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Werke des Jahres 2017 Codec Error

Alexander Schubert

für Schlagzeug, Kontrabass, Lichtregie und Elektronik (2017)
Kompositionsauftrag des SWR, des IRCAM und von Musica Strasbourg, mit freundlicher Unterstützung von impuls neue musik

Das Stück ist eine Komposition mit Musik, Licht und Choreographie. Es beschäftigt sich mit dem Körper des Performers und seiner Darstellung im digitalen Zeitalter.

Der Einsatz des Stroboskoplichtes und synchronisierter Lichtmuster macht den Performer auf der Bühne wie in einem Videoclip sichtbar. Das bedeutet, dass nur kurze Momente der Bewegung für das Publikum sichtbar sind, was einen Eindruck von Statik und Mechanik erzeugt. Diese puppenartige Darstellung zielt darauf, den Menschen auf der Bühne so erscheinen zu lassen, als blicke man auf eine digitale Repräsentation. Die Kontinuität und Präsenz der Spieler unterliegt Veränderungen und fehlerartigen Manipulationen, wie bei abgestürzten Computerprogrammen – digitalen Fehlern. Während derartige Störungen auf Computerbildschirmen geläufig sind, zielt das Stück darauf, diese Wahrnehmungsweise auf echte Personen der Bühne zu übertragen und dadurch die Musiker in ihre fehlgesteuerten Avatare im wirklichen Leben zu verwandeln.

Das Thema der Komposition greift damit einen Trend unserer Zeit auf, bei dem Körperbilder und ihre Erscheinungsformen zunehmend künstlich und konstruiert wirken. Alles wird ständig manipuliert, virtualisiert und bearbeitet. Und alles basiert auf Clips, wird in Schnipseln, Teilen und Schnitten dargereicht. Wir begegnen hier einer Ambiguität, die auf der einen Seite Bereiche einer interessanten Ästhetik von Medienkompositionen und auf der anderen Seite eine Spielwiese entpersonalisierter Diskontinuität, gefälschter Auftritte und Manipulationen eröffnet. Das Stück will keine Aussage treffen, sondern versucht den Finger in die Wunde zu legen, indem es den Sachverhalt auf die Bühne, zum Performer und zum Publikum bringt und ihn dadurch wahrnehmbar und offensichtlich macht. Der Körper ist Gegenstand der digitalen Manipulation, seine Identität ist gebrochen.

This work is a composition including music, light and choreography. It examines the body of the performer and its representation in the digital age.

The use of strobe lights and highly synchronized light patterns visualizes the performer on stage in a videoclip­like way. This means that only short passages of movement are visible for the audience which results in an almost static and therefore mechanical appearance. This puppet­like display is the attempt to look at a human being on stage as if looking at a digital representation. The continuity and presence of the players is subject to alterations and error­like manipulations that we know from a crashed computer program – digital mistakes. While these faulty glitches are commonly experienced on a computer screen the attempt of this work is to bring this perception on stage to the actual persons and through that turn the musicians into their malfunctioning avatar in real life.

The theme of the composition picks up a trend of our times, in which body images, appearances become increasingly artificial and constructed. Everything is manipulated, virtual and edited all the time. And everything is clip­based, handed out in snippets, sections, cuts. We encounter an ambiguity here which opens fields of interesting aesthetics and media compositions on the one hand and a playground for depersonalized discontinuity, fake appearances and deception on the other. This work is not trying to make a statement in either direction but tries to put the finger in the wound by bringing the topic onto the stage – to the performer, the actual person – and through this making it perceivable and obvious. The body is subject to digital manipulation, the entity is infringed.