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Oberrheingraben Der Isteiner Klotz – ein Fels in der oberrheinischen Brandung

Südbaden vor 155 Millionen Jahren. In einem seichten Meer bedecken Korallenriffe den heutigen Schwarzwald. Seeigel, Muscheln und andere Riffbewohner gedeihen im warmen lichtdurchfluteten Meer und filtern Plankton und andere Mikroorganismen aus dem Wasser. In einer Senke sammeln sich die silikatreichen Skelettreste des Planktons und werden nach und nach von anderen Sedimenten bedeckt. Druck und Hitze verwandeln das silikathaltige Material tief im Fels zu Hornsteinknollen. Vor 6.100 Jahren schlagen Menschen mit Geröllhacken die Knollen aus dem Fels, verarbeiten sie zu präzisen Pfeilspitzen und gehen damit auf die Jagd. Der Isteiner Klotz bei Lörrach bietet Einblicke in längst vergangene Welten.

Isteiner Klotz mit der Sankt-Veits-Kapelle

Der Isteiner Klotz mit der Sankt-Veits-Kapelle

Der Isteiner Klotz ist eine Grabenrandscholle im südlichen Oberrheingraben, die sich bei Efringen-Kirchen im Markgräfler Land 150 Meter über die Rheinauen erhebt. Er ist ein besonders markanter Fels der östlichen Vorbergzone des Schwarzwaldes. Die steile felsige Westflanke wird vom Rhein ausgewaschen, sodass eine sogenannte Anbrandungskehle entsteht. Die überhängende Wand – im Volksmund auch Schiff genannt – ragt hier sechs bis zehn Meter in die Höhe und bildet ein natürliches Felsdach. Der Klotz – alemannisch für Bergrücken – ist Teil einer 170 Kubikkilometer großen Zone mariner Sedimentgesteine aus dem Jura. An seiner Basis besteht er aus mehreren Schichten Ton-Mergel mit fossilen Muscheln und Riffkorallen, gefolgt von einer 40 Meter mächtigen Korallenkalk-Schicht. Die oberen Schichten bestehen aus massivem Splitterkalk, der zwar wenig Fossilien führt, dafür aber einen wahren Schatz birgt.

Heiße Methode für scharfe Steine

Scherben aus Hornstein vom Isteiner Klotz

Hornstein vom Isteiner Klotz

In diesen Schichten findet sich der Werkstoff, der bereits in der Jungsteinzeit um 4.100 v. Chr. gezielt abgebaut wird – Knollen aus Hornstein. Ihre grobe weiße Rinde täuscht, denn im Innern bestehen sie aus einem grau gebänderten Gestein, das in muschelige Scherben – sogenannte Abschläge – zerbricht. Wie Feuerstein lassen sich daraus mit gezielten Schlägen und viel Übung kunstvolle und vor allem äußerst scharfe Werkzeuge und Waffen herstellen. Um den kostbaren Hornstein abzubauen, nutzen die Menschen eine besonders raffinierte Methode. Nach dem Erhitzen des Gesteins mit großen Feuern schrecken sie es schlagartig mit kaltem Wasser ab. Durch den Temperaturschock wird der Kalkstein brüchig und die Knollen können mit einfachen Geröllhacken aus der Wand geschlagen werden. Auf diese Weise werden nach und nach tiefe Stollen in den Fels "gebrannt".

4:25 min

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Oberrheingraben

Isteiner Klotz

SWR

Zeiten der Zerstörung und des Wiederaufbaus

Die exponierte Lage verschafft dem Isteiner Klotz eine wechselhafte Geschichte. Im 11. Jahrhundert errichten die Bischöfe von Basel eine Burg, die als Castrum Istein 1185 erstmals urkundlich erwähnt und zu Beginn des 15. Jahrhunderts von Basler Truppen zerstört wird. Unterhalb der Burg in einer Nische der steilen Felswand steht noch heute die Sankt-Veits-Kapelle – eine von ursprünglich zwei Kapellen der Burg Istein. Nachdem sie der Zerstörung der gesamten Burganlage zum Opfer fällt, wird sie 1650 wieder aufgebaut. Zwischen 1902 und 1907 werden die Ruinen der Burg zur militärischen Festung erweitert, die aber 1921 in Folge der Versailler Verträge geschleift wird. Im Zweiten Weltkrieg wiederholen sich die Ereignisse. Durch den Ausbau mit 113 Bunkern und einer 105 Tonnen schweren Panzerkuppel wird der Isteiner Klotz zur stärksten Befestigungsanlage des oberrheinischen Westwalles. 1947 wird die Anlage gesprengt. Die ebenfalls zerstörte Sankt-Veits-Kapelle wird in den 1980er Jahren erneut wieder aufgebaut.