STAND
AUTOR/IN

Der Special-Olympionike Michael Lofink ist ein Positivbeispiel für die Verarbeitung von Schicksalsschlägen. Trotz Nervenerkrankung seiner Augen holt er bei den Special Olympics Doppel-Gold - mit einer außergewöhnlich fairen Geste.

"Mensch Kerle, was treibst du denn?", rief Michael Lofink beim kuriosen Moment kurz vor seinem größten Triumph seinem Kontrahenten zu. Als bei den Special Olympics auf der Formel-1-Rennstrecke von Abu Dhabi noch eine Runde auf dem Rad zu absolvieren war, hörte der bis dahin führende Mexikaner Alejandro Elias plötzlich auf.

Auch wenn der Mexikaner von den Worten des Mosbachers wohl nur Bahnhof verstand - die nonverbale Geste war unmissverständlich: Auf, eine Runde musst du noch! Letztlich hinderte Michael Lofink seinen Konkurrenten, das Rennen versehentlich zu früh zu beenden. Und am Ende gewann zwar der Deutsche Lofink über die 15-Kilometer-Strecke, der Mexikaner aber wurde Zweiter und bedankte sich später überschwänglich bei seinem "Helden". Eine faire und nicht selbstverständliche Geste.

Special-Olympics-Sieger Michael Lofink (Mitte) mit dem zweitplatzierten Mexikaner Alejandro Elias (rechts). (Foto: privat)
Special-Olympics-Sieger Michael Lofink (Mitte) mit dem zweitplatzierten Mexikaner Alejandro Elias (rechts). privat

Zweifacher Radweltmeister mit großem Herzen

Doch wer Michael Lofink kennt, der weiß, dass es für ihn selbstverständlich ist. "Wir sind alle gleich, es gibt keinen Unterschied" - sozusagen sein Lebensmotto. Schon früh musste er erfahren, dass das nicht für alle Menschen gilt. Aufgewachsen mit einer Nervenerkrankung der Augen, die sich ständig hin- und her bewegen, hatte er keine leichte Kindheit. Mit einem Jahr kam er weg von der eigenen Mutter, da diese ihn nicht versorgen konnte und wurde von Pflegeeltern übernommen.

Im Alter von zwölf Jahren kam er dann in ein Heim bei Tuttlingen, wurde dort gehänselt. Keine leichte Zeit. Zudem hatte der heute 40-Jährige Wachstumsstörungen: Zwischen dem zwölften und dem achtzehnten Lebensjahr hat er sich regelmäßig Wachstumshormone gespritzt, sonst wäre er heute wohl kleiner.

Bäcker mit Leidenschaft: 150 Kuchen in acht Tagen

Mit 16 Jahren wechselte Michael Lofink abermals den Wohnort: In Sinsheim machte er schließlich seine Ausbildung zum Bäcker und ab 2004 kam er in die Johannes-Diakonie in Mosbach, wo er heute noch arbeitet - und das sehr gerne. Seine Spezialität: Torten, Kuchen und Pizza. Zur Zeit müssen er und sein Team 150 Kuchen in acht Tagen zaubern.

Michael Lofink bestreicht den Boden einer Schwarzwälder Kirschtorte in der Backstube der Johannes-Diakonie Mosbach. (Foto: privat/Bollenbacher)
Michael Lofink bestreicht den Boden einer Schwarzwälder Kirschtorte in der Backstube der Johannes-Diakonie Mosbach. privat/Bollenbacher

"Hätte ich diesen steinigen Weg nicht gehabt, ich wüsste nicht wo ich heute stehen würde", sagt Michael Lofink über seine Jugend. "Und ich hätte wohl nicht das Selbstvertrauen und die Stärke, wie ich sie heute habe."

Athletensprecher für Special Olympics in Baden-Württemberg

Er kämpfte für seinen Traum und die Leidenschaft Radfahren: 160 und 180 Kilometer täglich sind für Lofink kein Problem. Engagement zeigt er auch neben der Straße: Im Sommer 2020 wurde er zu einem Gesicht der Landes-Sommerspiele 2021 in Mannheim von Special Olympics Baden-Württemberg gewählt. Neben Special-Olympics-Athletin Jennifer Kurz (Schwimmen) und dem Profi-Handballer Patrick Groetzki.

Zudem ist Michael Lofink Athletensprecher für Special Olympics in Baden-Württemberg. Auch hier gibt der Mosbacher alles.

Michael Lofink auf seinem Weltmeisterrad. Auf dem hat er 2019 in Abu Dhabi zwei Goldmedaillen geholt. (Foto: privat/Bollenbacher)
Michael Lofink auf seinem Weltmeisterrad. Auf dem hat er 2019 in Abu Dhabi zwei Goldmedaillen geholt. privat/Bollenbacher

Bei den Special Olympics im letzten Jahr gewann Michael Lofink nach dem 15-Kilometer-Rennen auch auf der 10-Kilometer-Strecke. "Mensch Kerle, was treibst du denn (alles)?" - diese Frage könnte man auch Michael Lofink selbst stellen: Aus Respekt vor seiner Leistung, seinen Engagements und vor allem der fairen Geste von Abu Dhabi.

Sporthelden | Voting Franziska Weidner ist die Sportheldin 2020 in Baden-Württemberg

SWR Sport stellt Sportlerinnen und Sportler in Baden-Württemberg vor, die im Jahr 2020 herausragende Leistungen oder Engagements erbracht haben. Es geht dabei nicht in erster Linie um Titel, Triumphe, WM-Teilnahmen, Medaillen oder Rekorde.  mehr...

STAND
AUTOR/IN