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Teamcheck | TSG Hoffenheim Hoffenheim - Last oder Leichtigkeit?

Von Abstiegspanik zu Europaambitionen - Julian Nagelsmann hat Hoffenheim wiederbelebt. Die Hinrunde beendete seine Mannschaft ungeschlagen und hat jetzt die Champions League im Visier.

Jubel Hoffenheim

Angeführt von Sandro Wagner spielte 1899 Hoffenheim die komplette Hinrunde oben mit

So lief es bis zur Winterpause

Die Mannschaft von Julian Nagelsmann hat bis zur Winterpause kein einziges Spiel verloren. Nach einem Saisonstart mit vier Unentschieden wurde das Team immer stärker und vor allem selbstbewusster. Sogar bei den großen Bayern konnte die TSG beim 1:1 einen Punkt mitnehmen. Mit zehn Unentschieden aus den ersten 16 Spielen ist Hoffenheim in dieser Kategorie ganz vorne. Die Umstellung auf eine Dreierkette in der Abwehr zeigte sich als goldener Griff.

Kevin Vogt, der ab dem 4. Spieltag gesetzt war, glänzte als neuer Abwehrchef. Die namhaften Neuzugänge (Vogt, Hübner, Demirbay, Wagner, Rupp) schlugen allesamt ein. Nagelsmann setzte auf deutschsprachige Spieler, die auch entsprechende Charakter-Eigenschaften mitbringen. Der Teamgeist ist groß, die Zeit von schwierigen Star-Spielern (Carlos Eduardo, Luiz Gustavo) ist passé.

Hoffenheim gegen Mainz

Am 2. Spieltag gab Hoffenheim trotz eines 0:3- und eines 1:4-Rückstands gegen Mainz nicht auf

Das 4:4 in Mainz am 2. Spieltag gehört zweifelsohne zu den spektakulärsten Spielen der Hinrunde. Das Team von Nagelsmann gab trotz 0:3- und 1:4-Rückstand nicht auf und konnte das Spiel noch ausgleichen. Der erste Saisonsieg (2:1 gegen Schalke) am 5. Spieltag war sicher ein Schlüsselerlebnis. Danach gelangen dem Team aus dem Kraichgau fünf Siege in Serie, unter anderem das beeindruckende 3:0 in Leverkusen.

Wer kommt, wer geht

Der Koreaner Jin-Su Kim verlässt den Verein und wechselt zurück in seine Heimat (Jeonbuk). Hoffenheim kassiert für den linken Außenverteidiger eine Ablöse, die bei rund 1,5 Millionen Euro liegen soll. Kim war in den Spielen bis zur Winterpause ohne Einsatz geblieben. Im Gegenzug wird Danilo Soares aus der 2. Mannschaft hochgezogen. Soares war bis 2016 beim FC Ingolstadt unter Vertrag (1 Bundesligaspiel) und auf Grund einer Verletzung (Zeh) bis Ende November vereinslos. Inzwischen kann er wieder trainieren und sich Hoffnungen auf seine ersten Einsätze für die Profis machen.

Den bisher glücklosen Eduardo Vargas (5 Einsätze) versucht Hoffenheim noch loszuwerden. Angeblich versucht der Verein ihn in China für eine entsprechende Ablöse loszuschlagen. Gerüchte gab es auch um Stürmer Mark Uth, für den sich die englischen Spitzenvereine Tottenham und Chelsea interessieren sollen. Julian Nagelsmann gab möglichen Interessenten eine klare Absage. Bereits fest stehen zwei Wechsel im Sommer: Sebastian Rudy und Niklas Süle spielen in der nächsten Saison für den FC Bayern München.

Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann lächelt auf der Trainerbank

Seit Februar 2016 Profitrainer: Julian Nagelsmann

Trainer

Julian Nagelsmann ist der jüngste Trainer (29 Jahre) der Fußball-Bundesliga und sorgt seit Anfang letzten Jahres für Furore. Er tritt selbstbewusst auf, glänzt mit taktischer Vielfalt und dem richtigen Händchen bei der Verpflichtung neuer Spieler. Nach drei Spielen mit Viererkette zu Saisonbeginn stellte er um und ließ sein Team mit defensiver Dreierkette auflaufen.

Kevin Vogt machte er vom defensiven Mittelfeldspieler zum Abwehrchef, sein Luxusproblem im Angriff löste er auf einfache Art und Weise und ließ gleich drei Stürmer spielen. Nagelsmann schafft es die Stimmung im Kader aufrecht zu erhalten, auch mit erfahrenen Spielern (Polanski, Schwegler), die weniger Einsatzzeit bekommen. Der Wunderknabe an der Seitenlinie ist längst über die deutschen Grenzen hinaus bekannt.

Internationale Medien (CNN, Daily Mail) haben sich in der Hinrunde auf den Weg nach Sinsheim gemacht, um über ihn zu berichten. Typisch Nagelsmann: Das Trainingslager seiner Mannschaft fand nicht in Portugal oder Spanien statt, sondern auf dem heimischen Trainingsgelände. Nagelsmann fürchtet Nachteile durch die klimatische Umstellung und entschied sich für diese seltene Variante.

Kevin Vogt

Neuzugang Kevin Vogt soll auch in der Rückrunde als Abwehrchef glänzen

Ausblick / Ziel für die Rückrunde

Die Erwartungshaltung rund um Hoffenheim ist gestiegen. Mit Zielen in der Kategorie "Klassenerhalt" wird sich keiner mehr zufrieden geben. Mäzen Dietmar Hopp spricht als Ziel vom "ersten Tabellendrittel", was einen Startplatz im europäischen Geschäft ergeben würde. Julian Nagelsmann besteht darauf, dass sein Saisonziel intern bleibt und erst am Saisonende darüber gesprochen wird.

Wer den ehrgeizigen Trainer kennt, weiß aber, dass er sich in der Rückrunde sicher nicht verschlechtern möchte und mit seinem Team einen Platz in den Top 6 anpeilt. Die Unruhe um den möglichen Abgang von Rudy und Süle sollte schnell beruhigt werden, um sich komplett auf die sportliche Situation zu konzentrieren. Mit Ermin Bicakcic, der zuletzt öffentlich seine Rolle als Ersatzmann monierte, droht eine weitere Baustelle. Sollte es Nagelsmann und seinem Team gelingen, den Teamgeist der Hinrunde zu bewahren, dürfte für Hoffenheim ein Platz zwischen vier und sechs realistisch sein.