Passagierflugzeug fliegt über eine Sonnenblume hinweg (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

SWR1 Sonntagmorgen Nachhaltiges Reisen: Kann das Traumziel klimafreundlich sein?

Die Deutschen verreisten im Jahr 2018 so viel wie nie zuvor. Doch viele stehen vor einem Dilemma: Urlaubsreise oder nachhaltiges Verhalten. Unter welchen Bedingungen kann umweltfreundliches Reisen gelingen?

Mit „umweltfreundlichem Reisen“, „sanftem Reisen“ und „Ökotourismus“ ist gemeint, dass Urlauber versuchen, der Natur so wenig Schaden wie möglich zuzufügen. Konkret bedeutet das, Flugreisen zu kompensieren, auf klimafreundliche Unterkünfte zu achten und Naturschutzprojekte mitzufinanzieren. Laut der Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft für Urlaub und Reisen wollen immer mehr Deutsche auf diese Art reisen. Oft scheitert der gute Vorsatz aber an der Umsetzung.

Reiseverhalten der Deutschen

„Wissenschaftler haben errechnet, dass das CO2-Budget pro Person bei 2,3 Tonnen jährlich liegen soll. Aktuell haben wir in Deutschland ein Budget von 11,6 Tonnen“, berichtet Petra Thomas, Geschäftsführerin des "forums anders reisen". Rund fünf Prozent aller klimaschädlichen Emissionen weltweit würden durch Tourismus entstehen.

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Nachhaltiges Reisen beginnt bereits mit der An- und Abreise in das Urlaubsland der Wahl. Flugreisen vergrößern, im Gegensatz zu Bus- und Bahnreisen, den ökologischen Fußabdruck des Einzelnen massiv. Jedoch sind viele Deutsche nicht dazu bereit, auf ein fernes Reiseziel zu verzichten. Auf einen anderen Kontinent reisten laut der Reiseanalyse 2019 vergangenes Jahr rund 21 Millionen, drei Prozent mehr als noch im Vorjahr.

Fernreisen

Ein Langstreckenflug nach Asien verursacht circa sechs Tonnen an Emissionen. Fernreisen sollten laut Petra Thomas daher idealerweise nur alle drei Jahre geplant werden. Wer öfters fliegen möchte, hat aber die Möglichkeit, seinen CO2-Ausstoß im Internet mit einem Geldbetrag zu kompensieren. Die Spenden fließen in Klimaschutzprojekte, die zuvor mit einem Gütesiegel ausgezeichnet wurden. Im Jahr 2018 taten dies laut der Reiseanalyse 2019 allerdings nur zwei Prozent aller Reisenden.

Trotzdem muss laut Petra Thomas nicht grundsätzlich auf das Fliegen verzichtet werden. Eine weitere Möglichkeit, die Emissionen einzudämmen, sei ein klimafreundliches Verhalten vor Ort: „Es wäre schade, die Welt nicht mehr zu bereisen. Reisen besteht ja aus mehr als der Anreise. Worauf jeder Reisegast bei der Gestaltung der Reise achten kann, ist zum Beispiel die Auswahl der Unterkünfte.“

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Nachhaltigkeit vor Ort

Auf der Internetseite des "forums anders reisen“ finden sich Tipps für ein nachhaltiges Reisen vor Ort. Bei der Urlaubsplanung sollten Besucher vor allem auf kleine, inhabergeführte Unterkünfte zurückgreifen oder auf umweltverträgliche Hotels mit einem Ökosiegel achten. Auf Hotels mit Poolanlagen und Golfplätzen sollten nachhaltige Urlauber bewusst verzichten. Vor Ort erkunden Reisende die Natur dann am besten zu Fuß, per Fahrrad oder mit dem Kanu.

Zudem kann auf kleine Dinge geachtet werden: Wieder befüllbare Trinkflaschen anstatt Plastikflaschen aus dem Supermarkt, Handtücher und Bettwäsche mehrere Tage benutzen und in lokalen Restaurants essen gehen.

Die gesamte Sendung zum Nachhören in unserem Podcast

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Sendezeit
6:00 Uhr
Sender
SWR1
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