SWR1 Sonntagmorgen Ewigskeitssonntag - Gedenken an die Toten

Der November ist der Monat des Totengedenkens im öffentlichen, privaten und kirchlichen Bereich: Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag. Am 24.11. ist Ewigkeits- oder Totensonntag, der Gedenktag der evangelischen Christen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
6:00 Uhr
Sender
SWR1

Wer einen lieben Menschen verloren hat, dem ist es ein Bedürfnis zu trauern. Viele Menschen empfinden es als tröstlich, gemeinsam zu trauern. Dieses Anliegen haben die Kirchen schon vor langer Zeit aufgegriffen, wenn auch nicht am gleichen Tag. So gibt es für die Katholiken den Allerseelen-Tag, während die Protestanten den Ewigkeits- oder Totensonntag begehen.

Stiller Feiertag

Der preußische König Friedrich Wilhelm III. ordnete 1816 an, jährlich den letzten Sonntag des Kirchenjahres als allgemeinen Gedenktag zur Erinnerung der Verstorbenen zu begehen. Der Totensonntag ist ein stiller Feiertag, das heißt, er ist durch die Feiertagsgesetzgebung der Bundesländer besonders geschützt. Öffentliche Sport-, Tanz- und Musikveranstaltungen sowie Märkte sind laut dieser Gesetze am Totensonntag verboten. Damit bleiben auch Weihnachtsmärkte geschlossen.

Loslassen können und bewusst leben

Trauern heißt nicht nur traurig sein, sondern auch loslassen, sich bewusst machen, wie endlich das Leben ist. Das schärft den Blick fürs Hier und Jetzt. Ein schmerzlicher Verlust kann einem also helfen bewusster und intensiver zu leben. Das ist die eine Botschaft des heutigen Totensonntags. Die andere ist, dass der Einzelne mit seiner Trauer nicht allein ist. Es gibt Zeit für gemeinsames Abschied- nehmen, einen Tag für kollektives Gedenken. Seit einigen Jahren funktioniert das sogar online mit einem Angebot der evangelischen Kirche über die Internetseite «trauernetz.de».

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Ewigkeit Gottes

Der Begriff Totensonntag ist auch heute noch weit verbreitet. Die Evangelische Kirche spricht von "Ewigkeitssonntag", um damit nicht den Tod ins Zentrum zu stellen, sondern die Auferstehung und das ewige Leben, an das Christen glauben. Hintergrund ist, dass die letzten Sonntage im Kirchenjahr und besonders die Woche vor dem 1. Advent den Themen Gericht und Ewigkeit Gottes gewidmet sind.

Leben und Tod

Viele Pfarrer ermutigen die Gläubigen in ihren Gottesdiensten zu einem bewussteren Umgang mit ihrer Lebenszeit. Wem es gelingt, Abschied und Tod im Alltag zu bewältigen, könne auch sein Leben besser in den Griff bekommen, heißt es bereits in mittelalterlichen Texten der Kirche. Vergänglichkeit wird als Gewinn für das Leben verstanden, nicht als Verlust.

Bestattungskultur im Wandel

Am Ewigkeitssonntag besuchen die Gläubigen nicht nur die Gottesdienste, sondern auch die Gräber ihrer Verwandten und Freunde, ob auf dem Friedhof oder im Friedwald. 

Vor zehn Jahren wurden 70 Prozent der Toten klassisch beerdigt und 30 Prozent eingeäschert. Heute hat sich das Verhältnis gedreht, sagt Martin Leser, Leiter des Eigenbetriebs Friedhöfe in Freiburg. Etwa fünf Prozent der Toten werden in Friedwäldern beerdigt. Tendenz steigend. Generell lockert sich vieles rund um den Tod. Die Bestattungskultur ist im Wandel. Auch die katholische Kirche, die wegen der leiblichen Auferstehung lange mit Feuerbestattung fremdelte, öffnet sich. Manche wünschen sich nach ihrem Ableben eine Diamantbestattung.  Aus einem kleinen Teil der Asche entsteht durch ein spezielles Verfahren ein Diamant.

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Ein Ort des Gedenkens

Martin Leser ist wichtig, dass auch in einer immer urbaneren aufgeklärten Gesellschaft jeder Mensch seine letzte Ruhe auf einem Friedhof finden sollte. "Ich brauche nach meinem Dafürhalten einen Ort des Gedenkens", so Leser.

Moderatorin Silke Arning (Foto: SWR)

Moderatorin am Sonntagmorgen Silke Arning

Moderatorin am Sonntagmorgen

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