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Eifel

Pflanzen der vulkanischen Eifel

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Die hohe Dichte an Maaren in der vulkanischen Eifel ist weltweit einzigartig. In der Westeifel gibt es 77 Maare, davon sind 13 mit Wasser gefüllt. In den Sommermonaten bilden weiße Seerosen einen großen Teppich im Meerfelder Maar. In dem Dickicht befindet sich nicht nur die Kinderstube der Fische, auch junge Wasservögel verstecken sich hier vor ihren Raubfeinden.

Die hohe Dichte an Maaren in der vulkanischen Eifel ist weltweit einzigartig. In der Westeifel gibt es 77 Maare, davon sind 13 mit Wasser gefüllt. In den Sommermonaten bilden weiße Seerosen einen großen Teppich im Meerfelder Maar. In dem Dickicht befindet sich nicht nur die Kinderstube der Fische, auch junge Wasservögel verstecken sich hier vor ihren Raubfeinden.

Wenn Maarseen verlanden, bilden sie zunächst sumpfige Moore. Später fallen sie ganz trocken. Die Moorlandschaft des Dürre Maars ist circa 4.000 Jahre alt. Während die Torfmoose immer weiter nach oben wachsen, sterben die unteren Bereiche ab und wandeln sich mit den Jahren zu Torf um. Das Moor ist inzwischen 12 Meter mächtig. Unweit nordwestlich davon liegt ein winziges Seggenried. Das bereits verlandete und nur fünf Meter tiefe Hetsche-Maar ist das kleinste Maar der Eifel.

Auf den dicken Torfschichten des Dürre Maars wachsen seltene Pflanzen wie der Sonnentau. Die fleischfressende Pflanze entwickelte eine tödliche Strategie, um mit dem nährstoffarmen Untergrund klar zu kommen. An ihren klebrigen Tentakeln bleiben angelockte Insekten an Fangsekreten hängen. Die im Sekret enthaltenen Enzyme zersetzten die Beute. Drüsen auf der Blattoberfläche nehmen am Ende die gelösten Nährstoffe auf.

Im Wasser und entlang des Uferwegs des Laacher Sees strömen an vielen Stellen Gase aus dem Untergrund. Sie treten an sogenannten Mofetten aus. Die Sumpf-Segge aus dem Reich der Gräser liebt das kohlendioxidhaltige Gasgemisch. Die Sumpfpflanze kommt am trockenen Ostufer des Laacher Sees aber nur vor, weil ihr die Mofettengase eine Sumpfatmosphäre vorgaukeln. Als Anzeiger der Gasaustritte bezeichnet man sie auch als mofettophile Zeigerpflanze.

In der Nähe wachsen hoch über dem Waldsee des Krufter Ofen- Vulkans ganz andere Sonderlinge. Die breitblättrige Stendelwurz ist eine von 26 Orchideenarten, die rund um den Laacher See heimisch sind. Unter den Rotbuchen kommt sie am Hang des Vulkans auch mit weniger Licht aus. Doch zum Überleben ist sie auf einen spezifischen Pilzpartner angewiesen.

Die Pilze treten mit ihrem weitreichenden Netzwerk aus fadenförmigen Zellen (Myzelien) auch mit den Buchen in Kontakt. Über die wechselseitigen Beziehungen der Gesellschaft aus Orchidee, Pilz und Laubbaum weiß man generell noch viel zu wenig. Man fand aber bereits heraus, dass sich einige organische Stoffe, die man in Orchideen nachweisen kann, offensichtlich auch in den benachbarten Bäumen finden. Hangwälder aus Rotbuchen sind typisch für die vulkanische Eifel. Die Baumart mag mildes feuchtes Klima ohne Staunässe und genau das ist für viele Orchideen auch ideal.

Ein weiterer Waldvertreter unter den Orchideen ist die zweiblättrige Waldhyazinthe. Ohne ihren spezifischen Wurzelpilz kann diese wohlriechende Schönheit gar nicht erst keimen. Ihre leichten Flugsamen sind Langstreckenflieger, aber das hat seinen Preis. Die Waldhyazinthe kann erst keimen, wenn der Pilz den Samen infiziert hat und den Keimling fortan mit Nährstoffen versorgt.

Von rund 60 Orchideenarten in Deutschland wachsen alleine 35 in der Eifel. Die Ursache für die außergewöhnliche Zahl liegt an einem Flachmeer, das vor rund 380 Millionen Jahren an manchen Stellen der Eifel ein Korallenriff hinterließ. Die letzten Kalkreste liegen heute dort, wo sich die Eifeler Kalkmulden befinden. Die Mulden schützen den Kalk vor Erosion und die meisten Orchideenarten lieben den kalkhaltigen Boden. Beispiele für den wertvollen Landschaftstyp inmitten des Vulkanlands sind die Dollendorfer- und Hillesheimer Kalkmulde.

Aber nicht nur Orchideen gedeihen auf kalkhaltigem Boden. Ein typischer Vertreter der Kalk-Halbtrockenrasen ist die Küchenschelle. Unter den Eifelschönheiten ist sie einer der giftigen Zeitgenossen, mit der man Hautkontakt lieber meiden sollte. Ihren Namen verdankt sie ihrem kuhglockenartigen Aussehen. Homöopatisch findet sie weite Verbreitung, denn die Küchenschelle soll in geringer Potenz unter anderem gegen das helfen, was die Pflanze bei übermäßigem Kontakt auslöst: Nesselsucht und Ekzeme.

Die Wiesen und Wälder der Eifel haben noch viel stärkere Giftstoffe zu bieten wie beispielsweise das Bilsenkraut. Bereits die Schamanen aus dem Reich der Kelten wussten offensichtlich, in welcher Dosis die Pflanze als Halluzinogen wirksam oder lähmend bis tödlich wirkte.

Heilsam und gleichsam ohne Vergiftungsgefahr sind einige der Früchte und Beeren der Eifel. Artenreiche Heckenlandschaften, wie diese hier bei Walsdorf – Zilsdorf, gliedern die agrarwirtschaftlich genutzte Kulturlandschaft seit Generationen und schützen die Felder vor Winderosion.

Die Hecken sind mit ihren vielen Blüten, Früchten und Beerenarten eine ökologische Bereicherung. Sie dienen vor allem Kleinsäugern und Vögeln in mageren Zeiten als Nahrungslieferant und ihre Blüten sorgen für eine reichhaltige Bienenweide. Die vulkanische Eifel ist reich an wertvollen Lebensräumen. Manche davon sind naturbelassen, andere wie dieses Biotop sind alte Kulturlandschaften.