen Musik-Zeitschrift darf man eine kleine Sache ruhig erwähnen. Das neueste Album der Kanadierin – „Courage“ aus dem Jahr 2019 – wird dort sehr wohlwollend aufgenommen! Mit viereinhalb von fünf möglichen Sternen gibt es fast die Bestnote. Irgendwie haben die nach vielen Jahrzenten dann doch wohl Frieden geschlossen mit einer Sängerin, an der man ja doch nicht vorbeikommt…