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Turnen | Interview "Für meine Gesundheit macht es Sinn aufzuhören"

Fabian Hambüchen tritt am Samstag beim Bundesligafinale der Turner ein letztes Mal auf der nationalen Bühne auf. SWR-Reporter Holger Kühner hat mit ihm über seinen Rücktritt gesprochen.

Fabian Hambüchen läuft am Samstag zum letzten Mal in der Turn-Bundesliga auf

Fabian Hambüchen läuft am Samstag zum letzten Mal in der Turn-Bundesliga auf

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Beim Bundesligafinale werden Sie ihren letzten Wettkampf turnen. Warum diese Entscheidung?

Ich bin ja letztes Jahr von der internationalen Turnbühne zurückgetreten, da war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann ich auch national abtrete. Ich bin zwar nach der Schulter OP, nach der Reha wieder auf einem superhohen Niveau, obwohl ich weniger trainiere und das sicherlich auch mit ein bisschen weniger Disziplin. Das könnte auf Dauer wahrscheinlich für meine Gesundheit gefährlich werden. Wenn ich nicht voll trainiere, nicht wieder zu 100 Prozent auf alles verzichte, ist mein Körper eigentlich nicht bereit für solche Höchstleistungen und so hohe Belastungen. Ich habe zwar einen Riesenspaß in der Turnhalle – deshalb fällt mir diese Entscheidung auch nicht leicht – für meine Zukunft und meine Gesundheit macht es für mich aber am meisten Sinn, nach dem Bundesligafinale den Absprung zu schaffen. 

Liegt es nicht auch, an den eigenen Ansprüchen, im Wettkampf nicht mit einfacheren Übungen anzutreten?

Wenn ich am Reck bin kann ich keine erleichterten Übungen turnen. Wenn ich am Reck bin dann will ich alles geben, dann gehe ich an meine Grenzen. Ich habe im Training gerade eine Übung geturnt, die ist schwieriger, als die aus Rio bei den Olympischen Spielen. Das ist der Wahnsinn. Das kommt aber vielmehr durch die Lust aufs Turnen. Durch den nicht vorhanden Druck wurde, glaube ich, nochmal einiges in mir freigesetzt, was für so eine Spitzenleistung nochmal gereicht hat. Auf dem Niveau weiterzuturnen würde wieder ein komplett anderes Leben mit sich bringen. Ich habe jetzt den Schwerpunkt auf meinem Studium liegen, habe angefangen ein Haus zu bauen, halte Vorträge, also ich habe so viele Projekte, dass das so mit dem Turnen auf Dauer nicht funktionieren kann.

Wenn der Wettkampf in Ludwigsburg vorbei ist, nach der letzten Übung, wenn Du da stehst und weißt, jetzt ist es vorbei, hast Du eine Vorstellung, was dann mit Dir passiert?

Ich probiere, mir keine Gedanken darüber zu machen. Im Wettkampf bin ich voll im Tunnel und werde versuchen, keine Emotionen zuzulassen und nicht daran zu denken, dass das mein letzter Wettkampf, meine letzte Reckübung ist. Wir wollen das kleine Finale gewinnen, dritter werden. Ich habe keine Vorstellung davon, was mit mir passieren wird. Falls sie mir das Mikrofon geben wüsste ich  auf Anhieb gar nicht, was ich sagen soll. Es wird auf jeden Fall eine höchstemotionale Geschichte werden.

Was erwartet uns am Reck?

In der Bundesliga muss man auch taktisch reagieren. Ich bin auf alles vorbereitet. Wenn es heißt volles Risiko, dann werde ich das Maximum turnen. Da kommen fünf Flugteile rein, vier Flugteile sind kombiniert in zwei Doppelpacks. Das wird eine höchst spektakuläre Übung, es geht direkt los mit den Flugteilen. Ich freu' mich einfach darauf, das wird eine riesen Show.

Turner sagen, eine Woche ohne Riesenfelge am Reck ist eine verlorene Woche. Wie wirst Du dich fit halten?

Aus der Turnhalle werde ich nicht verschwinden, werde aber nicht mehr jeden zweiten Tag in die Halle gehen. Ich werde viel über Fitness machen, im Kraftraum. Dann habe ich an der Sporthochschule noch einen Fußballkurs, da zocken wir die ganze Zeit noch draußen, auch bei dem Wetter. Da bin ich viel am Rennen und habe meine Cardio-Einheit. Aber ich werde dranbleiben. Ich möchte grundsätzlich auch die Figur nicht verlieren und muss total aufpassen. Die Gelenke, Sehen und Bänder, die ganzen Strukturen sind nach so vielen Jahren Leistungssport natürlich ein bisschen gehandicapt. Da muss man sehen, dass das muskulär weiterhin gestützt wird, deshalb werde ich weiterhin immer mal wieder in der Turnhalle aufschlagen.

Ist ein Comeback bei der Turn-WM 2019 damit  ausgeschlossen?

Jetzt den Schritt zu machen, auch die nationale Kariere zu beenden ist ein klares Zeichen, dass ich nicht mit einem Comeback rechne. Dann müsste ich schauen mich 2018 noch über die Liga fit zu halten, um dann nochmal aus einer gescheiten Ausgangssituation nochmal durchstarten zu können. Ich habe mich entschieden, den kompletten Cut zu machen. Keine Wettkämpfe, reduziertes Turntraining und deswegen sehe ich kein Comeback 2019, aber keiner von uns kann so weit in die Zukunft schauen. Man weiß nie was kommt.

Das Interview führte Holger Kühner

Programm-Tipp

Olympia-Sieger Fabian Hambüchen ist am Sonntag, ab 22:05 Uhr zu Gast bei Sport im Dritten im SWR Fernsehen BW.