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Zwei Ringer im Kampf

Sportförderung Politik und Verbände finden einen Kompromiss

Der Deutsche Olympische Sportbund will wieder mehr Medaillen. Darum will er die Sportförderung reformieren. Besonders in einem Punkt hagelt es Kritik von Sportlern und Wissenschaftlern.


Das Gießkannen-Prinzip hat nach Meinung der Bundesregierung und des Deutsche Olympische Sportbunds (DOSB) ausgedient. Zukünftig soll ein stark erfolgsorientiertes Fördersystem den deutschen Sport wieder näher an die Weltspitze bringen. Darum sollen nicht mehr die Ergebnisse der Vergangenheit, sondern das Erfolgspotenzial für die Zukunft vorgeben, welcher Sportart und welcher Sportler gefördert werden.

Damit wollte Bundesinnenminister Thomas de Maiziére den deutschen Sport wieder zu alter Stärke zurückführen. Zum Vergleich: Bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona hat die deutschen Mannschaft 82 Medaillen gewonnen. Die Zahl hat sich seitdem fast halbiert; in Rio de Janeiro hatten deutsche Sportler nur noch 42 Mal Medaillen mitgebracht.

Den neuen Ansatz haben die meisten Sportler unterstützt. Für Aufregung sorge in diesem Zusammenhang eine Aussage von de Maizière in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung". Der Innenminister sagte: "Wenn eine Sportart strukturell dopingverseucht ist, habe ich Zweifel, ob wir diese Sportart mit Steuergeldern fördern sollten." Sportler wie der Schifferstadter Ringer Denis Kudla fühlten sich zu unrecht sanktioniert und begehrten auf.

DOSB-Mitglieder einigen sich

An Dienstag hat sich der deutsche Sport dann zusammengerauft: Nach einer Tagung der Mitgliedsverbände des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Frankfurt/Main sehen die Verantwortlichen einen Durchbruch. "Einen solchen Schulterschluss über zig Arbeitsgruppen hinweg hat es zu Zeiten des DOSB noch nicht gegeben", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Siegfried Kaidel, der Sprecher der Spitzenverbände, sprach von einem "Schulterschluss" der Mitgliedsorganisationen.

Andreas Silbersack, Vorsitzender der Konferenz der Landessportbünde, sagte: "Wir haben einen großen Schritt nach vorne gemacht." Bei dem Entwurf von DOSB und Bundesinnenministerium geht es um die Verteilung der Fördergelder bis 2028. An diesem Mittwoch folgt eine öffentliche Debatte mit Experten im Sportausschuss des Bundestages, danach gibt es Beratungen in weiteren Gremien. "Wir versuchen, bis zur Mitgliederversammlung in Magdeburg Klarheit zu schaffen", sagte Hörmann. Diese findet am 3. Dezember statt.

Bedenken konnten ausgeräumt werden

Einige zuletzt wenig erfolgreiche Verbände befürchteten, bei der Förderung starke Einbußen hinnehmen zu müssen oder ganz durchs Raster zu fallen. "Ich glaube, nach den heutigen Diskussionen sind viele Bedenken ausgeräumt worden. Es ist so, dass wir keinen fallen lassen, nur: Man muss halt seine Hausaufgaben machen", sagte Kaidel. Das BMI hat bisher 160 Millionen Euro im Jahr bezahlt; Hörmann hofft auf eine zusätzliche Anschubfinanzierung des neuen Konzepts.

Trotz der demonstrativ vorgetragenen Einigkeit gibt es laut Hörmann noch eine "große Liste" von Veränderungsvorschläge. Da geht es vor allem um die Einteilung in Exzellenzcluster, Potenzialcluster und Disziplinen ohne Erfolgspotenzial. Offen sei auch noch die Frage der Olympiastützpunkte: Diese sollen von 19 auf 13 reduziert werden.

Keine Sippenhaft, wenn es um Doping geht

Schwierig bleibt auch der Umgang mit Sportverbänden, deren Spitzenathleten es im internationalen Kräftemessen mit zahlreichen vermeintlichen Dopingsündern zu tun haben - wie die Gewichtheber. Hier hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière Überlegungen angestellt, dopingverseuchte Sportarten nicht mehr zu fördern. "Wir wollen sauberen Sport, wir müssen international den Druck erhöhen, dass die Chancengleichheit gewahrt wird", betonte Hörmann. Der 56-Jährige sieht da vor allem die internationalen Fachverbände in der Verantwortung und machte klar, "dass ich eine Sippenhaft der deutschen Sportler für gedopte internationale Sportler für falsch halte." Da habe der Minister eine etwas andere Sichtweise.