Sportvereine hoffen auf Lockerung - Kinder trainieren im Freien (Foto: imago images, HMBxMedia/xHeikoxBecker)

Breitensport | Corona

Corona-Sportverbot: Vereine in Rheinland-Pfalz hoffen auf Lockerungen

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Bei der Bund-Länder-Schalte am Mittwochnachmittag soll laut Medienberichten auch über mögliche Öffnungsschritte im Amateursport beraten werden. Wie wichtig erste Lockerungen aus Sicht der Sportvereine wären, zeigen Beispiele aus Ahrweiler, Lahnstein und Koblenz.

Training in Kleingruppen, mit Abstand und im Freien - das wäre nach Angaben des Landessportbundes Rheinland-Pfalz (LSB) einer der ersten Schritte des Stufenplans für Lockerungen im Breitensport. Ein entsprechender Beschlussentwurf der Sportminister liege der Bund-Länder-Runde in Berlin vor.

Vereine haben bis zu 15 Prozent ihrer Mitglieder verloren

Erste Lockerungen seien jetzt nach vier Monaten das richtige Signal, sagt der kommisarische LSB-Geschäfsführer Christof Palm. Denn vor allem größeren Vereinen habe das Sportverbot der vergangenen Monate zugesetzt. Sie hätten häufig mit einem Rückgang der Mitglieder zu kämpfen.

Der TuS Ahrweiler beispielsweise - einer der größten Breitensportvereine des Landes - hat nach eigenen Angaben 15 Prozent seiner Mitglieder verloren. Zwar sei die Zahl der Austritte nicht viel höher als in einem normalen Jahr, sagt Vorstand Arne Heuser. Da es aber seit Monaten so gut wie keine Neuanmeldungen gebe, seien die Verluste deutlich zu spüren.

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Größere Vereine werden wesentlich stärker als Dienstleister wahrgenommen.

Insbesondere die Vereine mit einem vielfältigen Kurs- und Fitnessangebot habe die Pandemie hart getroffen, sagt LSB-Geschäftsführer Palm: "Häufig ist es so, dass gerade größere Vereine wesentlich stärker als Dienstleister wahrgenommen werden und weniger als Ort der Gemeinschaft, wie es ja bei kleineren Vereinen oft der Fall ist. Dienstleistung kauft man sich ein, wenn sie zur Verfügung gestellt wird. Man tritt aber genauso schnell wieder aus einem Verein aus, wenn die Angebote nicht stattfinden."

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Online-Kurse beim werden beim TSV Koblenz-Lay gut angenommen

Beim TSV Koblenz-Lay halten fast alle Mitglieder ihrem Sportverein im Ort die Treue, auch weil der TSV jeden Tag kostenlose Online-Kurse anbietet, sagt Vorstand Klaus Schneider. "Wir haben uns mittlerweile schon die dritte Zoom-Lizenz zugelegt und bieten zum Beispiel Karate-Kurse, machen Gymnastik und Kinderturnen." Das Online-Angebot werden sehr gut angenommen, sagt Schneider: "Und ich glaube schon, dass wir davon auch künftig etwas als zusätzliches Angebot im Verein beibehalten."

"Der Corona-bedingte Wegfall der Sportstunden fördert die Vereinsamung."

Dennoch würden vor allem ältere Vereinsmitglieder sehr unter dem Sportverbot leiden, sagt Schneider: "Je höher das Durchschnittsalter einer Gruppe ist, umso mehr spielt das Gesellige und das soziale Miteinander eine Rolle. Es kommt bei Senioren natürlich auch vor, dass der Partner verstorben ist. Für sie haben die Gruppenevents im Sportverein einen ganz anderen Stellenwert als bei Jüngeren." Der Corona-bedingte Wegfall der Sportstunden fördere die Vereinsamung, sagt Schneider.

Negative Folgen für die Nachwuchsarbeit befürchtet

Der Vereinsvorstand macht sich aber auch Sorgen um die Nachwuchsarbeit beim TSV Lay. Es könne gut möglich sein, dass nach der Pandemie weniger Jugendliche zurückkommen, befürchtet Schneider. "Jeder weiß, wie schwer es ist nach längere Abstinenz wieder mit dem Sport zu beginnen. Ich hoffe wirklich, dass nicht zu viele Gefallen am Nichtstun gefunden haben."

Vor allem für die Mannschaftsportler sei die letzte Zeit besonders schwierig gewesen, sagt auch Annerose Thörmer, die Vorsitzende der Turngemeinde Oberlahnstein. "Die Handballer haben bei uns sehr gelitten. Sie konnten im vergangenen Herbst gerade wieder in die Halle, dann mussten sie auch schon wieder abrupt aufhören. Und das sind gerade die Jugendlichen, die es da hart getroffen hat."

TG Oberlahnstein sehnt sich nach Neustart

Bei der TG Oberlahnstein sehnten sich alle nach einem baldigen Neustart, sagt Thörmer. Sorgen, dass sich das Virus beim Training schnell ausbreiten könnte, macht sich die Vorsitzende nicht. "Ich sehe den Vereinssport nicht als Pandemie-Treiber. Wir halten uns an die Auflagen, sind gut geschult und achten auf alle Hygieneregeln."

Die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr zeigten außerdem, dass die Corona-Regeln auch beim Kinder- und Jugendtraining gut eingehalten werden könnten, sagt Thörmer. "Je eher wie loslegen können, desto besser. Unsere Aufgabe ist es ja auch die Menschen gesund zu halten - und die soziale und psychische Gesundheit gehört auch mit dazu. Das trifft auf die Senioren genauso zu wie auf Jugendliche und Kinder. Wir können es kaum abwarten, dass es wieder los geht."

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