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Wintersport | Para-Ski-WM Wenn das Feuer nicht erlischt

Alexander Ehler war einst eines der größten Biathlon-Talente Kasachstans. Doch ein Unfall beendete seine Karriere, bevor sie richtig begann. Jetzt, mit 48 Jahren, startet er in seine "zweite Karriere".


Alles auf Anfang. Alexander Ehler läuft wieder – mit seinen 48 Jahren ist er stolzer Senior. "Ich bin älter als meine anderen Kollegen, zum Beispiel Marco aus unserer Mannschaft ist 18 Jahre alt. Ich bin 30 Jahre älter".

Alexander Ehler

Alexander Ehler vor seinem Unfall


30 Jahre älter als sein Teamkollege Marco, das 18-jährige Nachwuchstalent. Im selben Alter zerplatzte damals Alexanders Traum. Geboren in Kasachstan, ist er als Jugendlicher eines der größten Biathlon-Talente in seiner Heimat, gewinnt landesweite Wettkämpfe und ist auf dem besten Weg zu den Olympischen Spielen 1992. Bis ein Motorradunfall seinen Traum schlagartig beendet. "In meiner jungen Zeit gab es den Traum der Olympischen Spiele. Wir haben hart trainiert und meine Mannschaft ging dann zu den Olympischen Spielen. Aber ich hatte Pech, ich war gerade im Krankenhaus und meine Sportkarriere war vorbei."

Biathlon ist keine Frage des Alters

Lange wusste niemand, ob sein rechtes Bein komplett amputiert werden muss. Doch er hatte Glück: die Ärzte entfernen bloß neun Zentimeter seines rechten Oberschenkels. Mit kürzerem Bein und Beckenschiefstand tritt Alexander Ehler nun bei den Para-Athleten an. Ein später Neuanfang, Sport hat ihn nie losgelassen.

Alexander Ehlers Biathlon-Trainer Michael Huhn

Alexander Ehlers Biathlon-Trainer Michael Huhn

Sein Trainer, Freund und Mentor Michael Huhn will ihn nun – 30 Jahre später – statt zu Olympia, zu den Paralympics bringen: "Dann kam er an und ich habe am Anfang schon gedacht: Er ist ja schon sehr alt. Dann haben wir die ersten Runden gedreht, gleich gemerkt: Ok, da geht doch noch mehr als eigentlich erwartet. Und so haben wir uns letzten Winter Stück für Stück herangetastet. Und man kann sagen: Er ist schon bisschen älter, aber trotzdem noch ziemlich gut in Schuss."

Auftanken und sich erholen kann er am besten bei seiner Familie zuhause in Emmendingen. Haustechniker von Beruf, feilt er jede freie Minute an seiner Langlauftechnik. Mit eiserner Disziplin - für Ehefrau Natalia und Tochter Olga keine Überraschung. "Im Februar sind wir 25 Jahre zusammen. Und das begleitet uns das ganze Leben, dass er das will."Auch seine Tocher Olga ist beeindruckt vom Ehrgeiz ihres Vater: "Hut ab einfach! Weil in seinem Alter schafft das nicht jeder. Weil er ist einfach noch wahnsinnig fit, und kann noch einiges tun. Wenn ich mit ihm Joggen gehe, kann ich manchmal nicht mithalten."

Alexander hat sein Ziel klar vor Augen - die Paralympics. Er kann es schaffen und irgendwie dreht er die Zeit zurück. Das Feuer in Alexander Ehler ist noch lange nicht erloschen.

Von Michael Bollenbacher