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Leben ohne Zahnbürste

Karies und Zahnfleisch-Entzündungen schon nach acht Wochen

Honig und klebriger Brotteig - da haben Karies erzeugende Bakterien ein leichtes Spiel. Acht Wochen lang mussten die 13 Bewohner des "Steinzeit"-Projekts auf moderne Mundhygiene verzichten. Ein Ergebnis: Auch ohne moderne Süßigkeiten entstand Karies.

Der Vergleich des Zahnstatus vor und nach dem Aufenthalt im Pfahlbaudorf belegt, dass alle Teilnehmer innerhalb kürzester Zeit intensive bakterielle Beläge entwickelten, dann Zahnfleischentzündungen und Karies. Die Zähne der Kinder hatten bereits nach wenigen Wochen neuen Kariesbefall.

Zeigt her eure Zähne

Bevor die 13 Teilnehmer in die "Steinzeit" reisten, wurden sie gründlich untersucht. Vorhandene Zahnprobleme wurden behoben. Das LIVING SCIENCE-Team aus der  Abteilung für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie der Uniklinik Freiburg hat den Zustand ihrer Zähne dokumentiert und die Resultate aus der Zeit vor dem Steinzeit-Leben mit den Ergebnissen nach der Zeit ohne Zahnbürste und Zahnpasta  verglichen.

Collage - Die Zähne im Vergleich vorher und nachher (rechts) (Quelle: Prof. Hellwig & Dr.  Hannig)
Oben die Zähne eines Kindes, unten die eines Erwachsenen, rechts sind jeweils die Zähne nach den 8 Wochen der "Steinzeit" zu sehen. Deutlich erkennbar ist eine Rötung des Zahnfleisches und eine Zunahme der Zahnbeläge.

Steinzeitliche Ablagerungen

Zahnbeläge - damit fängt alles Übel an. Wie aber hätten die "Steinzeit"-Bewohner die Ablagerungen verhindern sollen? Im Pfahlbaudorf wurde die Zahnbürste durch einen Zahnstocher aus Holz ersetzt. Dieser bewährte sich im Kampf gegen Fleischstücken zwischen den Zähnen, doch gegen Bakterien konnte dieser Zahnbürstenvorläufer kaum etwas anrichten.

Bakterielle Zahnbeläge, auch Plaque genannt, wurden vor und nach dem Projekt mit einer Dreipunktmessung erfasst. Je untersuchtem Zahn wurden drei Messwerte erhoben. Das Ergebnis zeigt: Bei fast allen Teilnehmern hat die gemessene Plaque-Menge während des Projektes zugenommen. Und das, obwohl vor Beginn des Experiments alle Zähne professionell gereinigt wurden.  Diese Zunahme der Beläge lässt sich  nach Meinung der LIVING SCIENCE-Forscher darauf zurückführen, dass die Steinzeit'ler keine Zahnpflege mehr betrieben.

Grad der Plaqumenge (Quelle: Prof. Hellwig & Dr. Hannig, Zahnklinik Uni Freiburg)
Vergleicht man die Werte der Plaque-Menge vor und nach den acht Wochen im Steinzeit-Dorf, kann man erkennen, dass - bis auf drei Fälle - der Zahnbelag bei allen Teilnehmern zugenommen hat. Die abweichenden Fälle könnte auf einen geringeren Verzehr niedermolekularer Kohlenhydrate (Zucker) zurückzuführen sein.
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