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Die Olympischen Spiele müssen verschoben werden - da ist sich Deutschlands Sportler des Jahres, Niklas Kaul, sicher. Zustimmung erhielt er gestern in SWR Sport von Crosslauf-Europameisterin Alina Reh, Ruder-Olympiasieger Richard Schmidt und Para-Speerwurf-Weltmeister Mathias Mester.

"Die Gesundheit der Bevölkerung ist im Moment deutlich, deutlich wichtiger als unser Sport. Wenn sich die Situation weiter verschärft, hoffe ich, dass die Olympischen Spiele nicht stattfinden werden zu diesem Zeitpunkt", bezieht Niklas Kaul in SWR Sport in Rheinland-Pfalz klar Stellung. "Ich hoffe, dass auch das IOC das sieht und sagt, wir verschieben die Spiele um ein Jahr, um faire Spiele für die Athleten zu haben", appelliert Kaul an die Verantwortlichen des IOC, die mittlerweile zumindest bekannt gegeben haben, dass in den nächsten vier Wochen eine Entscheidung fallen soll.

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Belastende Situation für die Athleten

Die momentane Situation belastet die Athleten physisch und psychisch. "Für uns Sportler ist das natürlich echt doof. Wir können nicht wirklich viel machen zuhause. Mit zehnkampforientiertem Training hat das wenig zu tun. Deswegen glaube ich, dass das lange Warten den Druck auf die Athleten, und vor allem auch den psychischen Druck, deutlich erhöht", beschreibt Kaul seine Situation.

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Rudertraining ohne Wasser

Genauso ergeht es auch Ruder-Olympiasieger Richard Schmidt "Wir versuchen natürlich zu trainieren, haben unseren Ergometer zuhause und fahren dann da unsere Kilometer, aber wir rudern. Ergometer- fahren ist nicht rudern, es fehlt ja das Elementare: das Wasser", erklärt Schmidt.

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Er sieht zudem einen enormen Wettbewerbsnachteil für sein Boot. "Andere Länder wie die USA, Großbritannien oder Australien können alle trainieren und das sind unsere Hauptkonkurrenten", sieht er die Chancengleichheit nicht mehr gewährleistet. "Wenn wir zwei Monate nur Homeoffice-Training machen, dann war's das", prognostiziert der 32-Jährige.

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Keine Startplätze

Doch nicht nur fehlende Trainingsmöglichkeiten belasten die Sportler. Ein riesiges Problem sind auch die ausgefallenen Wettkämpfe, ganz besonders für Para-Speerwerfer Mathias Mester. "Wir Para-Sportler müssen auch Quotenplätze für Deutschland holen. Bei uns kommen nicht die besten drei zu den Paralympics, sondern wir müssen uns Quotenplätze für unser Land erkämpfen. Das wäre bis 31. März gewesen. Leider musste ich schon zwei Wettkämpfe absagen und konnte noch keinen Quotenplatz für Deutschland holen", beschreibt er seine missliche Lage.

Mangelhafte Dopingkontrollen

Was ebenfalls gegen faire Spiele zum geplanten Zeitpunkt spricht, sind die mittlerweile wesentlich spärlicheren oder sogar gänzlich fehlenden Dopingkontrollen. "Man muss fast hoffen, dass die Spiele verschoben werden, damit wir nicht vielleicht die Spiele bekommen, die womöglich weniger sauber sind, als sie es im Normalfall wären", umschreibt Kaul, dass Manipulationen momentan durch die wesentlich geringere Anzahl an Kontrollen Tür und Tor geöffnet sind.

Maximal ein Jahr Verschiebung tragbar

Darüber, dass die Spiele verschoben werden sollten, sind sich die Athleten also einig. Allerdings spielt der Zeitraum für einige eine große Rolle. "Eine Verschiebung über Monate wäre ok. Ein Jahr wäre auch noch hinzukriegen, aber noch länger wäre nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen nicht mehr möglich", erklärt Schmidt, der gerade an seiner Doktorarbeit schreibt. Für Mester dagegen spielt die Dauer keine Rolle. "Ich habe gesagt, ich will noch einmal die Paralympischen Spiele erleben. Ich werde, wann auch immer, dabei sein", ist sich Mester sicher.

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Verschiebung ja, aber Traum von Olympia darf nicht platzen

Völliger Verzicht wäre auch für Alina Reh keine Option: "Ich träume schon ewig lang von den Olympischen Spielen. Wir müssen auch gucken wie wir uns finanzieren. Wir sind nicht im Fußball, wir sind eine Randsportart, auch wenn Leichtathletik noch ganz gut wegkommt. Das hat alles eine emotionale, aber auch eine finanzielle Seite. Es muss eine Verschiebung geben, etwas anderes ist nicht tragbar", sagt die 22-Jährige in SWR Sport in Baden-Württemberg.

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'"Ich glaube, dass man mit Herrn Bach (IOC-Präsident Thomas Bach, Anm. d. Red.) reden kann und am Ende dann zu einer vernünftigen Lösung kommt", hofft Richard Schmidt.

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