Studierende in der Bibliothek (Foto: Pressestelle, Marco Limberg)

SWR1 Sonntagmorgen 40 Jahre Hochschule für Jüdische Studien: Ein Lernort gegen die Isolation

Gerade einmal 100 Studierende sind an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg eingeschrieben. Ursprünglich war sie als Ausbildungsstätte für Rabbiner, Kantoren und jüdische Religionslehrer gedacht. Inzwischen studieren hier auch zahlreiche junge Frauen und Männer anderen Glaubens, die sich einfach nur für das Judentum interessieren.

Sie können hier Hebräisch und Jiddisch lernen, sich mit jüdischer Literatur, Religionslehre oder der Geschichte des Judentums beschäftigen. Dabei gibt es sowohl Bachelor- als auch Masterstudiengänge.

"Wir sind die erste Generation, die wirklich integriert ist"

Daniel Golikov möchte jüdischer Religionslehrer werden. Der 23jährige gebürtige Israeli studiert in Heidelberg, weil das die einzige Universität in Deutschland ist, die diesen Studiengang anbietet und bei der er nach dem Studium auch die Lehramtsbefähigung erhält.

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Das Gebäude der Hochschule liegt mitten in der Heidelberger Altstadt. Gleich nebenan die Ruprecht-Karls-Universität. In sozialwissenschaftlichen und philosophischen Fakultäten steht die Hochschule im Austausch mit der Universität.

Außenansicht der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg (Foto: Pressestelle, Marco Limberg)
Die Hochschule für Jüdische Studien in der Heidelberger Altstadt. Pressestelle Marco Limberg

"Wir sind nicht isoliert", sagt Johannes Heil, der Rektor der Hochschule. Ihm ist wichtig, "dass man mitteleuropäische, deutsche Geschichte und Kultur nicht ohne Judentum denkt". Deshalb arbeitet die Heidelberger Hochschule auch mit Universitäten in ganz Europa zusammen, beispielsweise Schweden, Österreich oder Israel.

"Jede Geschichte, jede Kultur, jede Gegenwart ist ohne das Judentum eine unvollständige, defizitäre Gegenwart."

Johannes Heil, der Rektor der Hochschule

"Eine eigene Hochschule, das war neu nach 1945"

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte die Hochschule 1979 gegründet. "Dass die Jüdische Gemeinschaft ihre eigene Hochschule gegründet hat, das macht den wesentlichen Unterschied", sagt Rektor Johannes Heil. Sie sei eben nicht Teil einer anderen Universität, sondern selbstständig. "Das war nach 1945 etwas Neues". 1983 wurde die Hochschule dann staatlich anerkannt.

Die Forschung an den zehn Lehrstühlen der Hochschule ist vielseitig. Die Vorlesungen thematisieren im Sommersemester 2019 zum Beispiel die Emanzipation der Juden in Baden im 19. Jahrhundert oder das "Jewish Hollywood", also die Rolle jüdischer Autoren, Schauspieler, Regisseure und Produzenten im amerikanischen Filmbusiness.

Getragen wird die Hochschule vom Zentralrat der Juden, finanziert wird sie von Bund und Ländern.

Doppeltes Jubiläum: Feierlichkeiten mit international besetzter Fachtagung

Der 40. Geburtstag der Hochschule ist ein besonderer Anlass mit einem besonderen Gast: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird am Montag zu den Feierlichkeiten in der Neuen Universität erwartet.

Und dann gibt es noch ein Jubiläum: Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Judentum wird 200 Jahre alt. Mehr als 70 Wissenschaftler aus Europa, Israel und Südamerika treffen sich deshalb auch in Heidelberg, um sich über den aktuellen Forschungsstand auszutauschen.

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