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Turnen | EM in Bern Kim Bui peilt Olympia an

Auch nach ihrem zweiten Kreuzbandriss hat sich die neunmalige Turn-Meisterin Kim Bui wieder herangekämpft. Nun besitzt die gebürtige Tübingerin gute Karten auf einen Olympia-Start.

Die Turnerin Kim Bui hat bei bei der Turn-EM 2014 in Stuttgart den dritten platz am Stufenbarren geholt. Nun will Bui auch zu den Olympischen Spielen nach Rio de Janeiro.

Kim Bui bei der Turn-EM in Stuttgart

Halbe Sachen mag Kim Bui gar nicht. "Wenn ich Vollgas gebe, dann heißt das bei mir wirklich Vollgas", meint die zierliche Turnerin, die jetzt in Stuttgart lebt. So mussten sie Ärzte und Trainer manchmal bremsen, als sie nach ihrem zweiten Kreuzbandriss im Mai 2015 zu schnell wieder zu viel wollte. In Bern gilt sie am Wochenende bei den Europameisterschaften als große deutsche Hoffnung und zählt am Stufenbarren zu den Mitfavoritinnen.

Da Pauline Schäfer, Sophie Scheder und Elisabeth Seitz eine Pause erhalten, um für den olympischen Auftritt schwierigere Elemente einzubauen, führt die 28 Jahre alte Kim Bui in Bern eine hoch ambitionierte "Krabbelgruppe" an: Sarah Voss (Köln), Maike Enderle (Weingarten), Amelie Föllinger (Hassloch) und Lina Philipp (Hannover) turnen im ersten Jahr bei den Seniorinnen; alle werden im laufe dieses Jahres gerade mal 16 Jahre alt.

Kim Bui kämpft "wie ein Tier"

"Es war eine Entscheidung der Vernunft. Klar, ein paar 'Big Points' fehlen - aber ich bin überhaupt nicht traurig", begründete Cheftrainerin Ulla Koch ihre Entscheidung. "Und ich freue mich auf das Comeback von Kimmi, sie bietet sich sehr stark an. Ich habe Riesen-Respekt: Sie kämpft 'wie ein Tier'."

Kim Bui, mit 1,55 Metern die kleinste der deutschen Turnerinnen, gibt heute zu, wie schwer sie die Verletzung vor einem Jahr getroffen hatte: "Es war ein Schlag, den man erst mal verarbeiten muss". Da zunächst auch noch ein gleichzeitig erlittener Innenbandriss verheilen musste, erfolgte die Operation erst sechs Wochen später. "Bis dahin habe ich mich nirgendwo mehr blicken lassen", sagt Bui.

Kim Bui will ins olympische Finale

"Dann wachst Du auf nach der OP, alles schmerzt. Und trotzdem habe ich vom ersten Tag an Vollgas gegeben. Die Zeit war knapp. Ich will doch zu Olympia." Gerade mit Olympia hat die aus Tübingen stammende Tochter einer Vietnamesin und eines Laoten schon ganz bittere Erfahrungen gemacht. Als sich die deutschen Frauen 2008 in Peking erstmals seit der Vereinigung für die Spiele qualifizierten, musste sie als Ersatzturnerin daheim bleiben. Vor vier Jahren war sie in London dann aber dabei. Und nun soll mit der wohl stärksten deutschen Riege der vergangenen 25 Jahre in Rio de Janeiro erstmals das olympische Team-Finale erreicht werden.

Doch der Kampf um die Olympia-Tickets ist noch lange nicht entschieden. Ulla Koch hat im Gegensatz zu ihrem Männer-Kollegen Andreas Hirsch mehr denn je die Qual der Wahl und hofft, dass sich in Bern noch weitere Youngster auf hohem Level anbieten.

WM in Glasgow als glücklicher Rückschlag

Insgesamt 15 Kandidatinnen wird Koch nach der EM zum Lehrgang in Frankfurt/Main zusammenführen. "Bei aller Konkurrenz: Der Teamgeist ist großartig", schildert die Chefin zufrieden und erzählt von gemeinsamen Theaterbesuchen oder lustigen Video-Clippings der Truppe.

Und sie erinnert daran, dass bei der WM in Glasgow gerade der mangelnde Teamgeist das direkte Olympia-Ticket verhinderte. "Vielleicht herrschte da im Hinterkopf der Gedanke vor, erstmal für sich selbst das Ticket zu buchen", grübelte Ulla Koch. "Manchmal bin ich heute froh, dass wir es in Glasgow nicht geschafft haben", sagt sie heute. Erst damit sei ein Ruck durch die Truppe gegangen.