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SENDETERMIN Sa, 8.12.2018 | 18:30 Uhr | SWR2

SWR2 Interview der Woche Tanja Gönner, Vorstandssprecherin der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, GIZ

im Gespräch mit Nina Barth

Der UN-Migrationspakt ist gut und bringt uns voran – Erhöhung des deutschen Beitrags für internationalen Klimafonds ist extrem wichtig – Europa muss sich mehr um Afrika kümmern

Tanja Gönner, die Vorstandssprecherin der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, GIZ, hält den UN-Migrationspakt für gut und richtig. „Alles, was wir auf internationaler Ebene gemeinsam vereinbaren können, ist in diesen Zeiten sehr hilfreich und sehr gut.

Weil man eben einen gemeinsamen Ansatz hat, weil man weiß, es gibt Themen, die kann keiner allein für sich allein lösen“, sagte Gönner im SWR Interview der Woche.

Der UN-Migrationspakt bringt uns voran

Außerdem gehe es bei dem UN-Migrationspakt darum, Mindest-Standards für Flüchtlinge zu schaffen. In Richtung der Kritiker an dem Pakt sagte Gönner: „Man muss aufpassen, dass man jetzt nicht glaubt, dass, weil wir hier die höchsten Standards haben, alle hierher wollen.

Mindest-Standards sind dazu da, dass man überhaupt mal eine gemeinsame Ebene hat, mit der man den Menschen begegnet. Denn zum Schluss geht es um Menschen“, so Gönner im SWR. Die GIZ sei überzeugt, dass der Migrationspakt Deutschland voranbringe. Der Pakt soll Anfang kommender Woche in Marrakesch beschlossen werden. Auch Bundeskanzlerin Merkel reist dazu nach Marokko.

Mehr Geld für internationalen Klimafonds: Klares Commitment der Bundesregierung

Die zum Start der Weltklimakonferenz in Kattowitz angekündigte deutliche Erhöhung des deutschen Beitrags zum internationalen Klimafonds (Green Climate Fund) hält Gönner für extrem wichtig. „Es macht deutlich, dass Deutschland weiterhin zu einem der größten Klima-Financiers gehört“, erklärte Gönner.

Außerdem zeige die Zusage, dass Deutschland auch weiterhin seinen Beitrag leisten wolle für die Zusagen, die insbesondere die Industrieländer an die Entwicklungsländer gemacht hätten. Gönner betonte, die GIZ gehöre seit Ende 2017 zu den Institutionen, die dafür zugelassen seien, Projekte des Green Climate Fund umzusetzen.

Einen ersten Projektvorschlag habe die GIZ bereits eingereicht. „Insofern freut es uns natürlich auch zu wissen, dass die Bundesregierung hier ein klares Commitment abgibt“, so Gönner. Der Green Climate Fund der UNO fördert Minderungs- und Anpassungsmaßnahmen in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Zu Beginn der Weltklimakonferenz hatten Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) angekündigt, noch einmal 1,5 Milliarden Euro in den internationalen Klimafonds einzuzahlen. Das ist doppelt so viel wie im Jahr 2014.

Arbeit der GIZ hat sich seit 2015 verändert

Das Thema Flucht und Migration ist seit dem Jahr 2015 auch für die GIZ stärker in den Fokus gerückt, erklärte Gönner. Sie betonte, dass Entwicklungszusammenarbeit aber mehr sei als ausschließlich Fluchtursachenbekämpfung. Entwicklungszusammenarbeit sei langfristig angelegt.

Bei der Fluchtursachenbekämpfung gehe es um Prävention, Anpassung an den Klimawandel, darum Perspektiven zu geben. „Es geht zum Schluss darum: Menschen möchten, da wo sie sind, eine Perspektive haben, dann machen sie sich nicht auf den Weg“, so Gönner.

Daher gehe es auch um die Themen Sicherheit und Stabilisierung. „Wir setzen heute schon sehr viel früher an, stabilisierende Maßnahmen zu ergreifen, damit es nicht zu Flucht und Migration kommt“, sagte Gönner im SWR Interview der Woche. Im Übrigen würden die Gesellschaften in Afrika und im Mittleren und Nahen Osten immer jünger. Deshalb müssten Perspektiven für junge Menschen geschaffen werden.

Europa muss sich mehr um Afrika kümmern

Gönner erklärte, sie halte es für richtig, dass sich Europa mehr um Afrika kümmere. Ob es dafür einen eigenen EU-Afrika-Kommissar brauche, wie von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) gefordert, da sei sie hin und her gerissen.

„Das Entwicklungsministerium hier in Deutschland ist ja auch kein Afrika-Ministerium, sondern ganz bewusst das Entwicklungsministerium“, so Gönner. Und in Brüssel gebe es ja auch einen Entwicklungskommissar. „Ich halte aber den Fokus zu sagen, wir müssen uns mehr um Afrika kümmern für richtig und wichtig“, so Gönner. In welcher Form das umgesetzt werde, das überlasse sie den Ideen des neuen Kommissionspräsidenten.