Bitte warten...

Fußball | VfB Stuttgart Wolfgang Dietrich – ein Spalter für den VfB

Der VfB Stuttgart versammelt am 9. Oktober seine Mitglieder. Ein neuer Präsident muss her. Die knapp 40.000 Stimmberechtigen können sich für oder gegen Wolfgang Dietrich entscheiden. Einen Gegenkandidaten wird es nicht geben. Der Fanblock brodelt und hat sich festgelegt: Er ist der Falsche.

Dietrich mit Spalter Stempel

Viele Fans des VfB Stuttgart halten Wolfgang Dietrich für den falschen Präsidentschaftskandidaten

Sonntag, 9. Oktober, 22.30 Uhr auf dem Cannstatter Wasen. Das 171. Volksfest endet – wie jedes Jahr – mit einem leeren Festplatz. Zerbrochene Maßkrüge, die letzten Raketen vom Musikfeuerwerk dampfen am Boden. Die Aussteller beginnen mit dem mühsamen Abbau. Die Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart ist bereits seit mehreren Stunden vorbei.

Das Thema bei der Versammlung: Die Wahl eines neuen Präsidenten.

Wir springen zurück. Es ist der 10. September und der VfB Stuttgart hat keinen Präsidenten. Aber einen Kandidaten. Wolfgang Dietrich, vor allem bekannt als Sprecher des Bahnprojektes Stuttgart 21. Vielen Mitgliedern ist der S21-Schatten, der über Dietrich liegt, ein Dorn im Auge. Ein Mann, der für ein Projekt steht, das die Bürger dieser Stadt in zwei Lager trennt. Dietrich gilt hier als Spalter, nicht als Schlichter.

Mehr Dissens und Ärger

Von September 2010 bis Ende 2014 war Wolfgang Dietrich der Mann, der das wohl umstrittenste Bahn- und Bahnhofsprojekt Deutschlands gegen viel Widerstand durchboxen sollte. Als Sprecher von Stuttgart 21. Ein Job, der automatisch polarisiert. Ein Job, der automatisch spaltet, in Befürworter und Gegner. Der Bahnhof ist beschlossene Sache, Dietrich hat das Amt Ende 2014 abgegeben. Bis heute verfolgt ihn dieser Job.

Stuttgarter Fans

Ein Teil der VfB-Fans demonstriert seinen Unmut gegen den Präsidentschaftskandidaten

Der Aufsichtsrat des VfB setzt so auf einen Mann, der durch seine persönliche Geschichte polarisiert. Natürlich besteht die Vereinsführung darauf, dass die Vergangenheit mit dem möglichen, zukünftigen Präsidentenamt nichts zu tun hat. Diese Rechnung geht nicht auf. Der harte Kern im Fanblock visualisiert die Zweifel. Der "Spalter" soll verhindert werden. Die Fan-Szene zeigt kein Verständnis für das Motto der Vereinsmächtigen: "Der oder Keiner!"

"Vetterles-Wirtschaft" und zu große Nähe

Dietrichs Aufstieg  als Geschäftsmann ging schnell. Schon Anfang zwanzig machte er sich mit einem Programmierbüro selbstständig, stieg wenig später beim Stuttgarter Software- und Systemhaus Strässle ein. Im Jahr 1995 verließ er als damaliger Geschäftsführer die Firma. Die folgende Insolvenz des einstigen Vorzeigeunternehmens hinterließ Kratzer im Image des Erfolgsmenschen. Dietrich wechselte in den Bereich Sportmarketing. Im Jahr 2005 übernahm er Anteile an der schweizerischen Ventric AG.

Ventric hatte von der Sportrechte-Agentur ISPR millionenschwere Finanzierungsverträge übernommen. Dazu gehörten Partnerschaften mit den Vereinen VfB Stuttgart, FSV Mainz 05, Eintracht Frankfurt und Rot-Weiß Oberhausen. Das investierte Geld war an Bedingungen geknüpft: Je erfolgreicher die Vereine waren, desto höher fielen die Einnahmen aus Fernsehgeldern aus. Und an diesen Einnahmen partizipierte Ventric. Ein lukratives Geschäft, wenn Vereine im sportlichen Aufwärtstrend sind.

Dietrich investiert weiter in Fußball-Klubs

Heute sollen die geschäftlichen Verbindungen mit den drei größeren Vereinen VfB Stuttgart, FSV Mainz 05 und Eintracht Frankfurt beendet sein. Dabei soll der VfB im Jahr 2007 als Deutscher Meister sogar relativ "schmerzfrei" aus dem Vertrag ausgestiegen sein. Dem Geschäft mit Investitionen in Fußballvereine blieb Dietrich treu. Die von ihm gegründete Quattrex-Sports AG finanziert diverse Vereine und partizipiert auch hier erfolgsabhängig an Einnahmen aus Fernsehgeldern. Er selbst ist dort nicht mehr als Geschäftsführer oder im Aufsichtsrat tätig.

Rund um die Quattrex-Sports AG spannt sich ein Netz anderer Unternehmen. Seit Februar 2016 gibt es eine Quattrex-Finance GmbH, die laut Handelsregister den gleichen Geschäftszweck hat wie die fast gleichnamige AG. Seinen Posten als Geschäftsführer der Quattrex-Finance GmbH hat Wolfgang Dietrich erst am 26. August 2016 abgegeben (siehe Eintrag Handelsregister).

Screenshot Handelsregister

Screenshot von https://www.online-handelsregister.de/handelsregisterauszug/bw/Stuttgart/Q/Quattrex+Finance+GmbH/2255815 am 09.09.2016

Von der GmbH ist beim VfB keine Rede. In einer Mitteilung an die Mitglieder schreibt der Verein lediglich, dass Dietrich seit 2010 keine operative Tätigkeit mehr bei der Quattrex AG ausübe.

Die Ämter des Präsidentschaftskandidaten wurden in Teilen von Christoph Dietrich, dem Sohn von Wolfgang Dietrich, übernommen. Quattrex ist als Investor bei den Stuttgarter Kickers aktiv. Ähnliche erfolgsabhängige Finanzierungsverträge soll Quattrex mit dem 1. FC Heidenheim, dem man kurzfristig aus der Klemme helfen musste, und Union Berlin haben.

Vier Zweitligisten am Tropf von Quattrex

Wolfgang Dietrich will Präsident beim VfB werden. Seine Unternehmen haben mit Geldspritzen neben dem Stadtrivalen Stuttgarter Kickers auch die Zweitligisten 1. FC Heidenheim sowie weitere Klubs versorgt: Mit dem 1. FC Nürnberg gibt es einen Vertrag, der nach SWR-Informationen erst in drei Jahren auslaufen wird. Und es soll seit kurzer Zeit noch einen weiteren Kontrakt geben: Mit dem 1. FC Kaiserslautern. Dort wurde der Name des Investors bisher geheim gehalten.

Wolfgang Dietrich kritisch

Am 9. Oktober stellt sich der Leonberger Wolfgang Dietrich den Mitgliedern des VfB Stuttgart zur Wahl

Laut Stuttgarter Zeitung sind Dietrich und der VfB Stuttgart mit der DFL im Gespräch darüber, ob die Statuten des Ligaverbandes eine Präsidentschaft von Dietrich zulassen. Zum jetzigen Zeitpunkt möchte die DFL dazu "keine Angaben machen" - knapp einen Monat vor der Wahl.

Natürlich kann jeder Verein selbst entscheiden, von wem er sich grundsätzlich und in der Not Geld besorgt. Die Frage bleibt: Ist Dietrich völlig frei von Interessenskonflikten?