SWR1 Sonntagmorgen Lithium – ein ambivalenter Rohstoff

Elektroautos fördern eine klimafreundliche Mobilität. Pro Akku eines Wagens braucht man bis zu 40 Kilogramm Lithium. Dessen Abbau bringt aber starke Umwelt- und Sozialkonflikte.

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6:00 Uhr
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SWR1
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Bis zum Jahr 2020 sollen nach Erhebungen der Bundesregierung auf deutschen Straßen eine Million Elektroautos fahren. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ein Rohstoff von zentraler Rolle: Lithium. Denn der Akku eines Elektroautos enthält bis zu 40 Kilogramm dieses Alkalimetalls.

Rasant steigender Ressourcenbedarf

Wenn die Elektromobilität – wie angekündigt – gefördert und ausgebaut werden soll, wird sich auch der Bedarf an Lithium deutlich vergrößern nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. "Man muss davon ausgehen, dass bereits 2030 viermal so viel Lithium in Elektroautos verbaut wird wie heute", erklärt Cornelia Füllkrug-Weizel, die Präsidentin des evangelischen Hilfswerkes "Brot für die Welt". Die Folgen hiervon werden vor allem die drei südamerikanischen Länder Argentinien, Bolivien und Chile zu spüren bekommen, in deren großen Salzseen mehr als 60 Prozent der weltweiten Lithiumreserven lagern – und zwar in doppelter Hinsicht. Denn der Lithiumabbau bringt nicht nur lukrative wirtschaftliche Aufträge für die betroffenen Staaten. Er hinterlässt auch erhebliche Umwelt- und Sozialkonflikte.

Indigene Bevölkerung gefährdet

So sind die Gegenden, in denen ein großer Teil des Lithiums lagert, Siedlungsgebiete der indigenen Bevölkerung. Diese lebt von Viehwirtschaft und traditioneller Salzgewinnung. Der Lithiumabbau gefährdet die Lebensgrundlage der Einheimischen, so dass diese nicht wissen, wie sie die Grundlagen für ihr Leben beschaffen können. "Das ist ein großes Problem für die Bevölkerung", sagt Cornelia Füllkrug-Weizel. Zur Gewinnung des Alkalimetalls werden nämlich große Betonbecken installiert, in die lithiumhaltiges Wasser gepumpt wird. Da für die Herstellung von einer Tonne Lithium bis zu zwei Millionen Liter Wasser benötigt werden, sinkt der Grundwasserspiegel. Dies führt – wie rund um den chilenischen Atacama-Salzsee zu erkennen ist – zu Vertrocknung der Vegetation, dem Aussterben von einheimischen Tierarten und stark verunreinigter Luft, die Krankheiten nach sich zieht.

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Zweischneidige Elektromobilität

Der Rohstoff Lithium hat also zwei ganz unterschiedliche Gesichter: In Deutschland, wo man ihn in der Elektromobilität einsetzt, wird er als Beitrag zu Umwelt- und Klimafreundlichkeit gelobt. In Lateinamerika treibt er durch die rigiden Abbaumethoden Menschen in Krankheit und Ruin. Um diese Schäden möglichst gering zu halten, fordert Cornelia Füllkrug-Weizel daher ein Pfandsystem für Batterien von Elektroautos. Zudem plädiert sie für Verfahren, dass Rohstoffe "möglichst schnell wiedergewinnbar werden". Insgesamt, so die Präsidentin von "Brot für die Welt", müsse deshalb dringend noch einmal darüber nachgedacht werden, was uns in Europa eine klimafreundliche Mobilität wert ist - gerade mit Blick auf die Menschen, in deren Nachbarschaft Lithium abgebaut wird.

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