Zwei Babys (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

SWR1 Sonntagmorgen Geschenk des Lebens

Zwanzig Jahre im Dienst Ungeborener und ihrer Mütter

Donum Vitae (Geschenk des Lebens) ist aus einem schweren Konflikt geboren. Aus dem Konflikt, wie schwangere Frauen in Notlagen richtig beraten werden sollen. Ende der 1990er Jahre gab es eine intensive Kampagne konservativer, katholischer Laien, die sich an der Beratung Schwangerer durch Einrichtungen der Katholischen Kirche störten. Der Vatikan handelte und wies die deutschen Bischöfe an, das kirchliche Stellen keinen Beratungsschein mehr ausstellen dürfen. Dieses Dokument aber ist Voraussetzung dafür, dass eine Frau, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidet, straffrei bleibt. Der Deutsche Caritasverband und der Sozialdienst Katholischer Frauen schieden aus der staatlichen Schwangerschaftsberatung aus.

Donum Vitae füllt das Vakuum

Der damalige Papst Johannes Paul II. wollte jeden auch noch so kleinen Anschein vermeiden, das Tun katholischer Beratungsstellen könne Schwangerschaftsabbrüche ermöglichen. Denn die sind letztlich mit katholischer Lehre nicht vereinbar. In der Praxis hieß das aber, dass katholische Einrichtungen bei ihrer Beratung hinter dem zurückbleiben mussten, was nach deutschem Recht möglich ist: nämlich einen Schwangerschaftsabbruch innerhalb einer festgelegten Frist nach eingehender Beratung straflos durchführen zu können. Und zum Nachweis dieser Beratung braucht man eben den von der Kirche unerwünschten Schein.

Während sich also die Amtskirche selbst im Weg stand und keinen Spielraum mehr sah, traten Mitglieder des Zentralkomitees Deutscher Katholiken auf den Plan, das ist die größte Laienbewegung im deutschen Katholizismus. Hier erkannte man, dass die Amtskirche zwar ihre Lehre schützte, sie tat dies aber zu Lasten von Frauen in Notlagen. Denn die hatten, wenn die Entscheidung wirklich gegen das Kind getroffen werden musste, von der Kirche nichts mehr zu erwarten.

So wurde Donum Vitae im September 1999 als Verein gegründet. Man beriet schwangere Frauen in allen Lebenslagen: Wenn es Probleme mit der Wohnung oder dem Partner gab, aber eben auch in Notsituationen. Und da im Fall des Falles auch beratungsscheine ausgestellt wurden, fühlten sich die Hilfe suchenden Frauen ernst genommen.

Nach 20 Jahren Beratung sieht die scheidende Vorsitzende der Organisation, Rita Waschbüsch, noch immer viel Arbeit für Donum Vitae.

Dauer

Das Verhältnis zur Kirche bleibt angespannt

Der Bundesverband Donum Vitae hat heute rund 200 Beratungsstellen. Neben staatlichen Zuschüssen finanziert der Verein seine Arbeit durch Spenden und durch Erträge aus einer Stiftung. Rund 50.000 Frauen finden jedes Jahr ihren Weg in eine der Niederlassungen. Dort wird versucht, den Konflikt, in dem die Frau steht, zu verstehen und gute Lösungen zu finden. Zunächst gehe es immer darum, Mut zum Kind zu machen, auch wenn zunächst mal alles dagegenspreche, sagt Rita Waschbüsch. Aber es gebe auch Fälle, in denen das Wohl der Mutter einen Abbruch der Schwangerschaft nahelege und dann stelle Donum Vitae den Schein aus. Die Entscheidungsfreiheit liege bei den Frauen.

Immer wieder haben deutsche Bischöfe deshalb versucht, die Arbeit der Beraterinnen zu torpedieren. So heißt es in einer Erklärung aus dem Jahr 2006, es handle sich bei Donum Vitae um eine Vereinigung außerhalb der Kirche. Eine Zusammenarbeit mit der Caritas oder dem Sozialdienst Katholischer Frauen seien nicht möglich, Der Verein dürfe mit katholischen Einrichtungen nicht einmal im selben Gebäude untergebracht werden. Kirchlichen Mitarbeitern wurde es untersagt, sich bei Donum Vitae zu engagieren. Erst im vergangenen Jahr schlug die Deutsche Bischofskonferenz versöhnlichere Töne an: In einem Brief an das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken heißt es anerkennend, dass sich Donum Vitae für den Schutz des Lebens einsetze.

Außer der Beratung für Schwangere engagiert sich der Verein noch bei der Sexualaufklärung vom Kindergarten bis in die Berufsschule, bietet Trauerbegleitung, berät bei Pränataldiagnostik, begleitet bei einer vertraulichen Geburt und ist in der Flüchtlingsarbeit tätig.

Rita Waschbüsch sagt, nach 20 Jahren sei es Zeit für eine Verjüngung. Viele Beraterinnen der ersten Stunde gingen jetzt in Rente. Qualifizierter Nachwuchs sei sehr willkommen.

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6:00 Uhr
Sender
SWR1
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