blank

Mehr als ein "Lebendvorrat"

Nutzung von Haustieren in der Jungsteinzeit

In schlechten Zeiten mussten die Haustiere auch bei unseren Vorfahren dran glauben. Doch im Gegensatz zu heute blieben nach dem Schlachten kaum Abfälle zurück. Denn nahezu alles wurde in der Steinzeit verwertet.

Es waren die ersten Haustiere der Geschichte, die sich im Umfeld jungsteinzeitlicher Siedlungen tummelten. Erst mit der Sesshaftwerdung der Menschen begann die Domestizierung vormals wildlebender Tiere. Schweine, Schafe, Ziegen, Rinder und - schon seit der Altsteinzeit - Hunde lebten fortan in nächster Nähe des Menschen. 

Das Wollschwein: ein saftiges Schnitzel

Ein Wollschwein wird geschlachtet (Quelle: SWR, Foto: Ralf Nowak)
Schlachtung eines Wollschweins

Mit einem gezielten Pfeilschuss oder durch Ausbluten wurden die Haustiere in der Jungsteinzeit geschlachtet.  Auch die Sippe des "Steinzeit"-Experiments hat eines ihrer Wollschweine geschlachtet. Denn Ingo und Henning sollten sich vor dem Aufbruch in die Alpen stärken können.

Olli verfügte über die nötigte Schlachterlaubnis. Aus Tierschutzgründen waren bei der Schlachtung im "Steinzeit"-Dorf allerdings ausnahmsweise moderne Hilfsmittel erlaubt. Mit einem Bolzenschussgerät wurde das Wollschwein fachmännisch betäubt. Ein Mitarbeiter des Veterinäramts Ravensburg war bei der Schlachtung dabei.

Stressfreies Schlachten

"Es ist sehr ruhig abgelaufen, so wie es auch gewünscht wird heute. Man will, besonders beim Schwein, das sogenannte stressfreie Schlachten. Der Bolzenschuss wurde mit sehr viel Geduld nach sehr langem Warten auf den richtigen Moment abgegeben und das Schwein war sofort betäubt. Auch das Entbluten ist sehr schnell vor sich gegangen, ohne Abwehrreaktion des Schweins", bestätigt der Veterinär Dr. Martin Müller.

Steinbeil und Silexklingen (Quelle: SWR, Foto: Ralf Nowak)
Schlachtwerkzeug

Die zum Ausbluten notwendigen tiefen Schnitte wurden von Olli mit dem Silexdolch gezielt und schnell ausgeführt. Und auch ausgenommen und zerlegt wurde das Wollschwein mit jungsteinzeitlichem Werkzeug. Beim Schlachten zeigte sich, wie gut diese Hilfsmittel für diese Aufgabe geeignet sind. Das große Steinbeil durchtrennt mit wenigen Schlägen den Brustkorb des Schweins. Mit der leicht gerundeten Silexklingen lässt sich das Fleisch gut zerlegen, denn die Kanten der Silexklinge werden nicht vom Fett verschmiert. Die Oberfläche des Silexsteins bleibt trotz des Fettes rau, die abgeschlagene scharfe Seite stumpft während der Arbeit nicht ab. "In unserer Schublade zu Hause habe ich nicht so ein scharfes Messer", erkennt Olli erstaunt.

Gesundheitsgefahr durch Parasiten und Würmer

Untersuchung des Wollschweinfleisches durch Veterinär Dr. Müller (Quelle: SWR, Foto: Ralf Nowak)
Untersuchung des Wollschweinfleisches

Die ersten Fleischstücke wurden direkt auf dem Dorfplatz vom Veterinär untersucht. Der Grund: Trichinen. Diese Fadenwürmer können durch mangelhaft gegartes Fleisch vom Schwein auf den Menschen übertragen werden. Im menschlichen Körper können sie eine Wurminfektion verursachen, die im schlimmsten Fall sogar tödlich ist. Nur unter dem Mikroskop sind Trichinen erkennbar. Heute ist die Fleischbeschau gesetzlich vorgeschrieben. In der Jungsteinzeit gab es diese Parasiten auch - aber ein Mikroskop war noch nicht erfunden. Es ist bekannt, dass unsere Vorfahren unter einer Vielzahl von Parasiten litten. In "Ötzis" Mumie beispielsweise fand man zahlreiche Peitschenwürmer. Das Wollschwein der Sippe hatte zum Glück keine Trichinen - das Fleisch wurde freigeben.

Horizontale Linie
Impressum l © SWR 2008