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Videobeweis | Meinung Es hätte so schön sein können...

Die Kritik am Videobeweis in der Fußball-Bundesliga nimmt nicht ab. SWR-Sportreporterin Julia Metzner meint: Man verschenkt eine große Chance. Ein Kommentar.


Es hätte so schön sein können. Der Fußball sollte gerechter werden. Objektiv gesehen das Beste, was passieren konnte. Hätte können. Eigentlich. Das waren in diesen ersten Sätzen schon viel zu viele Einschränkungen. Oder um es mit den Worten von Gladbachs Trainer Dieter Hecking zu sagen: "Wir tun alles dafür, dass der Videobeweis nicht kommt. Alle!"

Die Idee ist gut

Hätte man das absehen können? Jein. Denn noch einmal, die Idee ist gut, wird ja sogar immer noch von vielen Beteiligten unterstützt. Aber die Umsetzung lässt zu oft, zu viele ratlos zurück. Das große Problem: Die mangelnde Transparenz. Und dabei rede ich nicht nur davon, dass anders als mal angedacht, den Zuschauern im Stadion nicht das "Review-Bild" auf der Anzeigentafel gezeigt wird. Dass also anders als mal geplant, jeder weiß, worum es gerade geht. Ausgerechnet im Technikland Deutschland ging das zu Beginn gleich schief. Also hat man's gelassen. Und den Fan unwissend sitzen lassen.

Man, und da sind wir wohl im Kern dieses Problems mit der Transparenz: Man ist in diesem Fall der Deutsche Fußball-Bund. Mit der Glaubwürdigkeit im Land ist es seit der Aufdeckung des gekauften Sommermärchens 2006 sowieso nicht weit hin. Was hier und jetzt gerade passiert, sollte uns eigentlich nicht verwundern. Denn haben wir tatsächlich geglaubt, da kommt ein neuer DFB-Chef, da wird ein bisschen umstrukturiert und schwupps, der DFB erstrahlt in neuem Glanz? Ganz ehrlich, das ist ziemlich blauäugig.

Der Schiri-Zoff ist nicht neu

Hellmut Krug wurde als Projekt-Chef der Video-Assistenten abgesetzt.

Hellmut Krug wurde als Projekt-Chef der Video-Assistenten abgesetzt

Leider ist es genau diese Blauäugigkeit, die jetzt im Krach um den Videobeweis eine ziemlich große Rolle spielt. Denn der Zoff im deutschen Schiedsrichterwesen ist nicht neu. Seit Jahren wird hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen, dass die Entscheider ihre Lieblinge haben und nicht immer objektiv bewertet wird. Dass junge Schiedsrichter sich nicht trauen aufzumucken, aus Angst, sie hätten dann keine Chance mehr. Jetzt hat ja sogar mal einer Klartext geredet: Dumm nur, dass Manuel Gräfe dabei ausgerechnet mit Hellmut Krug auch den Mann attackiert, der in Sachen Videobeweis den Hut aufhat. Naja, hatte muss man ja seit gestern sagen.

Aber da darf man doch auch mal fragen, warum der DFB ausgerechnet in einem umstrittenen Projekt derart angreifbare Personen an die Spitze setzt? Dass jetzt auch noch der Vorwurf aufgetaucht ist, Krug habe als Supervisor den Videoassistenten beeinflusst, war eine so schöne Vorlage für den DFB, dass mit der Glaubwürdigkeit wieder etwas gerade zu rücken. Aber was machen die in Frankfurt? Setzen Krug nur ein bisschen ab. Chef Lutz Michael Fröhlich übernimmt.

Das Emotions-Argument

Ein Projekt, dem wir alle eigentlich keine Chance mehr geben. Weil immer noch Menschen mit unterschiedlichen Meinungen entscheiden. Weil wir aber nicht mehr wissen, wer eigentlich entscheidet. Und ja, es gab auch Fehlentscheidungen. von den Fußball-Romantikern kommt jetzt noch das Emotions-Argument. Ja, es gab Verzögerungen –aber mal Hand aufs Herz, bei wie vielen der bislang 264 erzielten Tore haben wir verzögert gejubelt? Genau, bei den wenigsten.

Ja, der Videobeweis hat noch viele Macken. Schade nur, dass bei aller Kritik das Wesentliche nicht mehr gesehen wird – der Videobeweis hätte den Fußball eigentlich gerechter machen können…

Von Julia Metzner