Messdiener in Prozession (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

SWR1 Sonntagmorgen Religion und Jugend: Schwindende Bedeutung

Glaube und Religion spielen für die 12- bis 25-Jährigen eine immer geringere Rolle. Das zeigt die aktuelle Shell-Jugendstudie. Inzwischen sagen mehr als 50 Prozent der Jugendlichen, dass der Glaube weniger wichtig oder unwichtig für ihre Lebensführung ist.

Auch bei den konfessionsgebundenen Jugendlichen hat der Glaube stark an Bedeutung verloren: Heutzutage spielt er für die Hälfte der evangelischen und für etwa vierzig Prozent der katholischen Jugendlichen keine bzw. keine große Rolle mehr.

Institution Kirche wird positiv gesehen

Unabhängig vom Glaubensbekenntnis finden es trotzdem rund 69 Prozent der Jugendlichen gut, dass es die Kirche gibt. Selbst 45 Prozent der konfessionslosen Jugendlichen stehen der Institution Kirche positiv gegenüber. Viele finden es gut, dass die katholische und evangelische Kirche gesellschaftliche und soziale Aufgaben erfüllt, sich um Menschen in sozialen Notlagen kümmern oder in öffentlichen Debatten Stellung bezieht als eine Art moralische Autorität.

Dauer

Auch die Missbrauchsskandale haben offenbar nicht zu einer kritischeren Haltung geführt. Fragt man die Jugendlichen hingegen danach, wie viel Vertrauen sie der Organisation Kirche entgegenbringen, zeigt sich vor allem bei katholischen Jugendlichen ein deutlicher Vertrauensverlust. 2002 äußerten noch 38 Prozent aller jungen Katholiken Vertrauen in die Kirchen, jetzt waren es nur noch 25 Prozent.

Kirchen haben keine Antwort auf Fragen, die wirklich bewegen

Die Kirchen haben für etwa 59 Prozent ihrer jugendlichen Mitglieder keine Antwort auf die Fragen, die sie wirklich bewegen. Auch die Zukunftsfähigkeit der Kirche wird angezweifelt, sogar deutlich häufiger von katholischen und evangelischen als von konfessionslosen Jugendlichen. Drei Viertel der katholischen und zwei Drittel der evangelischen jungen Menschen sind der Meinung, dass sich die Kirche ändern muss, wenn sie eine Zukunft haben will.

Religiöse Praxis im Alltag immer unbedeutender

Parallel dazu wird auch die religiöse Praxis im Alltag immer unbedeutender. Fast die Hälfte der Jugendlichen betet gar nicht mehr. Nach dem Kirchgang wurde in der Studie schon gar nicht mehr gefragt, weil nur noch sehr wenige junge Menschen regelmäßig den Gottesdienst besuchen. Viele bleiben zwar in der Kirche aus Traditionsverbundenheit, aber ihre Mitgliedschaft besteht eigentlich nur noch auf dem Papier, sagt der Sozialpsychologe Ingo Leven, der die Shell-Jugendstudie mit erstellt hat.

Schautafel Shell Jugendstudie zum Thema Glauben (Foto: Pressestelle, Shell-Jugendstudie 2019)
Pressestelle Shell-Jugendstudie 2019

Junge Muslime sind glaubensfester

Von dieser Entwicklung abgekoppelt sind junge Menschen, die anderen Religionen angehören, vor allem junge Muslime. 73 Prozent von ihnen stufen ihren Glauben als wichtig ein, nur für 18 Prozent ist er unwichtig. Auch Jugendliche anderer Religionen sind offensichtlich glaubensfester als ihre evangelischen und katholischen Altersgenossen. Einen direkten Zusammenhang gibt es zum Elternhaus, das von den katholischen oder evangelischen Jugendlichen in der Regel als weniger religiös bezeichnet wird.

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Dauer
Sendedatum
Sendezeit
6:00 Uhr
Sender
SWR1
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