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19. bis 22. Oktober | Programm Donaueschinger Musiktage 2017

Bei der Programmplanung stand 2017 die Vielseitigkeit des Musiklebens im Mittelpunkt, seine Heterogenität und Diversität. Dass die 31 eingeladenen Komponistinnen und Komponisten, Klangkünstlerinnen und Klangkünstler aus 19 verschiedenen Ländern kommen, unterstreicht den internationalen Anspruch der Musiktage. Entscheidend ist bei den in Auftrag gegebenen Werken nicht die ideologische Legitimation einer Ästhetik oder gar die behauptete historische Notwendigkeit einer künstlerischen Handlung, sondern dass etwas Eigenständiges und Relevantes entsteht. Deswegen kommt bei einem Werk eine Soloharfe zum Einsatz, bei einem anderen eine Nebelmaschine.

Björn Gottstein

Björn Gottstein

Zwei wichtige Themen der Neuen Musik zeichnen sich im Programm '17 ab. Das eine ist die fortwährende Auseinandersetzung mit den technischen Herausforderungen an unser Leben. In aufwändig gestalteten Werken wie denen von Martin Schüttler und Alexander Schubert wird die Auseinandersetzung mit der Technik explizit. Aber sie deutet sich auch im Situativen und im Konzeptionellen an, wie in den Werken von Francesca Verunelli, wo zwar ein Musiker am Klavier sitzt, das Klavier aber von einem Computer gesteuert wird. Oder die präparierten Vogeleier von Serge Baghdassarians und Boris Baltschun als Sinnbild einer die Natur simulierenden Technologie. Ein zweiter Aspekt, der sich verschiedentlich im Programm der Musiktage '17 abzeichnet, ist die Frage nach der Validität alter und neuer Konzertformen. Mit Laurent Chétouane als Regisseur und Michał Libera als Gastkurator sind zwei Konzerte aus anderen als bloß innermusikalischen Überlegungen heraus gestaltet worden. Aber auch in einem installativ konzipierten Werk wie dem von Marina Rosenfeld stößt die Dramaturgie des klassischen Konzerts an ihre Grenzen. In Donaueschingen werden diese Grenzen und ihr Überschreiten hör­ und sichtbar.

Björn Gottstein
Künstlerischer Leiter der Donaueschinger Musiktage