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Einer für alle - alle für einen

Soziales Leben in der Pfahlbausiedlung

Yoga oder Tennis, Single oder Großfamilie, Häuschen im Grünen oder Altbauwohnung? Heute hat jeder seine persönlichen Vorlieben. In der Jungsteinzeit war Individualität nicht gefragt. Anderes war viel wichtiger: nicht hungern, nicht frieren, sich vor Gefahren schützen.

Knochen, Scherben, pflanzliche Überreste und vieles mehr finden Archäologen bei ihren Ausgrabungen. Daraus können sie Rückschlüsse ziehen, was die Menschen aßen, wie sie gekleidet waren oder welche Werkzeuge sie benutzten. Doch Gefühle oder die Beziehungen zwischen Personen lassen sich nicht ausgraben. Wie die Menschen in der Jungsteinzeit ihr Zusammenleben organisierten, bleibt rätselhaft.

Ein Dach über dem Kopf

Britta bereitet Essen zu (Quelle: SWR, Foto: Ralf Nowak)
Essenszubereitung für alle

Man schätzt, dass in einem Pfahlbauhaus durchschnittlich bis zu zehn Personen lebten. Ob es sich dabei um eine Familie mit Kindern, Eltern und vielleicht Großeltern oder um eine anders organisierte "Wohn- und Lebensgemeinschaft" handelte, lässt sich jedoch nicht sagen. Innerhalb einer Siedlung waren die einzelnen Häuser meist ähnlich. Hierarchische Strukturen lassen sich daher für die Jungsteinzeit noch nicht eindeutig belegen.

Die Häuser waren außerdem nicht abschließbar. Erst ab der Spätbronzezeit, als man schon Reiche und Arme unterschied, sicherte man sein Eigentum mit Schlössern und Riegeln.

Leben im Freien

In den Häusern wurde in erster Linie geschlafen - geschützt vor der Witterung und vor wilden Tieren - zu zehnt auf 20 Quadratmetern. Auch die Vorräte wurden in den Häusern gelagert. Das tägliche Leben spielte sich dagegen, weitgehend unabhängig vom Wetter, im Freien ab. Draußen, also im Blick der ganzen Siedlung, wurden Werkzeuge und Kleider gefertigt, Feldfrüchte und Getreide verarbeitet und andere anliegende Arbeiten erledigt.

Olli, Henning und Ingo ziehen Wagen (Quelle: SWR, Foto: Ralf Nowak)
Gemeinsam geht's besser

Und natürlich fanden auch die Jagd, die Feldwirtschaft und das Fischen draußen statt. Dabei gab es bereits erste Spezialisierungen: In der Schweizer Pfahlbausiedlung "Arbon-Bleiche 3" konnten Forscher nachweisen, dass dort nicht alle die gleichen Aufgaben erledigten, sondern dass es Jäger, Fischer und Bauern gab. Ob diese dann auch unterschiedlich hoch angesehen waren, weiß man allerdings nicht.

Kunst und Kult

Doch das Leben reduzierte sich nicht allein auf die Beschaffung von Nahrung. In den Pfahlbausiedlungen fanden die Archäologen kleine Perlen, die als Schmuck verwendet wurden. Das heißt, dass auch vor Tausenden von Jahren die Menschen schon das Bedürfnis hatten, sich zu schmücken und zu verschönern.

Die Menschen glaubten auch bereits an eine spirituelle Kraft oder Gottheit oder vielleicht auch an die Macht der Ahnen: In Ludwigshafen und Sipplingen am Bodensee wurden jungsteinzeitliche Pfahlbauten entdeckt, die als Kulthäuser dienten. Ihre Innenwände waren mit weißer Farbe bemalt und mit Brüsten aus Ton verziert, einem der ältesten Sinnbilder für Leben und Fruchtbarkeit.

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