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Teamcheck | SC Freiburg Der Kampf gegen die Auswärtsschwäche

Der SC Freiburg startete erst schlecht in die Saison, um zum Ende der Hinrunde mächtig aufzudrehen. Bekommt die Mannschaft von Christian Streich ihre Auswärtsschwäche in den Griff, hat sie gute Chancen auf den Klassenerhalt.

Das Zentralgestirn: Nils Petersen (2. v. r.) war mit sechs Toren aus den letzten drei Ligaspielen maßgeblich am Freiburger Aufschwung beteiligt.

Das Zentralgestirn: Nils Petersen (2. v. r.) war mit sechs Toren aus den letzten drei Ligaspielen maßgeblich am Freiburger Aufschwung beteiligt.

So lief die Hinrunde

Dank eines enormen Schlussspurts mit elf Punkten aus den letzten fünf Bundesliga-Spielen konnte der SC Freiburg die Abstiegsränge hinter sich lassen. Zwar hinterließ die unglückliche 2:3-Niederlage im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Werder Bremen zum Jahresabschluss einen faden Beigeschmack, letztlich lässt sich das Ausscheiden aber mit Blick auf die Tabelle (Platz 13, vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz) verschmerzen.

Überragender Akteur und Zentralgestirn des Freiburger Aufschwungs zuletzt: Nils Petersen. Nachdem Freiburg mit dem Saison-Aus des zuvor gesetzten Florian Niederlechner (Bruch der Kniescheibe) Anfang November einen Schock zu verarbeiten hatte, zeigte der 29-Jährige, dass er nicht nur als Joker glänzen kann: sechs Tore in den letzten drei Ligaspielen - darunter ein Dreierpack beim verrückten 4:3 nach 0:3 gegen den 1. FC Köln - sprechen eine deutliche Sprache.

Sorge macht hingegen die Auswärtsbilanz: 25 Gegentore sind mit Abstand der negative Spitzenwert der Liga. Trainer Streich monierte im Trainingslager im spanischen Sotogrande vor allem die individuellen Schnitzer aus einer eigentlich geordneten Defensive. Die Heimbilanz ist hingegen stark: drei Siege, fünf Unentschieden, nur eine Niederlage (gegen Schalke 04).

Aufgeblüht zum Ende der Hinrunde sind unter anderem Verteidiger Robin Koch sowie Mittelfeldspieler Yoric Ravet, der sich in Spanien allerdings eine Achillessehnenreizung zuzog und zum Rückrundenauftakt gegen Eintracht Frankfurt auszufallen droht.

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In der Winterpause ist der SC Freiburg im Trainingslager in Sotogrande, doch die Zeit steht ihnen im Nacken.

Wer kommt, wer geht

Der größte Riss im Freiburger Kadergebilde wurde schon vor Jahresschluss gekittet: Lucas Höler kam vom SV Sandhausen aus der zweiten Liga und soll den langen Ausfall von Angreifer Niederlechner kompensieren. Sieben Tore in 16 Spielen der Zweitliga-Hinrunde waren ein Empfehlungsschreiben für den Sportclub, der Höler schon länger im Visier hatte. Nun muss er nach einer gewissen Anlaufzeit beweisen, dass er auch im Oberhaus abliefern kann. "Das ist ein junger Kerl, der sich seinen Traum verwirklichen will. Er ist läuferisch stark, kann Fußball spielen und kann sich noch verbessern. Ein klarer Kerle, der super zu uns passt", sagt Trainer Streich über den 23-Jährigen.

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Lucas Höler wechselte in diesem Winter vom SV Sandhausen zum SC Freiburg. Im Trainingslager sprach der Stürmer über seine ersten Tage im neuen Team und seinen neuen Offensiv-Kollegen Nils Petersen.

Als "Quasi-Neuzugänge" kann man Manuel Gulde (fehlte ein halbes Jahr mit Rückenproblemen) und Marc-Oliver Kempf (nur vier Spiele wegen Muskelfaserriss) bezeichnen, die wieder voll belastbar sind und die Auswahl in der recht jungen Abwehr vergrößern.

Gescheitert ist der Versuch mit Offensivtalent Ryan Kent, der vom FC Liverpool ursprünglich für eine Saison in den Breisgau ausgeliehen werden sollte. Der Linksaußen ist jedoch in der Winterpause vorzeitig auf die Insel zurückgekehrt. Kent brachte es nur auf sechs Kurzeinsätze und zeigte technisch ansprechende Ansätze, gerade im taktischen Bereich offenbarte der 21-Jährige jedoch einige Mängel. Onur Bulut (möchte sich verändern; Angebote aus der zweiten Liga), Aleksandar Ignjovski und Georg Niedermeier könnten sich im Januar noch einem neuen Klub anschließen. Zudem ist es kein Geheimnis, dass auf der Linksverteidiger-Position und auf der linken offensiven Seite noch frisches Personal kommen könnte.

Der Trainer

Christian Streich ist inzwischen ein Urgestein - nicht nur im Breisgau, sondern auch in der Liga: Am 29. Dezember feierte Streich sein sechsjähriges Dienstjubiläum, damit ist der 52-Jährige mit Abstand der dienstälteste Trainer der Liga. Ein passenderen Trainer als Streich müsste man sich im Breisgau wohl erst noch schnitzen. Streich und Freiburg - das passt. Unter dem Kultcoach bleibt sich der Klub seiner Philosophie weiterhin treu: Mit Mohamed Dräger wurde wieder einmal ein langjähriger Freiburger Nachwuchsspieler aus der zweiten Mannschaft mit Start des Trainingslagers in den Profikader hochgezogen. Damit führt Freiburg in der Hinrunde die inoffizielle "kicker"-Rangliste der sogenannten "Local Player" an (Spieler, die beim jeweiligen Verein ausgebildet wurden und bei diesem aktuell noch spielen). Unmut äußerte Christian Streich in Sotogrande über den eng getakteten Spielplan und die kurze Winterpause: eine zu kurze Regeneration und mangelnde Kreativität seien die Folge.


Erwartungen an die Rückrunde

Besserung wird vor allem in der Auswärtsbilanz erwartet. Vor allem muss der SCF die Flut an Gegentoren stoppen, um nicht wieder ins Souterrain der Tabelle zu rutschen. Weniger individuelle Fehler, ein verbessertes Zweikampfverhalten in der Defensive sind die Grundsteine für eine erfolgreiche Rückrunde.

Coach Streich ist "nicht pessimistisch", was das Ziel Klassenerhalt anbelangt, gleichzeitig aber betont er: "Es wird uns alles abverlangen, aber wir können es aus eigener Kraft schaffen und das gibt uns zutrauen." Es werde, so Streich, ein "wahnsinniger Kampf". Gegen die kampfstarke Truppe aus Frankfurt können die Freiburger am Samstag gleich mal beweisen, dass sie diesen annehmen. Auch auswärts.