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Nominiert für den Deutschen Dokumentarfilmpreis Searching Eva

Eva - 25, Vagabundin, Model, Dichterin, Sex-Arbeiterin, Feministin, Musikerin, Sternzeichen Jungfrau – gab sich mit 14 Jahren den Namen selbst, erklärte Privatsphäre zu einem überholten Konzept und veröffentlichte ihren ersten Tagebucheintrag online. Seither teilt sie ihr Leben bis ins intimste Detail mit Kids aus aller Welt. Dies ist die Geschichte einer jungen Frau, die im Internet erwachsen wurde und aus ihrer Selbstsuche ein öffentliches Spektakel macht, das die Frage aufwirft, was "eine Frau denn genau zu sein hat". Durch Evas viele wechselnden Personas offenbart sich eine Generation, für die das Konzept einer fixen Identität ausgedient hat. Das Portrait eines modernen Menschen.

Mit ihrem Dokumentarfilm Searching Eva nimmt sich Regisseurin Pia Hellenthal unter anderem der Frage an, ob das Leben nur eine Inszenierung ist. „the film starts now“ steht zu Beginn auf der Leinwand, auf dass niemand vergessen möge, dass es sich hier nicht um ein Fenster zur Realität, sondern eine Inszenierung handelt. Der Verweis auf die eigene Künstlichkeit bleibt als Stilelement erhalten, wenn die Protagonistin immer wieder in statischen Kameraperspektiven durch die vierte Wand direkt auf die Zuschauerinnen blickt.

Searching Eva begibt sich auf den Streifzug einer jungen Frau, die erwachsen wurde im Zeitalter des Internets und die ihre Selbstsuche zu einem öffentlichen Spektakel erklärt hat. Der Film folgt Evas unstetem Leben – offline und online – über den Zeitraum von drei Jahren. Wir springen von Berlin nach Italien, von Mexiko nach Athen, so als klickten wir uns durch ihr Instagram-Profil. Wir treffen ihre Lover, die neue Familie ihres Vaters und ihre Mutter, die noch im Kinderzimmer bei ihren Eltern wohnt. Eva läuft bei Fashion Shows in Paris, wird von Sugar Daddies in gutbürgerlichen Hotels massiert, spritzt sich Ketamin in der Badewanne, föhnt die Haare ihrer griechischen Freundin, spielt mit ihrer Katze. Anstatt einem narrativen Faden zu folgen, kreist der Film um Themen, die Evas Leben von sich aus aufwerfen: Fragen nach Sexualität, Gender, dem Konzept von Arbeit und einer fixen Identität. All das wird stetig begleitet von ihren Online-Followern, die jede ihrer Lebensentscheidungen, jeden neuen Haarschnitt kommentieren. Eva wird in Zweifel gezogen, hoch gepriesen, für verrückt erklärt.

So bewegt sich Searching Evazwischen überhöhter Inszenierung und dokumentarischen Beobachtungen und kombiniert dabei Evas Blog – ihre Stimme führt als Voice Over durch ihr veröffentlichtes Innenleben – mit Szenen ihres Alltags, immer begleitet von ihren Followern. Offline und Online verweben sich so zu einer neuen Dimension: der Realität der Digital Natives.

Filmdaten 

Buch und Regie: Pia Hellenthal
Co Autorin: Giorgia Malatrasi
Kamera: Janis Mazuch
Montage: Yana Höhnerbach
Ton: Marcus Zilz
Produktion: CORSO Film- und Fernsehproduktion
Koproduktion ZDF - das kleine Fernsehspiel
Filmförderung: Film - und Medienstiftung NRW / BKM
FSK ohne Angabe

Deutschland 2019; 84 Min.