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Mitglieder des SWR Vokalensembles Wiebke Wighardt

"Man hat es einmal erlebt und will es immer wieder haben."

Die Mezzosopranistin Wiebke Wighardt wurde 1983 in Schleswig geboren. Nach dem Abitur studierte sie Gesang bei Martha Sharp am Mozarteum in Salzburg und schloss das Studium 2010 mit dem Master ab. Sie ist seit 2012 Mitglied des SWR Vokalensembles.

Vokalensemble Wiebke Wighardt (Alt)

Wiebke Wighardt singt Alt im SWR Vokalensemble.

Frau Wighardt, was macht Ihnen so viel Freude am Chorsingen?

Ich stand zusammen mit vierzig Sängerinnen und Sängern auf der Bühne und alle atmeten und phrasierten gleich. Das ist eine unbeschreibliche Energie, die einen packt. Mich hat es umgehauen. Man hat es einmal erlebt und will es immer wieder haben.

Welches Chorwerk sollte man sich auf jeden Fall einmal angehört haben?

"Spem in alium" für vierzig Stimmen von Thomas Tallis. Diese Motette gehört zu meinen Lieblingswerken. Das Stück wird in der Regel im Kreis aufgeführt, sodass die Sänger um einen herum stehen. Da kommt der Klang von einer Seite und wandert auf die andere, man wirft sich die Einsätze gegenseitig zu – das ist wahnsinnig beeindruckend. Und das kann genauso bei uns passieren. Im Vokalensemble arbeiten wir nicht nur mit dem Klang, sondern auch mit dem Raum. Es sind selten normale Konzerte. Das Publikum wird dabei sehr gefordert.

Warum singen Sie in einem Rundfunkchor und nicht in einem Opernchor?

Das Aufgabenfeld ist ein ganz anderes. Im Opernchor gibt es noch die darstellende Ebene, dem Spiel auf der Bühne. Das Singen ist nur ein Teil davon, und das ist nicht ganz meine Natur. Ich konzentriere mich gerne auf die Musik und den Klang und was man damit alles machen kann. Das ist im Rundfunkchor gegeben.

Könnten Sie sich auch vorstellen in anderen Chören zu singen?

Ich habe als freie Mitarbeiterin auch schon bei Projekten im NDR Rundfunkchor mitgesungen. Das hat mir Spaß gemacht. Man kann sich in jedem Chor zu Hause fühlen, wenn man will. Das SWR Vokalensemble ist etwas Besonderes, das sich vor allem durch das Programm auszeichnet. Dies fordert einen auf verschiedensten Ebenen. Man geht manchmal aus den Proben raus und ist mental total erschöpft. Oder man hat keinen Ton gesungen, sondern sich nur mit der Rhythmik und der Komplexität des Werkes beschäftigt.

Sie sind seit vergleichsweise kurzer Zeit Mitglied im Chor – wie wird man in ein langjährig bestehendes Ensemble aufgenommen?

Ich wurde mit offenen Armen empfangen. Sie kannten mich schon, da ich als freie Mitarbeiterin regelmäßig mitgesungen habe. Der Eintritt war also nicht so schwer. Die Kollegen wussten ja, auf wen sie sich einlassen.

Was bedeutet Heimat für Sie?

Das ist eine gute Frage. Ich komme aus dem nördlichen Schleswig-Holstein, habe in Österreich studiert und bin jetzt hier in Stuttgart. Heimat ist da, wo das Leben stattfindet – beruflich und privat. Dort, wo es sich für mich vereinigt.

Wie ist es für Sie als Nordlicht, hier in Stuttgart zu sein?

Ich finde es herrlich. Die Schwaben sind sehr nett und offen. Alles andere sind blöde Klischees. (lacht)

Selfie Wiebke Wighardt

Selfie: Wiebke Wighardt