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VfB Stuttgart | Kommentar Es hätte schlimmer kommen können

Der VfB Stuttgart hat auf der Mitgliederversammlung mit Wolfgang Dietrich einen neuen Präsidenten gewählt. Die große Generalabrechnung blieb somit aus. Ein Kommentar von Thomas Wehrle.

Die nackten Fakten hören sich nicht gut an: Vorstand nicht entlastet, Aufsichtsrat nicht entlastet, Präsident Dietrich mit gerade mal 57,2 Prozent gewählt. Aber - es hätte durchaus noch schlimmer kommen können für den Erstliga-Absteiger. Viele - auch ich - hatten mit dem großen Gemetzel nach dem Abstieg gerechnet - einer Generalabrechnung, die weder der Aufsichtsrat noch der Kandidat, vielleicht nicht einmal der Verein überstanden hätte. Es ist nicht so gekommen - und das ist auch gut so!

Der VfB hat sich in den letzten Wochen und Monaten runderneuert. Selbst den umstrittenen Aufsichtsrat gab es in dieser Zusammensetzung gerade mal zwölf Monate. Kein Vorstandsmitglied ist länger als ein Jahr im Amt. Jetzt haben die Mitglieder entschieden, der neuen Führung eine Chance zu geben. Eine Chance auf Bewährung - aber immerhin eine Chance.

Kontinuität als Grundlage

Präsident Dietrich und Co. haben ab sofort die Gelegenheit, Ruhe, Verlässlichkeit und Kontinuität in den Verein zu bringen. Und das sind nicht nur für mich die Grundlagen für sportlichen Erfolg. Wolfgang Dietrich wurde gewählt, trotz aller Bedenken. Er wirkte weder im Wahlkampf noch bei der Mitgliederversammlung wie ein Präsident der Herzen. Er hat nicht begeistert, aber er hat immerhin eine eher knappe Mehrheit überzeugt.

Nun muss er sich an seinen Taten messen lassen. Genau wie der gesamte runderneuerte VfB. Es bleibt also spannend rund um den Wasen...

Schindelmeiser souverän

Die Gewinner der Präsidenten-Wahl: Sportvorstand Jan Schindelmeiser, die Mannschaft und Neu-Trainer Hannes Wolf. Das überzeugende 4:0 gegen Fürth hat überraschend große Euphorie bei den Fans ausgelöst. Hannes Wolf wurde bei seinem Auftritt bejubelt. Sportvorstand Jan Schindelmeiser sorgte - ruhig, souverän und dennoch mit Charme und Humor - immer wieder dafür, dass die Veranstaltung nicht eskalierte.

Der VfB hat formal den Umbau abgeschlossen. Die neue Führung hat eine faire Chance verdient. Und auch, wenn es der soundsovielte Neubeginn der letzten Krisenjahre ist, diesmal scheint es für mich wirklich ein Neustart und durchaus einer mit Perspektive. Deshalb war es nicht nur ein Sieg der Vernunft, sondern eventuell auch ein großer Tag für den VfB. Das allerdings wissen wir alle aber erst im Mai, wenn die Aufstiegsplätze vergeben werden.