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Ein Leben ohne Supermarkt

Die Kalorienbomben der Steinzeit: Haselnüsse und Bucheckern

Die Möglichkeit, mal eben schnell eine Tiefkühlpizza zu kaufen und im Ofen aufzuwärmen, gab es in der Steinzeit nicht. Unsere Vorfahren mussten alles Überlebenswichtige der Natur abtrotzen. Durch die "Neolithische Revolution" - den Übergang vom Jagen und Sammeln zu Ackerbau und Viehzucht- hatte sich auch die Ernährungssituation vollkommen gewandelt. Zum Besseren?

Als die Menschen noch vom Jagen und Sammeln lebten, gab es keine Sicherheit. Kein Haustier stand als lebender Fleischvorrat für schlechte Zeiten zur Verfügung. Kein Getreidefeld füllte den Vorratsspeicher im kalten Winter. Das Überleben der Sippe war allein von Können und Geschick der Jäger und den guten Augen der Sammler abhängig. Fleisch und Wildpflanzen waren die Hauptnahrungsmittel. Doch dann begannen die Menschen Pflanzen zu kultivieren, Tiere zu halten und sesshaft zu werden.

Ein neues Hauptnahrungsmittel

Damit änderte sich nicht nur die Lebensweise unserer Vorfahren, sondern auch der Speiseplan. Getreide wurde zum Hauptnahrungsmittel. Emmer, Einkorn Nacktweizen und Gerste wurden von den ersten Ackerbauern kultiviert. Und da Getreide auch in der Jungsteinzeit schon über einen längeren Zeitraum gelagert werden konnte, hatten die Menschen zum ersten Mal die Möglichkeit, Vorräte anzulegen und nachhaltig zu wirtschaften. Ein Vorrat war dabei besonders entscheidend und musste stets gut behütet werden: das Saatgut für die nächste Ernte.

Doch einfacher wurde es durch die Umstellung nur bedingt. Denn Ackerbau und Viehzucht bedeutete vor 5.000 Jahren vor allem eines: viel Arbeit.

Sich die Erde untertan machen

In der Jungsteinzeit gab es noch keine Ackerflächen, die man sich zur Bewirtschaftung einfach vom Eigentümer pachten konnte. Landwirtschaftliche Nutzflächen musste erst noch erschlossen werden. Durch Brandrodung gewannen die Menschen Ackerland, wo vorher noch dichter Mischwald stand. Erstmals begannen sie damit, die Natur zu formen - bis ins Umland der einzelnen Siedlungen hinein.

Bebautes Land als Kalorienlieferant

Um nur zehn Personen zu versorgen, mussten etwa zwei Hektar Land bewirtschaftet werden. Denn die Getreidesorten der Jungsteinzeit waren längst nicht so ertragreich wie heutiges Getreide.

Dennoch erwirtschafteten Jungsteinzeitler bereits 60 Prozent ihres Kalorienbedarfs auf ihren Feldern mit dem Anbau von Getreide- und Ölpflanzen. Daneben wuchsen Lein, Mohn, Erbsen, Rübsen und Linsen. Die restlichen 40 Prozent des täglichen Kalorienbedarfs lieferte bei den Ackerbauern und Viehzüchtern der Wald mit seinen Sammelfrüchten und Wildkräutern.

Getreideanteil: 46 % Gewicht, 34 % Kalorien
Ölpflanzenanteil (Lein / Mohn): 30 % Gewicht, 29 % Kalorien
Sammelpflanzenanteil (Hasel / Eicheln): 24 % Gewicht, 39 % Kalorien
[Angaben nach Arbon Bleiche]

Die Sippenmitglieder bei der Ernte (Quelle: SWR, Foto: Ralf Nowak)
Emmer (Quelle: SWR, Foto: Ralf Nowak)
In Tuch verpacktes Getreide (Quelle: SWR, Foto: Michael Merkel)
Zwei Männer tragen einen Korb (Quelle: SWR, Foto: Ralf Nowak)
Die Sippe schaut Henning beim Ausnehmen eine Ziege zu (Quelle: SWR, Foto: Ralf Nowak)
Pilze in einem Korb (Quelle: SWR, Foto: Merkel Michael)
Ein Korb voller Beeren (Quelle: SWR, Foto: Michael Merkel)
Die Ähren werden geerntet (Quelle: SWR, Foto: Ralf Nowak)
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