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SENDETERMIN Sa, 29.12.2018 | 18:30 Uhr | SWR2

SWR2 Interview der Woche Volker Jung, Kirchenpräsident

im Gespräch mit Holger Gohla

Die Politik muss der Digitalisierung mehr Aufmerksamkeit widmen. Dazu gehöre auch, das Internet zur weiteren Demokratisierung zu nutzen. Zudem müsse der Zugang zum Netz überall möglich sein. Ebenso müsse auf Energieaufwand und Nachhaltigkeit geachtet werden.

Die Politik muss der Digitalisierung mehr Aufmerksamkeit widmen. Das forderte der evangelische Medienbischof Volker Jung (Darmstadt) im SWR-Interview der Woche. Dies sei nötig, „um Risiken möglichst gering zu halten und Gefahren zu erkennen“. Neben dem Regelungsbedarf sei es für alle eine große Herausforderung, die Digitalisierung zu gestalten. Dann trage sie dazu bei, „dass das Leben besser, angenehmer wird und im Idealfall auch sozialer und gerechter“.

 

Zugleich müsse vermieden werden, dass die Digitalisierung „zur totalen Kontrolle von Menschen“ genutzt werde und daraus „ein neuer Totalitarismus entstehe“, sagte der Medienbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die Digitalisierung könne die Demokratie weiterentwickeln, wenn „wirkliche Beteiligung“ ermöglicht werde. Volker Jung erinnerte an die Internetabstimmung der Europäischen Union (EU) über die Änderung der Sommerzeit. Solch ein „Meinungsbild“ sei noch keine Entscheidung, „aber da kann man sich einen Überblick verschaffen, wie denken Menschen und was sie beschäftigt“. Das müsse dann in die demokratischen Entscheidungswege „integriert“ werden.

 

Die Politik müsse dafür sorgen, dass der Zugang zum Netz überall möglich sei. Ländliche Regionen dürften nicht abgehängt werden. Ihre Anbindung sei vielmehr „eine große Chance“, denn in vielen Berufen könne man auch von Zuhause aus arbeiten. Eine grundlegende Infrastruktur sei für Partizipation und Demokratie dringend erforderlich. Dann könne die digitale Welt auch „Kräfte stärken, die ein kritisches Potenzial haben“. In Diktaturen sei „das Netz oft die einzige Möglichkeit, sich in der Opposition zu formieren“.

 

Beim Digitalpakt sollten Bund und Länder „möglichst schnell eine Lösung finden“. Die eigentliche Aufgabe liege jedoch in der pädagogischen Frage, „wie kann man digitale Technologie gut in den Unterricht integrieren“. Hier müsse ein gutes Verhältnis von Digitalem und Analogem entwickelt und die Medienkompetenz gesteigert werden, so Volker Jung weiter. Hier wünsche er sich „eine viel stärkere pädagogische Diskussion“.

 

In der Pflege könne ein Roboter helfen, Personal zu entlasten, wenn beispielsweise Menschen aus einem Bett gehoben werden müssten. Diese technischen Hilfen dürften jedoch niemanden ersetzen, sondern „die freiwerdende Kraft und Energie“ sollte menschliche Zuwendung stärken. Dann könne es „zu einem guten Miteinander von Mensch und Maschine auch in der Pflege kommen“.

 

Die ethische Herausforderung der Digitalisierung bestehe für den evangelischen Medienbischof Volker Jung in der Datensicherheit, aber auch in der Frage: „Was wollen wir wirklich an Maschinen übertragen?“ Oder wie sollten autonome Fahrzeuge in einem Verkehr eingesetzt werden, in dem auch Menschen Fahrzeuge führen und „mit Unwägbarkeiten“ zu rechnen sei. Diese Grenzen müssten genau angeschaut werden. Zudem würde der hohe Energieverbrauch noch „zu wenig“ in die gegenwärtigen Überlegungen einbezogen.