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Der Amateursport liegt in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz aktuell weitestgehend auf Eis. Die Schulen bieten aber noch Sportunterricht an. Doch wie sieht der aus?

Mannschafts- und Kontaktsportarten sind seit Anfang November in Rheinland-Pfalz verboten. Auch in den Schulsporthallen der weiterführenden Schulen wird kein Sport mehr getrieben. Der Sport als Schulfach wird nur noch mit Abstand im Freien oder als Theorie im Klassenraum unterrichtet. Auch in Grundschulen soll der Sportunterricht vorzugsweise im Freien stattfinden, so ein Sprecher des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums. Grundsätzlich könne aber in den Grundschulen auch weiter Sport in Hallen stattfinden, falls die Hallen dafür geeignet sind.

Baden-Württemberg: Schulsport als Ausnahme

Auch in Baden-Württemberg sind seit Anfang November die Sportanlagen und Schwimmbäder wieder geschlossen. In der sechsten Corona-Verordnung der baden-württembergischen Landesregierung gibt es nur wenige Ausnahmen - neben Menschen aus dem gleichen Haushalt, Profisportlern und Studierenden auch für Schüler. Denn im Schulsport darf in Baden-Württemberg auch in der Turnhalle weiter ohne Maske Sport getrieben werden. Um mögliche Infektionsketten nachzuvollziehen, sei es aber wichtig, dass die Klassen im Sport nicht durchmischt werden, so das Kultusministerium. Außerdem seien sportliche Betätigungen ausgeschlossen, für die ein unmittelbarer Körperkontakt erforderlich ist.

"Es ist schwierig, allen gerecht zu werden."

Michael Gomolzig, Stellvertretender Landesvorsitzender Verband Bildung und Erziehung Baden-Württemberg

Diese Regeln seien aber schwierig, in der Schule umzusetzen, sagt Michael Gomolzig vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Baden-Württemberg. "Es ist zurzeit schwierig, allen gerecht zu werden", sagt der stellvertretende Landesvorsitzende des VBE. "Bei Sportspielen gibt es zu viele Aerosole und wenn man nur Theorie macht, heißt es, man braucht mehr Bewegung." Viele Sportlehrer würden aber Ballspiele vermehrt im Freien unterrichten, so Gomolzig. "Natürlich muss man Abstände halten. Aber wenn ich beim Handball den Ball abwehren will, muss ich Körperkontakt haben. Das ist ein Widerspruch an sich."

Landesschülerbeirat: Erhöhtes Infektionsrisiko im Schulsport

Es sei aber nun mal wichtig, dass sich die Schüler bewegen können. Für die Lehrer ist es aber eine Herausforderung die Hygieneregeln in den Sportunterricht zu integrieren: "Es ist die Kunst des Sportlehrers, die Stunden so zu machen, dass die Eltern nicht auf der Matte stehen und die Hygieneregeln einigermaßen eingehalten werden, aber nicht nur Sportregeln erklärt werden", sagt Gomolzig. Mit dieser Situation würden Lehrer unterschiedlich umgehen. "Es gibt Lehrer, die sehr gelassen reagieren und das beste daraus machen", so der Deutsch- und Kunst-Lehrer. Es gebe aber auch Lehrer, die Angst vor dem Virus haben und deshalb eher zurückhaltend sind. "Wenn man Angst hat, kann man nicht gut unterrichten."

Der Landesschülerbeirat Baden-Württemberg sieht im Sportunterricht ein erhöhtes Infektionsrisiko. Denn beim Sport können die Abstände nicht eingehalten werden, so David Jung, Vorsitzender des Landesschülerbeirats. Das beunruhige die Mehrzahl der baden-württembergischen Schülerinnen und Schüler. Jung hält zwar Sportarten mit großem Abstand für unproblematisch, aber das Sporttreiben im Freien werde bei kälter werdenden Temperaturen immer schwieriger. Bleiben im Winter nur die Sporthallen und die könnten oft nicht ausreichend belüftet werden, so Jung.

Landeselternbeirat: "Der Sportunterricht ist das kleinste Problem"

Michael Mattig-Gerlach vom Landeselternbeirat Baden-Württemberg ist ähnlicher Meinung: "Die meisten Hallen und Klassenräume sind veraltet. An einigen Schulen oder in einigen Hallen dürfte gar kein Unterricht stattfinden, weil sich gar nicht alle Corona-Regeln einhalten lassen." Aus seiner Sicht sei der Sommer nicht genutzt worden, um sich auf die kalte Jahreszeit vorzubereiten.

Trotzdem sieht Mattig-Gerlach den Sportunterricht nicht als Infektionstreiber an: "Die Hallen sind meistens groß genug, um die Abstände einzuhalten." Außerdem könne man sich durch das Öffnen von Türen und Fenstern in Sporthallen an die Hygieneregeln halten. "Der Sportunterricht ist daher das kleinste Problem", sagt Mattig-Gerlach. Die Kinder haben Bewegungsdrang und der dürfe ihnen auch nicht genommen werden: „Mein größter Wunsch ist, dass der Sportunterricht weiter stattfinden kann", sagt das Mitglied des Landeselternbeirats Baden-Württemberg.

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