Flugzeug vor dem abnehmenden Mond (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

SWR1 Sonntagmorgen Du sollst nicht fliegen

Kein Fleisch, kein Auto, keine Flugreisen: Viele Menschen sind genervt von den zahlreichen Empfehlungen zum Umweltschutz. Wie kann man sie trotzdem für das Thema gewinnen?

Wir sind keine Umweltschützer, wir tun nur so

Papier in die grüne Tonne, Plastik in die gelbe, Biomüll in die braune Tonne und den Rest? Ja, der kommt in die graue Tonne. Was Touristen und Neubürger in Deutschland regelmäßig die Schweißperlen auf die Stirn treibt, ist für uns Alltag: Der Müll wird getrennt. Zwar macht es jede Kommune und jeder Landkreis ein klein wenig anders, aber das Grundprinzip gilt in ganz Deutschland. Nicht umsonst trägt Deutschland den Titel des Recyclingweltmeisters.

Doch der Schein trügt: Zwar wird viel Müll getrennt, doch nur wenig davon wird tatsächlich wiederverwertet. Verpackungsmüll wird nach dem Plastikatlas der Heinrich-Böll-Stiftung zu 60 Prozent verbrannt. Und der Rest wird zum größten Teil in andere Länder exportiert. Denn: Auch exportierter Müll gilt in Deutschland als „recycelt“.

Verpackungsmüll von Lebensmitteln  (Foto: Imago, Foto: Christian Mang)
60 Prozent des Verpackungsmülls in Deutschland wird verbrannt Imago Foto: Christian Mang

Viele Menschen sind sich des Problems bewusst, doch der Verzicht auf Plastik ist oft nicht leicht: Im Supermarkt sind Obst und Gemüse immer öfter eingeschweißt, in Drogerieartikeln und Kosmetika als Mikroplastik versteckt. Und manche sind den erhobenen Zeigefinger einfach leid, den sie allerorten beim Thema Umweltschutz verspüren:

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Gezielt Verbote setzen und umsetzen

Das Engagement des Einzelnen reicht ohnehin nicht aus, um den Klimawandel aufzuhalten. Es braucht einen gesamtgesellschaftlichen Bewusstseinswandel, sagt Umweltpsychologe Gerhard Reese von der Universität Koblenz/Landau. Und den muss auch die Politik fördern – indem sie gezielt Verbote setzt:

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Ohne Verbot greifen wir weiterhin zum günstigeren Obst und Gemüse in Plastikfolie. Das ist das Gewohnheitstier in uns, so Reese. Und natürlich der Sparfuchs. Und dann landet am Schluss doch jede Menge Plastik im Einkaufswagen.

Ganz ohne Plastik kommen die so genannten „Unverpackt“-Läden aus. In diesen kleinen Tante-Emma-Läden kann man Lebensmittel ganz ohne Verpackung kaufen: Nudeln, Müsli oder Gewürze:

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Alternativen anbieten

Darüber reden sei enorm wichtig, so Reese. Denn nur so bleibe das Thema präsent. Wichtig ist laut Gerhard Reese aber auch, dass nicht immer nur über die Verbote gesprochen wird, sondern vor allem darüber, welche Alternativen es gibt.

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Mehr Platz für Cafés, mehr Grünflächen und mehr Platz zum Flanieren: So könnte das positive Zukunftskonzept für unsere Innenstädte aussehen. Wenn dazu auch noch ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr kommt, der das eigene Auto überflüssig macht, ist ein Verbot vielleicht gar nicht mehr notwendig. Gerhard Reese hofft, dass es so kommt. Aber bis dahin wird noch viel Überzeugungsarbeit nötig sein.

Die gesamte Sendung zum Nachhören in unserem Podcast

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Sendezeit
6:00 Uhr
Sender
SWR1
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