SWR1 Sonntagmorgen Wenn die Heimat baden geht - weltweit immer mehr Klimaflüchtlinge

Wie häufig, wenn das Jahr zu Ende geht, richtet sich der Blick der Welt auf eine große Klimakonferenz. Diesmal findet sie noch bis zum 13. Dezember in Madrid statt.

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Das ehrgeizige Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad verglichen mit der Zeit vor der Industrialisierung zu begrenzen, wird erneut beschworen. Der Chef der Weltorganisation der Meteorologen Petteri Taalas, sagt: "Es gibt keinen Grund, völlig pessimistisch zu sein". Er muss wissen, was er sagt. Seit 1850 wird der Verlauf des Wetters aufgezeichnet. Und da ist einiges an Daten zusammengekommen.

Heiße Jahre

Die vergangenen zehn Jahre seien die wärmsten gewesen, seitdem Wetterdaten erfasst werden, so Taalas. Während das Jahr 2016 das heißeste war, wird 2019 wohl auch zu den drei wärmsten gehören. Die Folgen, sagen die Wetterkundler, seien in den zurückliegenden zehn Jahren deutlich zu sehen gewesen: Der Meeresspiegel steigt weiter, die Gletscher schmelzen schneller als zuvor. Wirbelstürme, Hitzeperioden und Waldbrände gab es immer, aber sie sind deutlich häufiger geworden und stärker in ihrer Ausprägung. Für die Weltorganisation der Meteorologen ist erwiesen, dass die von Menschen in die Luft entlassenen Treibhausgase für diese Beschleunigung des Klimawandels verantwortlich sind. Das hat auch Entwicklungsminister Gerd Müller bei seiner jüngsten Reise nach Äthiopien zu sehen bekommen. Im Grenzland zum Südsudan ist nach Aussage des Ministers „der Klimawandel brutal angekommen“. Es habe drei Jahre nicht mehr geregnet. Für Pflanzen, Tiere und Menschen gebe es keine Lebensgrundlage mehr.

Klimaflüchtlinge (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Klimawandel bedeutet auch: immer mehr Menschen sind zur Flucht gezwungen. Picture Alliance

Katastrophen schlagen Menschen in die Flucht

Die Hilfsorganisation Oxfam hat untersucht, wie sich die zunehmend heftigeren Reaktionen der Natur auf das Leben der Menschen auswirken. Katastrophen, deren Ursache im Klima liegen, vertreiben jährlich rund 20 Millionen Menschen aus ihrer Heimat. Die Menschen fliehen vor Hochwasser, Sturm, Dürre und dem Hunger, der daraus folgt. Die meisten bleiben innerhalb ihrer Landesgrenzen. Den wirtschaftlichen Schaden, der durch klimabedingte Katastrophen verursacht wird, beziffert Oxfam mit rund zwei Prozent der Weltwirtschaftsleistung.

Klimawandel verändert die Arbeit der Caritas

Bei Caritas International hat sich das Tagesgeschäft verändert. So genannte Jahrhundertkatastrophen kommen inzwischen alle zwei Jahre vor, sagt Oliver Müller, der Leiter von Caritas International. Er erinnert an den verheerenden Wirbelsturm in Mosambik im Frühjahr dieses Jahres, unter dem zwei Millionen Menschen direkt gelitten haben; und an heftige Überschwemmungen in Südindien mit einer Million Betroffenen vor einem Jahr. Und dann gebe es da noch die „stillen Katastrophen“. Die zeigen sich darin, dass auf den Feldern plötzlich einfach nicht mehr wächst, was dort immer wuchs. Kleinbauern müssen dann oft aufgeben und ziehen von ihren Äckern in die Slums der Großstädte.

Oliver Müller hat Verständnis für die Forderung der armen Länder, dass die Hauptverursacher des Klimawandels für die entstehenden Schäden finanziell einstehen müssten. Bisher sei aber wenig Bereitschaft zu erkennen, sagt der Leiter von Caritas International.

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Klimaflüchtlinge anerkennen und unterstützen

Die Genfer Flüchtlingskonvention der Vereinten Nationen kennt bisher noch keine Klimaflüchtlinge. Aber ganz gleich, ob es sie offiziell gibt oder nicht, sie sind da, so Caritas International. Allein im asiatischen Raum seien in den vergangenen fünf Jahren 675 Millionen von Naturkatastrophen betroffen gewesen. Und sie brauchen Unterstützung.

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