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Sporthelden 2017 | Tennis Der 90-Jährige, der zum Schläger griff und spielte

Hans Löschmann hat Lust auf Tennis. Vor 60 Jahren hat er damit angefangen. Und wann immer er den Drang verspürt, greift er zum Schläger und spielt ein paar Bälle. Immer noch - mit 90 Jahren.

Hans Löschmann ist Württembergs ältester Tennis-Crack

Hans Löschmann ist Württembergs ältester Tennis-Crack

Hans Löschmann kann es nicht lassen. Er muss es immer wieder tun. Zum Schläger greifen. Während der Jugend in Danzig konnte er nur davon träumen. Kein Geld, kein Tennis. Als Knirps verdiente er 30 Pfennig die Stunde als Balljunge auf den Plätzen der Reichen. Selbst spielen ging nur auf der Straße. "Wir haben mit der Laubsäge eigene Schläger aus Holz heraus gesägt. Mit Kreide Linien auf die Straße gemalt und eine Schnur als Netz gespannt."

Über die Kriegsgefangenschaft als Teenager und die harten Jahre danach erzählt er nicht gerne. Es muss brutal gewesen sein. Später zog es ihn nach Zuffenhausen, dann nach Weissach. Er hat bei Verlagen gearbeitet, als Redaktionsvolontär, später als Texter und als Creativ Director in Werbeagenturen, bis er seine eigene gründete. Wichtig dabei war, dass er jetzt endlich genug Geld hatte, um seiner Leidenschaft nachzugehen. 60 Jahre ist das jetzt her. Er hat bei den Senioren unzählige Titel gesammelt, national und international. Hat durch Tennis die Welt bereist. Mit seiner Frau Inge. Die sagt: "Ich war immer sein größter Fan."

Zweimal pro Woche auf dem Trainingsplatz

Bei unserer gemeinsamen Tennis-Stunde erzählt er, dass er mindestens zwei Mal in der Woche auf dem Platz steht, dass das aber alleine nicht reicht. "Jeden Morgen mache ich eine halbe Stunde Gymnastik, natürlich muss ich da jeden Tag den inneren Schweinhund überwinden, aber das musst du machen, wenn du in meinem Alter noch beweglich sein willst."


"Du hast halt gut Gene", hört er oft. "Das ist es nicht", sagt er dann, "es ist die Konsequenz mit der du lebst. Du musst auf alles achten." Jeden Morgen, seit 50 Jahren, ist er ein Müsli mit Früchten. "Ohne Zucker", betont er.

Tennis als Gehirn-Jogging

Er liest immer noch sehr viel. Will auf dem Laufenden bleiben. Einfach nur stillsitzen und nichts tun, scheint ihm nicht zu liegen. Er spielt immer noch aktiv Turniere. Mit den Jungen, den Herren 70 in Weissach/Flacht, denn Tennis ist für ihn auch Therapie. "Auch wenn die Ärzte es nicht gerne hören, ich habe meine eigene Theorie. Wenn du deine grauen Zellen trainieren willst, ist Tennis ideal. Bewegung, Aktion, Reaktion, Strategie. Dadurch bleibe ich fit." Auch durch die Gartenarbeit. "Neulich habe ich wieder Gras abgestochen, drei Stunden lang, das hält jung."

Übrigens. Bei seiner Dankesrede zum Neunzigsten, hat er alle zum Tennis eingeladen. Bei seinem nächsten runden Geburtstag. Dann heißt es: Der Hundertjährige, der zum Schläger griff und spielte.

Von Andreas Köstler