SWR1 Leute Moderator bist Ende 2015 Stefan Siller sagt Tschüss

Ich wollte die Welt verändern, sagt Stefan Siller über seine Anfänge als Journalist. Über 30 Jahre moderierte er die Kultsendung SWR1 Leute. Und bevor er in den wohlverdienten Ruhestand ging, blickte er zurück - auf ein aufregendes Radioleben.

Stefan Siller und Matthias Holtmann während der Hitparade 1990 (Foto: SWR, SWR -)
Stefan Siller und Matthias Holtmann während der Hitparade 1990 SWR -

"Ich wollte die Welt verbessern"

Stefan Siller wusste schon ganz früh, dass er Journalist werden will. Angefangen hat alles mit der Schülerzeitung auf dem Gymnasium, dann der Clubzeitung im Briefmarkenverein.

"Ich wollte die Welt verbessern" - doch wie viele andere Kollegen meiner Generation, musste auch ich feststellen, dass das gar nicht so einfach ist. Wer aber nicht nachlässt, der kann das hier oder da zumindest ein bisschen erreichen, sagt er.

Nach Abitur, Zeitungsvolontariat und Studium in Berlin landete er beim ehemaligen SFB und heutigen RBB. 1974 durfte er das erste Mal moderieren. Danach kam der Wechsel zum ehemaligen SDR nach Stuttgart. Ich musste erst mal auf der Landkarte schauen, wo das liegt, erinnert sich Siller, der in Herford geboren wurde. Ich habe mich schwer getan, die Leute zu verstehen, aber inzwischen fühle ich mich sehr wohl in Stuttgart. Vermutlich werde ich hier auch nicht mehr weggehen, sagt Siller.

Zu schön, um abzuschaffen.

sagten Siller und sein Kollege Wolfgang Heim zu den Verantwortlichen, die 1987 die SWR1 Leute Sendung nach nur zweieinhalb Jahren wieder einstellen wollten. 1988 übernahmen die beiden das Ruder, und nach 30 Jahren heißt es immer noch Augen und Ohren auf, denn nur so kommt man an die spannenden Gäste, sagt Siller. Aber noch viel entscheidender ist das Zuhören. Und wenn der Gast doch mal nicht so gut reden kann, wie gedacht, wird einfach mehr Musik gespielt.

Pannen gab es auch bei SWR1 Leute. Zum Glück mit dem richtigen Gast, sagt Siller:

Dauer

Beim Radio merkt man, wie sich die Zeit verändert hat

Zuerst kam ich mit Vinylscheiben unter dem Arm, dann mit CDs und heute muss ich nur noch den Regler hoch drehen, weil alles von der Festplatte kommt. Technologisch hat sich einiges geändert, journalistisch nicht viel. Man muss sauber arbeiten, gut recherchieren, beide Seiten anhören. Die Leute Gäste müssen mit Gegenargumenten konfrontiert werden. Die Meinung des Moderators spielt überhaupt keine Rolle, ich nehme nur die Rolle des kritischen Fragenstellers ein.

"Wir wollten ins Guinessbuch der Rekorde"

Das war der Ansporn für Stefan Siller und Kollege Thomas Schmidt, als sie wie Siller es nennt, die "Mutter" aller Hörer-Hitparaden erfunden haben. "Top 1000X" sollte mit der längsten Hitparade ins Guinessbuch der Rekorde eingehen. 1000 Titel, zwei Moderatoren, Tag und Nacht auf Sender.

Das war ein Riesenexperiment, erzählt Siller. Bis dahin hatte es das beim Süddeutschen Rundfunk nicht gegeben, dass das gesamte normale Programm ausgehebelt wurde. Keiner wusste, wie lange es gehen würde. Das Ergebnis: sechs Tage Sendung -  das war ein absolutes Highlight und ist immer noch mein Traumjob.

Irgendwann mitten in der Woche hatten wir festgestellt, dass die Kassetten in den Kaufhäusern ausverkauft waren, weil die Leute die komplette Sendung mitgeschnitten hatten. Da wussten wir, wir haben es geschafft. Das war der Beginn der heutigen SWR1 Hitparade.

Was kommt jetzt?

Jetzt heißt es erst mal Leben genießen und einfach das tun auf was man Lust hat und nicht das, was man tun muss, sagt Siller. Viel Rumreisen und an seiner Autobiographie schreiben, darf auch nicht zu kurz kommen.

STAND