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Erst war die deutsche Turnmeisterschaft von Juni auf November verschoben worden - wegen Corona. Doch am Dienstag wurde die Deutsche Meisterschaft komplett abgesagt. Die Sportart kämpft in der Corona-Pandemie mit finanziellen Einbüßen und Nachwuchsproblemen.

Erst wurde Olympia verschoben, dann auch mehrfach die EM und jetzt fällt die Deutschen Meisterschaft komplett aus. Dass immer wieder Wettkämpfe abgesagt oder verschoben werden, sei schon anstrengend, sagt Elisabeth Seitz vom MTV Stuttgart. Trotzdem müsse man Verständnis für die Absage der Deutschen Meisterschaft haben. "Aktuell steht der Sport nicht im Vordergrund, sondern die Gesundheit der Menschen weltweit", sagt die WM-Dritte von 2018.

Zumindest trainieren kann Seitz noch. Als Spitzensportlerin hat sie eine Ausnahmegenehmigung. Schließlich stehen im kommenden Sommer die Olympischen Spiele in Tokio an. Die Konkurrenz kann Seitz allerdings ohne Wettkämpfe nur auf den sozialen Medien beobachten. "Manche posten mehr, manche weniger", sagt die 27-Jährige. "So kann man ein bisschen verfolgen, was andere machen und wie viel und ob sie trainieren können." Die meisten haben das gleiche Leid, hat Seitz beobachtet.

Finanzielle Einbußen für Profi-Turner*innen

Auch ihre Teamkollegin Kim Bui ist unglücklich darüber, dass sie aktuell an keinen Wettkämpfen teilnehmen kann. Sie findet aber die Absage vernünftig.

Dass im Gegensatz zum Turnen in der Fußball-Bundesliga die Spiele weiter stattfinden, spielt für Kim Bui keine Rolle. "Die Fußballer spielen in einer anderen Liga und von daher lohnt es sich nicht irgendwelche Gedanken daran zu verschwenden." Auch im finanzielle Sinne. Denn durch die Absage der Wettkämpfe hat Kim Bui in der Corona-Pandemie auch schon finanzielle Einbußen gehabt. "Da gibt es natürlich auch Prämiengelder und die fallen alle weg." Außerdem gebe es wenige Sponsorentermine, so Kim Bui.

Schwäbischer Turnerbund rechnet mit Mitgliederschwund

Der schwäbische Turnerbund erwartet auch eine eine schwere Zeit für die Sportart Turnen. "Auch im Breitensport kommen wir mehr und mehr zu einem Punkt, wo wir mit zahlreichem Mitgliederschwund in den Vereinen zu rechnen haben, der uns strukturell erst zu einem späteren Zeitpunkt treffen wird", so Matthias Ranke, Vizepräsident des schwäbischen Turnerbunds. Auch die Nachwuchsarbeit leide dadurch, dass die Vereine weniger Neuanmeldungen haben, auch wenn es "nicht großartig mehr Kündigungen" gebe als in den vergangenen Jahren. "Wenn wir die Talente oder Jugendlichen nicht mehr haben", sagt Ranke, "werden wir irgendwann auch keinen Spitzensport mehr haben."

Seitz kann sich vorstellen, dass Olympia auch ausfällt

Die Spitzensportlerinnen Elisabeth Seitz und Kim Bui vom MTV Stuttgart hoffen, dass zumindest die Olympischen Spiele im kommenden Jahr stattfinden. Seitz sagt aber, dass alles passieren könne. "Ich kann es mir leider schon vorstellen, dass es die Möglichkeit gibt, dass Olympia abgesagt wird. Das wäre für mich natürlich ein herber Rückschlag." Schließlich wollte Seitz auch im "hohen Turneralter" nochmal zu den Olympischen Spielen. "Das ist ein großer Traum, den ich mir zum Glück schon zwei Mal ermöglichen konnte. Aber jetzt habe ich nochmal vier Jahre dafür gekämpft."

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