Woodstock (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

SWR1 Sonntagmorgen Der Mythos Woodstock

Fünfzig Jahre nach dem legendären Konzert gibt es viele Legenden und Geschichten. Wie war Woodstock wirklich?

Eigentlich war die Veranstaltung vom 15. bis zum 18. August 1969 eine rein kommerzielle. Sie ruhte im Wesentlichen auf den Schultern von zwei Festival-Managern und zwei Kapitalgebern, die das Geld für ein Tonstudio zusammen bekommen wollten. In der Kleinstadt Woodstock, rund 160 Kilometer von New York City entfernt, lebten Künstler wie Bob Dylan, Jimi Hendrix oder Janis Joplin. Aber in Woodstock wollte man die mehrtägige Musikveranstaltung nicht haben, so dass man schließlich 70 Kilometer von dort entfernt das Weideland eines Milchbauern nutzte. Es liegt nahe der Kleinstadt Bethel. Woodstock war also nie in Woodstock.

Es war ein heilloses Chaos: verstopfte Anfahrtswege, matschige Wiesen, kaum Toiletten. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Unerwartete Massen strömen im August 1969 zum Musikfestival Woodstock in Bethel, New York, USA. Picture Alliance

Schwierige Logistik

Gehofft hatte man auf 200.000 Besucher, es kamen rund doppelt so viele. Die Infrastruktur rund um die Milchweiden war gänzlich ungeeignet für so viele Menschen auf einmal. So kam es zu riesigen Staus, die dazu führten, dass so mancher mögliche Zuschauer nie das Konzert erreichte. Das galt auch für einige Musiker, die teilweise mit dem Hubschrauber eingeflogen werden mussten. Die Lage wurde so chaotisch, dass an die Kontrolle oder den Verkauf von Tickets nicht mehr zu denken war. So wurde das Konzert zur eintrittsfreien Veranstaltung erklärt. Auch Verpflegung und medizinische Versorgung litten unter den Staus. Dennoch hatten die Zuschauer trotz Dauerregens viel Spaß an Künstlern wie Joe Cocker, Joan Baez, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Santana oder The Who.

The Incredible String Band in Woodstock (Foto: Pressestelle, Christina Licorice McKechnie -)
Pressestelle Christina Licorice McKechnie -

Make love not war!

Die USA waren schon damals ein gespaltenes Land, tief verstrickt in den Kalten Krieg mit der Sowjetunion und in den überaus grausamen Stellvertreterkrieg in Vietnam. Die Morde an den Kennedys oder an Martin Luther King hatten das Land verunsichert. Die Gegenbewegung der Hippies - vor allem in St. Francisco und New York stand für ein ganz anderes Lebensgefühl. Die Verweigerung der Leistungsgesellschaft und der Ruf nach Frieden und Liebe, also einer besseren Welt, waren unüberhör-und unübersehbar. Um das angestrebte Lebensgefühl zu erreichen, wurde viel mit Drogen wie LSD, Haschisch oder Marihuana nachgeholfen. Beim Woodstock-Konzert wurden rund 800 Mitarbeiter, Musiker und Zuschauer nach Drogenproblemen behandelt.

Was war Woodstock?

Fragt man Passanten in Deutschland nach Woodstock, kommt bei den Älteren auch fünfzig Jahre danach noch einiges ans Licht der Erinnerung. Flower Power, gute Laune, Friedfertigkeit, das ist als Lebensgefühl geblieben.

Dauer

Nachwirkung von Woodstock

Das Bild von Woodstock wurde maßgeblich vom gleichnamigen Dokumentarfilm geprägt. Die mit einem Oscar ausgezeichnete Produktion erschien 1971. Dass das Konzert beim Milchbauern für sich allein keinen großen Einfluss auf die amerikanische Gesellschaft gehabt hätte, meint auch Knud Andresen. Der Historiker und Protestforscher sagt, erst die Vermarktung der Konzertmitschnitte als Schallplatten habe Woodstock zu dem gemacht, was wir heute erinnern.

Dauer

Protestkultur - gestern und heute

Während es den Hippies der 60er Jahre noch wichtig war, sich in den Wertvorstellungen von ihren Eltern abzusetzen, seien Protestbewegungen wie Fridays for Future heute anders unterwegs: hier gehe es zuerst um Änderungen des Konsumverhaltens. Die Werte der Elterngeneration würden im Wesentlichen geteilt. Das könne man auch daran sehen, dass immer häufiger wie selbstverständlich auch Eltern zusammen mit ihren Kindern auf den Freitagsdemonstrationen anzutreffen seien. Es gibt noch einen weiteren Unterschied zwischen den Protestierenden heute und damals. In den sechziger Jahren, so Knud Andresen, sei der Blick offen gewesen in eine Zukunft hinein, die auf jeden Fall besser sein würde. Dieser Blick voller Hoffnung fehle heute oft.

Die gesamte Sendung zum Nachhören in unserem Podcast

Dauer
STAND